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"Alles andere als günstige Voraussetzungen"

Der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold spricht im SZ-Interview von einem schwierigen Jahr 2021 mit vielen Fragezeichen. Nicht nur wegen Corona.

Der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold im Goltzschaer Freibad. Die Gemeinde hat hier in den vergangenen Jahren schon einiges Geld investiert. 2021 soll die Zufahrtsstraße saniert werden.
Der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold im Goltzschaer Freibad. Die Gemeinde hat hier in den vergangenen Jahren schon einiges Geld investiert. 2021 soll die Zufahrtsstraße saniert werden. © Lutz Weidler

Herr Barthold, das Nünchritzer Rathaus ist zurzeit unterbesetzt. Was ist los?

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Wir haben mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Deshalb befinden sich andere aus den Ämtern auch in Quarantäne. Auch ich muss zuhause bleiben und versuchen, von hier aus die Geschäfte zu leiten.

Ist die Gemeinde Nünchritz momentan nicht arbeitsfähig?

Ganz so schlimm ist es nicht. Aber auf dem Meldeamt werden zum Beispiel nur noch die Termine vereinbart, die unbedingt notwendig sind. Und aufgrund der aktuellen Lage haben wir auch erst einmal die Gemeinderatssitzungsrunde im Januar abgesetzt. Ich muss sie ja auch vorbereiten können. Aber wenn die Verwaltung kaum arbeitsfähig ist, geht dies schlecht.

Haben Sie schon mal über eine Onlinesitzung nachgedacht?

Dafür haben wir nicht die technischen Voraussetzungen für alle Gemeinderäte. Das ist kaum machbar.

Am Monatsende geht der Nünchritzer Bauamtsleiter Uwe Riedel in den Ruhestand.

Ja, das stimmt. Ich bedaure es sehr. Leider können wir ihn in der Gemeinderatssitzung nicht einmal richtig verabschieden. Aber wir wollen es, sobald es wieder möglich ist, nachholen. Vielleicht beim geplanten Frühjahrsgrillen des Gemeinderates, mit dem wir unsere ausgefallene Weihnachtsfeier nachholen möchten. Möglicherweise wird auch erst ein Corona-Abschieds-Grillen im Sommer daraus. So genau weiß das ja bei der Pandemielage keiner.

Wie steht es um die Übergabe der Bauamtsgeschäfte an seine Nachfolgerin?

Cornelia Peupelmann ist zum Glück schon seit 1. November bei uns, so dass Uwe Riedel Zeit hatte, sie einzuarbeiten. Aber leider ist sie auch in Quarantäne, so dass die Übergabe nicht ganz so verläuft wie erhofft.

Welche Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten auf die Verwaltungsarbeit?

Sie hat sie natürlich eingeschränkt, wenn man immer wieder Personalausfälle hat. Entweder durch Direktbetroffene oder durch Quarantäne. Auch die Kitas und der Bauhof waren betroffen. Wenn Kollegen nicht da sind, muss es ja irgendwie weitergehen. Da bleibt Arbeit liegen. Damit haben alle Gemeindeverwaltungen zu kämpfen. Aber im Nünchritzer Rathaus waren über Weihnachten und Neujahr die Ausfälle wegen Corona zum Jahresbeginn mit über einem Drittel ziemlich massiv.

Sind wegen der Pandemie im vergangenen Jahr Projekte auf der Strecke geblieben?

Im letzten Jahr eher weniger. Wir konnten wie geplant einen Teil der Karl-Marx-Straße sanieren. Wir haben die Gehwegabschnitte an der Wiesentorstraße erneuern können. Momentan läuft der Anbau für das Nünchritzer Feuerwehr-Gerätehaus. Wir wollen dort Umkleideräume für die Feuerwehrfrauen und einen neuen Stellplatz schaffen.

Wie steht es um die Sanierung der Treppe an der Heinrichsburg in Diesbar-Seußlitz?

Dort stockt es vorerst. Allerdings nicht wegen Corona, sondern weil es noch Abstimmungen mit dem Denkmalschutz, dem Planer und den Baufirmen zu erheblichen baulichen Nachforderungen verbunden mit finanziellen Mehraufwendungen gibt.

Welche Baumaßnahmen sind denn für dieses Jahr geplant?

Dieses Jahr ist nun ganz schwierig. Wir hatten 2020 erhebliche Gewerbesteuer-Ausfälle. Das macht die Planung für den Doppelhaushalt schwierig. Und jetzt kommt Corona noch hinzu. Das zusammen sind alles andere als günstige Voraussetzungen für neue Investitionen. Wir haben zwar ein paar Wünsche, aber ob sie in den Haushaltsplan passen, kann ich noch nicht sagen.

Was wären denn das für Wünsche?

Die Straße am Goltzschaer Bad zum Beispiel. Dort brechen die Ränder massiv weg. Das Problem ist, dass es auf absehbare Zeit keine Straßenbau-Förderung des Freistaates mehr gibt. Wenn wir die Straße bauen wollen, müssen wir es selbst stemmen.

Vor diesem Hintergrund kann Nünchritz froh sein, im vergangenen Jahr noch die Ortsdurchfahrt in Diesbar-Seußlitz neu gebaut zu haben, oder?

Ja, genau. Sie ist sehr schön geworden. Die Zusammenarbeit mit dem Straßenbauamt war schon ein Gewinn.

Aber dieses Jahr sieht es eben schlecht für derartige Investitionen aus.

Da gibt es momentan zu viele Fragezeichen, welche Wünsche oder dringende Maßnahmen wir haushaltstechnisch untersetzen können. Es wäre sowieso schon ein schwieriger Doppelhaushalt geworden. Und jetzt kommt Corona als unsicheres Planungsinstrument noch dazu. Die Pandemie-Folgen kann ja noch nicht einmal die Bundesregierung insgesamt abschätzen.

Trotz dieser allgemein ungewissen Zeit baut der Chemiekonzern Wacker in seinem Nünchritzer Werk eine neue Anlage. Was sagen Sie dazu?

Es gibt uns die Zuversicht, dass das Chemiewerk weiter ausgebaut wird, die Produktion am Standort Nünchritz stabil bleibt und Arbeitsplätze in der Region sichert.

Das Gespräch führte Jörg Richter.

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