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So soll die Umgehungsstraße von Glaubitz verlaufen

Jetzt werden Vermesser erwartet. Ihre Geo-Daten sollen Grundlage für einen ersten konkreten Entwurf sein. Ist das Ziel 2030 zu schaffen?

Von Jörg Richter
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Die künftige Glaubitzer Umgehungsstraße (rot markiert) kreuzt den Radewitzer Weg. Nach bisherigen Plänen soll sie relativ nah am ehemaligen LPG-Gelände (Mitte) vorbeiführen.
Die künftige Glaubitzer Umgehungsstraße (rot markiert) kreuzt den Radewitzer Weg. Nach bisherigen Plänen soll sie relativ nah am ehemaligen LPG-Gelände (Mitte) vorbeiführen. © Foto: LKW

Glaubitz. Lkws bremsen am Dorfteich. Wenn zwei Laster sich in den Kurven begegnen, muss einer von beiden warten. Das klappt zwar einigermaßen. Denn Brummifahrer sind schließlich Kollegen. Doch kommen mehrere Sattelschlepper hintereinander, dann kann sich der Verkehr auch mal stauen. Das nervt nicht nur die Lkw-Fahrer, sondern auch die Anwohner der B 98.

"Viele sprechen mich an, was ist denn nun mit der Ortsumfahrung", sagt der Glaubitzer Bürgermeister Lutz Thiemig (parteilos). Sie würden auch fragen: "Wann können wir endlich unsere Kinder sicher über die Straße in die Kita schicken?" Alle Eltern, die an der Bundesstraße wohnen, gehen dieses Risiko nicht ein und bringen ihre Schützlinge lieber selbst in den Kindergarten. Gefährlich bleibt es trotzdem.

Die B 98 ist ein Dauerthema im Ort. Deshalb waren viele Glaubitzer auch froh, als die Ortsumfahrung im Bundesverkehrswegeplan 2030 in den vordringlichen Bedarf eingestuft wurde. Das ist schon ein paar Jahre her. Seitdem passierte nichts.

So in etwa soll die Ortsumgehung der B 98 bei Glaubitz aussehen. Die Punktlinie markiert die geplanten Lärmschutzwände.
So in etwa soll die Ortsumgehung der B 98 bei Glaubitz aussehen. Die Punktlinie markiert die geplanten Lärmschutzwände. © SZ Grafik

Das scheint sich nun zu ändern. Denn seit Beginn Oktober werden Vermesser in Glaubitz erwartet. Wie das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) bestätigt, sollen sie das Gelände, durch das die künftige Ortsumfahrung nördlich von Glaubitz verläuft, mit satellitengestützten Messgeräten erfassen.

"Die Vermessung bildet die Grundlage für die Entwurfsplanung des Vorhabens B 98 Ortsumgehung Glaubitz", so eine Lasuv-Pressesprecherin. "Insofern orientiert sich der Vermessungsbereich an der geplanten Linienführung und berücksichtigt dabei auch erforderliche Kreuzungen, zukünftige Bauwerksbereiche, vorhandene Bauwerke sowie alle Wegeanschlüsse."

Es werden dauerhaft nutzbare Vermessungspunkte gesetzt. In befestigten Flächen, wie Straßen und Radwegen, mittels Vermessungsbolzen. In unbefestigten, öffentlichen Flächen mit Einschlagmarken. Nach Möglichkeit sollen bereits vorhandene Bolzen und Vermarkungssteine der Katastervermessung aufgesucht, überprüft und weiterverwendet werden. Auf Wiesen und Äckern, die landwirtschaftlich genutzt werden, soll es keine festen Messpunkte geben, sondern nur an deren Randbereichen.

