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"Ich finde es besser, auf Menschen zuzugehen"

Die Leckwitzerin Andrea Beger hat sich nicht nur durch Wahlplakate in der Gemeinde Nünchritz bekannter gemacht.

Blumen gibt es viele auf dem Katzenjammer zwischen Leckwitz und Merschwitz, wo Andrea Beger mit ihrer Familie wohnt.
Blumen gibt es viele auf dem Katzenjammer zwischen Leckwitz und Merschwitz, wo Andrea Beger mit ihrer Familie wohnt. © Lutz Weidler

Nünchritz. Am kommenden Sonntag wählt ganz Deutschland einen neuen Bundestag und die Nünchritzer zusätzlich ein neues Oberhaupt im Rathaus. Die parteilose Andrea Beger tritt gegen Jürgen Schmidt von der SPD an, um Bürgermeisterin zu werden. Die SZ traf sich vorab mit den Leckwitzerin, die zehn Jahre im Landratsamt Meißen und die letzten drei Jahre in der Stadtverwaltung Meißen gearbeitet hat.

Frau Beger, warum wurden Sie von der CDU nominiert, statt von ihrer eigenen Fraktion?

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Ich hätte auch für den TSV Merschwitz antreten können, das stimmt. Doch dann wäre die bürokratische Hürde für die Kandidatur höher gewesen. Es ist einfacher, von einer Partei nominiert zu werden. Außerdem war die Nünchritzer CDU auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten und hatte mich angesprochen. Wohl auch deshalb, weil ich, wie der jetzige Bürgermeister Gerd Barthold vorher auch, Erfahrungen aus der Verwaltung mitbringe. Nichtsdestotrotz unterstützen mich die Leute aus dem TSV von Beginn an und freuen sich, dass ich für das Bürgermeisteramt kandidiere.

Ihre Plakate und Flyer sehen sehr professionell aus. Hat Ihnen dabei die CDU geholfen?

Nein, die Fotos und Plakate stammen vom Hochzeitsfotografen Alexander Kalide aus Großenhain. Er ist ein Freund unserer Familie und hat auch meine Internetseite gestaltet. Die Inhalte stammen von mir, aber er hat mich beraten, zum Beispiel bei der Farbgestaltung.

Die Grundfarbe ihrer Plakate ist Orange. Gibt es eine Bedeutung für Orange?

Die Freien Wähler nutzen auch Orange. Aber das hatte ich vorher nicht gewusst. Ich wollte nur eine Farbe, die nicht sofort mit einer der gängigen Parteien in Verbindung gebracht wird. Da wurde es eben Orange. Das hat keine Bedeutung. Dagegen hat die Blume auf den Plakaten und den Flyern allerdings schon eine Bedeutung.

Welche?

Ihre Blätter sind bunt. Das steht für die Vielfalt der Menschen, die alle miteinander die Zukunft unserer Gemeinde gestalten sollen. Und ich denke, es gehört zu unserer Gesellschaft, dass wir lernen müssen, miteinander zu reden und nicht nur aufeinander zu schimpfen. Dabei stehen die Farben nicht für Parteien, sondern für alle Menschen, ob klein, groß, dick, dünn, mit besonderen Bedürfnissen, Kinder, Jugendliche, Senioren ...

Man merkt, dass Sie Erzieherin sind.

Ich habe Erzieherin gelernt und habe später Sozialpädagogik studiert.

Sie haben zehn Jahre im Landratsamt gearbeitet. Ist das ein Vorteil?

Wichtiger für meine Kandidatur finde ich die Erfahrungen, die ich in den letzten drei Jahren im Familienamt der Stadtverwaltung Meißen gesammelt habe. Das ist Kommunalpolitik pur. Man ist im direkten Bürgerkontakt, greift ihre Anliegen auf, unterstützt durch Beratung und sucht Lösungen.

Also haben Sie sich in Meißen die Sporen für ihre Kandidatur verdient?

Ohne die Erfahrungen aus Meißen hätte ich mich sicherlich nicht mit dem Gedanken vertraut gemacht, Bürgermeisterin zu werden.

Ihr Wahlkampf begann mit dem Tag, an dem der jetzige Bürgermeister Gerd Barthold verkündete, dass er aus gesundheitlichen Gründen aufhören möchte. Seitdem sind Sie in der Gemeinde viel rumgekommen, waren z. B. beim Motorradtreffen im Bunker und beim Schützenfest in Diesbar-Seußlitz. Wie sind Sie angekommen?

Ich habe mich, so wie ich bin, gezeigt und bin mit den Leuten ins Gespräch gekommen. Das ist wichtig. Plakate und Flyer sind nur eine Möglichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber besser finde ich es, auf die Menschen zuzugehen. Ich habe es so empfunden, dass es entspannte Gespräche waren.

Wie hat es Ihre Familie aufgefasst, dass Sie sich bewerben?

Mein Mann findet es gut und bestärkt mich darin. Mein Sohn Richard ist 15 Jahre und ist selbst interessiert an gesellschaftlichen Themen. Auch er findet das klasse, dass ich kandidiere.

Sie sind Keglerin beim TSV Merschwitz. Kommen Sie dann noch zum Kegeln, falls Sie Bürgermeisterin werden?

Das nehme ich mir ganz fest vor. Ich merke es schon in dieser Wahlkampfzeit, dass das Kegeln wie ein Hafen für mich ist. Das gehört zu mir, das bin ich und das sind die Menschen im Verein, die mir vertraut sind. Auch wenn ich nicht kegle, gehe ich gern ins Vereinsheim. Das ist mir wichtig, zumal es auch mein Sport ist. Kegeln ist für mich ein Ausgleich zu meiner Arbeit. Es trainiert Muskelgruppen, an die man gar nicht denkt, aber bedarf auch einer guten Konzentration.

Was denken Sie, wo Sie die meisten Wähler haben werden?

Na, ich hoffe doch in Merschwitz und Leckwitz. Die Herausforderung ist, dass ich nicht sehr bekannt bin und lange weg war. Ich bin eine geborene Paust, wir wohnen auf dem Katzenjammer. Das liegt im Nirgendwo zwischen Leckwitz und Merschwitz. 2014 bin ich mit meinem Mann und meinem Sohn von Großenhain wieder hierhergezogen und wurde vor zwei Jahren auch in den Nünchritzer Gemeinderat gewählt. Ich denke schon, dass ich mich im Wahlkampf in allen Ortsteilen bekannter gemacht habe.

Sehen Sie es als Nachteil, von der CDU ins Rennen geschickt worden zu sein?

Nein, der CDU-Ortsverband unterstützt mich ja auch. Am Ende geht es bei uns in der Gemeinde nicht um Parteiprogramme der großen Politik in Berlin, sondern um den Bürgerwillen in der Gemeinde Nünchritz. Als Bürgermeisterin will ich mit allen, egal ob CDU, SPD, Linke, TSV Merschwitz oder künftig vielleicht noch andere Parteien, zusammenarbeiten. Zum Wohle unserer Gemeinde.

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