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Hoch hinaus in Seerhausen

Der kleine Ort kommt ins Fernsehen. Noch bis Sonntag dreht der MDR für die Serie "Unser Dorf hat Wochenende".

Von Jürgen Müller
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Wohnen gerne in Seerhausen: Gisela Möbius und ihre Tochter Silke Heuer, vor deren Haus gerade die Hebebühne aufgebaut wird.
Wohnen gerne in Seerhausen: Gisela Möbius und ihre Tochter Silke Heuer, vor deren Haus gerade die Hebebühne aufgebaut wird. © Sebastian Schultz

Stauchitz. Michael Haubold hat es geschafft. Er ist ganz oben angekommen. In 21 Metern Höhe. So weit reicht der Arm seiner Hebebühne. Seit drei Jahren führt der 44-Jährige in Seerhausen die Firma "Haubilift" als Einzelunternehmer. Er ist einer von erstaunlich vielen Gewerbetreibenden in dem kleinen Ortsteil von Stauchitz, der rund 600 Einwohner zählt. Und das ist auch ein Grund, warum der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) jetzt den Ort für seine Serie "Unser Dorf hat Wochenende" entdeckt hat. Seit Freitag und noch bis Sonntag sind zwei Kamerateams unterwegs, berichten über Menschen, Geschichte und Geschichten.

Die Produktion liegt in Verantwortung des Landesfunkhauses Thüringen. Es gehe um das Lebensgefühl und den Alltag im Dorf mit all seinen Höhepunkten, dem Miteinander, den Streitereien und Freuden. Und es gehe um die Zukunftspläne ebenso wie um die Sorgen der im ländlichen Raum lebenden Menschen, heißt es vom MDR. Aus fast 200 Dörfern in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen habe die MDR-Sendereihe schon berichtet, die Zuschauerresonanz des Formats sei enorm.

"Wir wollen mit dieser Serie zeigen, wie das Leben auf dem Land funktioniert. Hier gibt es ja oft noch ein großes Miteinander, das das Dorfleben ausmacht. Leider hat dieses Miteinander unter Corona sehr gelitten, können doch kaum noch Veranstaltungen stattfinden", sagt Frank Stuckatz. Auf Seerhausen sei man durch Anja Schultze gekommen, die in Heyda mit ihrem Mann einen alten Bauernhof kaufte und dort auch einen kleinen Unverpackt-Laden eröffnete. Auch in Heyda hatte der MDR schon für seine Serie gedreht.

Das allererste Haus

Einer der aufmerksamen Beobachter, wie die Hebebühne von Haubilift ausgefahren wird, ist Silke Heuer. Kein Wunder, das Haus der 47-Jährigen ist schließlich der Drehort, dient gewissermaßen als Kulisse. Seit 2000 wohnt sie mit Ehemann Dennis (49) und der Familie hier, doch in Seerhausen schon viel länger. Nebenan steht das Haus ihrer Eltern Gisela und Werner Möbius. "Unser Haus war hier 1994 das allererste. Bis dahin war es nur ein Gartengrundstück. Nachdem wir gebaut hatten, kam der damalige Bürgermeister Gottfried Fischer auf die Idee, hier ein ganzes Wohngebiet anzusiedeln", sagt die 72-jährige Gisela Möbius.

Damals war die Familie von Riesa nach Seerhausen gezogen. Vieles habe sich seitdem verändert, nicht alles zum Guten. "Als wir herzogen, gab es in Seerhausen noch Lebensmittelgeschäft, Fleischer, Gaststätte, Kindergarten. Alles ist weg, man ist schon zwingend auf das Auto angewiesen", sagt sie. Und dennoch: Man wohne hier sehr schön und ruhig, auch wenn die Straßen im Wohngebiet sehr eng seien. In einem ist sie sich sicher: "Nach Riesa würde ich nie mehr zurückziehen."

Verein leidet unter Corona

Manches gibt es noch in dem kleinen Ort, was man nicht vermuten würde. Beispielsweise einen Sportverein. Im SV Seerhausen wird Fußball gespielt und Hundesport betrieben. "Leider haben wir im Fußball nur eine Männermannschaft, die in der 2. Kreisklasse spielt. Für mehr Mannschaften reicht es nicht. Da brauchte man pro Team etwa 15 Spieler. So viele kriegen wir in keiner Altersklasse zusammen. So kicken unsere Kinder und Jugendlichen bei Stahl Riesa oder dem SV Stauchitz", sagt Tilo Ebermann. Er ist der Vereinschef sozusagen in dritter Generation. Schon sein Vater und sein Großvater waren Vorsitzende des Vereins.

Derzeit gibt es wegen Corona keinen Spielbetrieb im Fußball, das macht dem Verein sehr zu schaffen. "Uns fehlen die Einnahmen aus dem Eintritt und dem Imbissverkauf. Einem kleinen Verein wie dem unsrigen mit 70 Mitgliedern, etwa die Hälfte davon Hundesportler, macht das schon zu schaffen", sagt er. Pro Spiel kommen 30 bis 60 Zuschauer.

Derweil wird die Hebebühne wieder eingefahren. Die Drehteams haben noch viel vor. Wer alles bei "Unser Dorf hat Wochenende" aus Seerhausen zu sehen ist, kann man am 13. Februar ab 9 Uhr erfahren. Dann wird die Serie im MDR ausgestrahlt. In der ARD-Mediathek ist die Sendung bereits am Sonnabend, den 12. Februar, ab 9 Uhr zu sehen.