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Getränkehändler bleiben auf Ware sitzen

Die Ausgangsbeschränkungen treffen auch die Firma von Jürgen und Matthias Krille hart. Dabei gäbe es dieses Jahr eigentlich Grund zum Feiern.

Jürgen (l.) und Matthias Krille leiten den Getränkefachgroßhandel K+K mit Sitz in Riesa. Die Fässer im Hintergrund gehen normalerweise an die Gastronomiebranche. Doch wegen der Corona-Beschränkungen steht dieser Unternehmenszweig still.
Jürgen (l.) und Matthias Krille leiten den Getränkefachgroßhandel K+K mit Sitz in Riesa. Die Fässer im Hintergrund gehen normalerweise an die Gastronomiebranche. Doch wegen der Corona-Beschränkungen steht dieser Unternehmenszweig still. © Sebastian Schultz

Riesa. Meterhoch stapeln sich die Paletten mit den glänzenden Fässern in der Lagerhalle. Direkt daneben ist das Lagerregal voll mit Kästen für kleine 0,33-Liter-Flaschen von Wasser, Schorle und Saft. Normalerweise bleiben die Getränkekisten und Fässer nicht lange hier, erklärt Matthias Krille, während er gemeinsam mit seinem Bruder Jürgen durch das Lager führt. Aber was ist schon normal in diesen Tagen. 

Nachdem Anfang November die Gaststätten und das Hotelgewerbe schließen mussten, bleiben auch Matthias und Jürgen Krille auf einem großen Teil ihrer Ware sitzen. Während sonst die Fässer an einem Tag bestellt und am nächsten geliefert werden, stehen sie jetzt im Lager herum. Das sei natürlich ein Problem, sagt Jürgen Krille. Letztendlich sei auch ihre Ware verderblich. "Man kann das alles nicht einfach runterbremsen." 

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Ihren Getränkeservice K+K trifft der zweite Lockdown wie viele andere Zulieferbetriebe auch. Das beginne schon mit der Schließung der Bäder und des Sportzentrums Olympia, die sie beliefern, und gehe über die Gastronomie bis hin zu den großen Veranstaltungen. "Karneval in Köln ist auch so ein Thema", sagt Matthias Krille. Seit etwa 20 Jahren ist die Firma auch deutschland- und europaweit im Eventbereich aktiv, speziell im Tribünenbau. In Köln stellen die Riesaer seit längerer Zeit schon einen Teil der Tribünen für die Umzüge. Doch in diesem Jahr fiel der Umzug aus. "Und jetzt nehmen die ersten Veranstalter bereits Abstand, was die Pläne für 2021 angeht." Viele seien schlichtweg verunsichert. 

Der Sitz von K+K in an der Klötzerstraße in Riesa. Hier ist das Unternehmen seit 2009 ansässig.
Der Sitz von K+K in an der Klötzerstraße in Riesa. Hier ist das Unternehmen seit 2009 ansässig. © Sebastian Schultz

Auf Veranstaltungen europaweit unterwegs

Dabei wäre 2020 eigentlich ein Jahr zum Feiern für die beiden Brüder. "Uns trifft es ausgerechnet im Jubiläumsjahr", erzählt Jürgen Krille. Dann zeigt er einige gerahmte Fotos aus den 1990er-Jahren. Vom elterlichen Hof in Kreinitz aus machten sich die Brüder 1990 selbstständig. "Der Hof bot die Räume und den Platz", sagt Jürgen Krille. Sein jüngerer Bruder spricht vom Pioniergeist, der nach der Wende viele erfasst habe. Allein an Getränkehändlern habe es in und um Riesa eine Handvoll gegeben. "Die Idee hatten viele andere auch." Mittlerweile seien die alle verschwunden. K+K dagegen expandierte, zog zuerst für eine Zeit nach Fichtenberg in Brandenburg und 2006 an die Klötzerstraße in Riesa. Die Firma übernahm die Bergbrauerei Riesa nach deren Ende und wuchs damit noch ein Stück. 

