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Bald wieder Direktzüge von Riesa nach Berlin?

Sonderfahrten und eine Ausschreibung nähren die Hoffnung auf eine Wiederkehr einer umstiegslosen Verbindung in die Bundeshauptstadt.

Zum ersten Oktoberwochenende fuhr ein Sonderzug der Mitteldeutschen Regionalbahn von Chemnitz über Riesa bis Berlin.
Zum ersten Oktoberwochenende fuhr ein Sonderzug der Mitteldeutschen Regionalbahn von Chemnitz über Riesa bis Berlin. © MRB

Riesa. In Riesa rein in den Zug und dann durchfahren bis Berlin. Was lange nicht ging, war am ersten Wochenende dieses Monats möglich. Die Mitteldeutsche Regionalbahn (MRB) hatte Sonderzüge am Sonnabend und Sonntag, 2. und 3. Oktober, von Chemnitz über Riesa in die Spreemetropole fahren lassen. Die hinter der MRB stehende Transdev-Gruppe sprach im Nachgang von einer positiven Resonanz: Insgesamt hätten etwas mehr als 300 Fahrgäste das Angebot genutzt.

Manch Beobachter hofft, dass es künftig nicht bei Sonderfahrten bleibt – sondern es bald wieder eine dauerhafte Direktverbindung von Riesa nach Berlin gibt.

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Genährt wird diese Hoffnung durch eine Initiative des Zweckverbands Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) mit Sitz in Chemnitz. Der hatte zwischen Anfang August und Anfang September den Schienenfernverkehr zwischen Chemnitz und Berlin ausgeschrieben. Erklärtes Ziel: Die südsächsischen Oberzentren Chemnitz und Zwickau nach 15 Jahren wieder an den überregionalen Eisenbahnverkehr anbinden. 2,5 Millionen Euro jährlich gibt das Land Sachsen dafür maximal als Zuschuss.

Wie aus den Ausschreibungsunterlagen weiter hervorgeht, sollen die Züge aus der Chemnitzer Region ab Juni 2022 nach Berlin fahren. Der Vertrag mit dem Eisenbahnunternehmen, das am Ende den Zuschlag erhält, soll dann bis Dezember 2028 gelten – "mit Verlängerungsoption um jeweils ein Jahr bis maximal zum Sommerfahrplanwechsel im Juni 2037".

Wie sich der VMS die Verbindung vorstellt, ist in einem Anforderungskatalog in der Ausschreibung formuliert. Unter anderem heißt es da, dass sie "ohne Umstieg" und mit wenigen Halten erfolgen soll. Längere Standzeiten an Unterwegsbahnhöfen sind nicht gewünscht. Es solle "mindestens zwei tägliche Verbindungen in beide Richtungen zwischen 6 Uhr und 22 Uhr" geben. Sitzplätze reservieren zu können ist ebenso eine Mindestanforderung des Verkehrsverbunds wie ein Cateringangebot, ein Kundenbetreuer in jedem Zug und ein Erste-Klasse-Bereich. Außerdem soll es Steckdosen am Sitzplatz und Klimatisierung geben, ebenso mindestens zwei funktionierende WCs im Zug. Auch Stauräume für ausreichend Gepäck müssen die Bahnunternehmen anbieten können. Denn unter anderem soll mit der neuen Verbindung auch der Flughafen BER angesteuert werden.

Was indes nicht ausformuliert ist: Welche Route die Züge auf ihrem Weg von Südsachsen ins Brandenburgische und weiter nach Berlin nehmen. Die Bahnunternehmen dürfen sich also selbst aussuchen, wo es langgeht. Damit wird auch ein Streckenverlauf über Riesa denkbar.

Doch wie ist die Ausschreibung gelaufen? Gibt es bei Eisenbahnverkehrsunternehmen überhaupt Interesse, in den nächsten Jahren den Fernverkehr zwischen Chemnitz und Berlin auf der Schiene zu erbringen? Auf Nachfrage heißt es vom VMS, das Interesse der Unternehmen an der Ausschreibung sei groß gewesen. Angebote lägen dem Zweckverband aber noch nicht vor, sondern lediglich "mehrere Teilnahmeanträge". Derzeit laufe eine sogenannte Präqualifikation. Danach würden alle entsprechend der Bedingungen geeigneten Bieter zur Angebotsabgabe aufgefordert. Wann das passiert, blieb zunächst offen.

Bei der MRB, die zuletzt die Sonderfahrten angeboten hatte, sieht man einen Bedarf für die Verbindung von Chemnitz in die Bundeshauptstadt, weshalb das Unternehmen auf dieser künftig Sonderzüge anbieten will. Ob sich die MRB beziehungsweise Transdev an der Ausschreibung des VMS beteiligt hat? Man bitte um Verständnis, dass man sich zu laufenden Ausschreibungsverfahren nicht äußere, so ein Sprecher.

Es bleiben also vorläufig noch etliche Fragezeichen. Auch dahinter, ob ab Juni 2022 wieder regelmäßig Züge aus der Chemnitzer Region über Riesa nach Berlin fahren.

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