Am TGZ soll die Umgehungsstraße (rot eingezeichnet) wieder in die vorhandene B 98 einbinden. Interessant ist der Aspekt, dass das TGZ-Gebäude vorsorglich parallel zur künftigen Bundesstraße errichtet wurde.
Am TGZ soll die Umgehungsstraße (rot eingezeichnet) wieder in die vorhandene B 98 einbinden. Interessant ist der Aspekt, dass das TGZ-Gebäude vorsorglich parallel zur künftigen Bundesstraße errichtet wurde. © Foto: LKW
In Richtung Wildenhain soll die Ortsumgehung (rot) an diesem Wäldchen vorbeiführen. Hier befinden sich eine Rettungswache des Malteser-Hilfswerks und die Schießanlage des hießigen Schützenvereins.
In Richtung Wildenhain soll die Ortsumgehung (rot) an diesem Wäldchen vorbeiführen. Hier befinden sich eine Rettungswache des Malteser-Hilfswerks und die Schießanlage des hießigen Schützenvereins. © Foto: LKW

Für das Vorhaben wurde die Voruntersuchung aufgestellt. "Da es sich um eine Bundesstraße handelt, ist noch die Zustimmung des Bundesverkehrsministeriums zur Trassenführung erforderlich", so die Lasuv-Sprecherin. Doch diese Zustimmung stehe derzeit noch aus.

Ursprünglich gab es drei Varianten. Dass man sich nach all den Jahren noch immer nicht abschließend auf eine einigen konnte, können die Glaubitzer nicht verstehen. Dabei gibt es eine favorisierte Variante, mit der auch Umweltschützer zufrieden sein können. Sie berücksichtigt das Vogelschutzgebiet zwischen Radewitz und Glaubitz.

"Wir sind leider nicht in der Lage, den Prozess zu beschleunigen", sagt Thiemig. "Es dauert eben alles." Das hat auch Auswirkungen auf die Baupreise. Sind bisherige Kostenschätzungen für den 2,7 Kilometer langen, zweistreifigen Neubau von 8,1 Millionen Euro (Preisstand 2014) ausgegangen, so geht das Lasuv mittlerweile von rund 13 Millionen Euro aus.

Neue Straße 2030 fertig oder später?

Der Glaubitzer Bürgermeister ist fest davon überzeugt, dass die Ortsumfahrung der B 98 bis 2030 fertiggestellt ist - vorausgesetzt, dass es keine Bürgereinwände gibt. "2030 will ich mit meinem Fahrrad auf der alten B 98 fahren", sagt er und hofft, rechtzeitig mit Bürgern ins Gespräch kommen, um eventuelle Bedenken auszuräumen.

Doch ganz so optimistisch scheint das Lasuv nicht zu sein, was das Fertigstellungsjahr betrifft. "Da die Planungen für das Vorhaben noch am Anfang stehen, ist eine verbindliche Aussage dazu gegenwärtig nicht möglich", so die Pressesprecherin.

Voraussichtlich im kommenden Jahr soll mit der Entwurfsplanung begonnen werden. Danach schließt sich die Erstellung der Baurechtsunterlagen an. Das anschließende Baurechtsverfahren wird von der Landesdirektion Sachsen geführt. Die Dauer des Verfahrens lasse sich nicht belastbar abschätzen. Nach Vorliegen des Planfeststellungsbeschlusses wird die Ausführungsplanung erarbeitet und anschließend das Vorhaben ausgeschrieben. Voraussetzung für Planung und Bau sei außerdem, dass die erforderlichen Finanzmittel bereitgestellt werden.

Die Ortsumgehung Schönfeld ist da erheblich weiter. Hier läuft derzeit das Planfeststellungsverfahren. Die Unterlagen haben bereits öffentlich ausgelegen. Wie das Lasuv bestätigt, seien dabei Einwendungen von Trägern öffentlicher Belange und von Privatbetroffenen eingegangen. Diese würden derzeit geprüft und anschließend an die Planfeststellungsbehörde übergeben. Wenn es so weit ist, legt die Landesdirektion Sachsen einen Erörterungstermin fest.

Während sich die Planung für die Ortsumgehung Schönfeld auf der Zielgeraden befindet, sind die Ortsumgehungen Wildenhain und Quersa weit davon entfernt. Wie in Glaubitz wurde die Voruntersuchung aufgestellt. Und wie im Fall Glaubitz hat sich das Bundesverkehrsministerium noch nicht mal für eine Vorzugsvariante entschieden.