Als der Preisdruck auf dem Getränkemarkt in den vergangenen Jahren weiter zunahm, wendeten sich die Brüder dem Veranstaltungssektor und der Gastronomie zu. Mittlerweile zählen sie rund 450 Gastronomiekunden. Auf einer Karte im Besprechungsraum der Firma ist das Einzugsgebiet markiert; bis Torgau, Meißen und Elsterwerda fahren die Lkw des Riesaer Unternehmens.

Die Brüder wollen einen Weckruf aussenden

Auf alle Bereiche gerechnet, büßt das Unternehmen in diesem Monat wohl 90 Prozent des Umsatzes ein. Für die 48 Festangestellten bedeutet das Kurzarbeit. Damit ist die Lage wieder so, wie schon während der harten Einschränkungen im Frühjahr. Aber einiges ist eben doch anders, sagt Jürgen Krille. "Damals war die Solidarität größer, weil viel mehr Branchen betroffen waren." 

Jetzt habe er den Eindruck, dass vielerorts Schulterzucken da sei: Das Thema betreffe ja "nur" die Gastronomie und die Veranstalter. Denen fehle es ein Stück weit an der Lobby. In Hotellerie, Gastronomie und im Veranstaltungsbereich arbeiteten rund vier Millionen Menschen. Dazu kommen noch die Zulieferer; allein im Getränkegroßhandel in Deutschland gibt es rund 3.500 Betriebe mit mehr als 47.000 Mitarbeitern. "Man verkennt, welche Größenordnung dahintersteht", sagt Matthias Krille. Dazu komme noch, dass es sich für einen Monat nicht lohnt, den Fuhrpark abzumelden, wie das die Firma im Frühling getan hat. 

Die Zapfanlagen bleiben im Lager: Die Riesaer sind auch in der Eventbranche unterwegs, stellen beispielsweise Tribünen für den Kölner Karneval.
Die Zapfanlagen bleiben im Lager: Die Riesaer sind auch in der Eventbranche unterwegs, stellen beispielsweise Tribünen für den Kölner Karneval. © Sebastian Schultz

Die Brüder wollen einen Weckruf aussenden, sagen sie. "Wir können uns nicht hinstellen und sagen: Wir wollen, dass übermorgen wieder die Kneipen aufmachen." Aber man könne schon ein Bewusstsein dafür schaffen, was eigentlich an den betroffenen Branchen dranhängt - und wie ernst die Lage ist. Ihr Unternehmen sei dabei sicher nicht am härtesten getroffen - einige ihrer Kunden aber umso mehr. "Einer von ihnen hat erst in diesem Jahr in Brandenburg sein Lokal geöffnet", sagt Matthias Krille. Ob er für den neuerlichen Lockdown entschädigt wird und in welcher Form, ist völlig unklar. Denn als Berechnungsgrundlage für die außerordentliche Wirtschaftshilfe werden eigentlich die Einnahmen aus dem Vorjahr herangezogen. 

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Auf die staatlichen Hilfszahlungen hoffen auch die Krille-Brüder. Darüber hinaus wollen sie das Unternehmen jetzt etwas breiter aufstellen. Künftig will das Unternehmen mit einer eigens gegründeten Gesellschaft auch im Immobilienmanagement aktiv werden. Da könne man von den Erfahrungen aus der Eventbranche ein Stück weit zehren, sagt Matthias Krille. Bei alledem hoffen sie, dass im Dezember die Gaststätten wieder öffnen können. Auch für ihre Mitarbeiter. Denn ewig könne man von Kurzarbeitergeld auch nicht leben. "Gott sei Dank sind die Mitarbeiter alle auf unserer Seite", sagt Jürgen Krille. "Ein großer Teil unserer Leute arbeitet schon seit zehn, 20 Jahren für uns, deshalb wollen wir die natürlich alle halten." 

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