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Riesa

Von der Stasi beschlagnahmte Bilder in Riesa gezeigt

Das Wende-Projekt „Riesaer auf dem Weg in die deutsche Einheit“ endete mit einer Kunstausstellung in Gostewitz.

Maler Markus Retzlaff hatte Mitte der 80er eine Bildermappe geschaffen, die im April 1989 beschlagnahmt wurde. In Gostewitz zeigte er jetzt Teile daraus.
Maler Markus Retzlaff hatte Mitte der 80er eine Bildermappe geschaffen, die im April 1989 beschlagnahmt wurde. In Gostewitz zeigte er jetzt Teile daraus. © Dirk Gerhold

Riesa. Da war es wieder – dieses Gefühl von Ratlosigkeit zu End-DDR-Zeiten: Weiter vor Mauern und Hindernisse laufen und sich endlos aufreiben oder gleich einen Ausreiseantrag stellen? Die Menschen auf Markus Retzlaffs Radierungen diskutieren, resignieren, steigen aus.

Mitte der 80er-Jahre war es, als der heute 58-jährige Maler gemeinsam mit oppositionellen Dichter-Kollegen seine Mappe „Marktbericht“ schuf. Elf Jahre lang sollte diese Mappe verschwunden bleiben, nachdem sie noch im April 1989 von der Stasi konfisziert worden war.

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Am vergangenen Wochenende nun konnten auf dem Wohnkulturgut Gostewitz Teile davon betrachtet werden. Überdies Werke von André Uhlig, Andreas Garn, Pit Müller und die „Old Heros“ Marx, Engels, Lenin von Graffiti-Künstler Carsten Langner. Dirk Gerhold stellte diesen Arbeiten aus DDR-Zeiten typische Wende-Fotos zur Seite: Schwarz-weiße Tristesse, alternatives Jugendleben, die ersten Demos.

Die kleine, aber feine temporäre Ausstellung in Gostewitz war Bestandteil des übergreifenden Projekts „Riesaer auf dem Weg in die deutsche Einheit“. Mit Ausstellungen im Stadtmuseum, Diskussionen, unter anderem mit Sachsens Sozialministerin Petra Köpping, und Zeitzeugeninterviews erkundeten und erkunden die Initiatoren des Projekts über Monate auch ganz persönliche Wege drei Jahrzehnte nach diesem System-Wechsel. Sie trafen auf Aufbrüche und Einbrüche, auf Menschen, die sich unter Schmerzen neu erfanden und auf ein wachsendes Selbstbewusstsein, mit der eigenen Geschichte im Gepäck weiter gut im Leben unterwegs zu sein. (SZ)

  • Unter riesa-wendegeschichten.net/ lässt sich ein Teil der bisherigen Ergebnisse nachvollziehen.
  • Weiterhin gesucht werden Freiwillige für die Zeitzeugeninterviews. Gefragt ist eine Vielzahl von Perspektiven auf die Umstände vor 30 Jahren. Wer zu dieser Art lebendigem Geschichtsbuch beitragen möchte, kann sich bei Kathrin Schanze melden unter 0152 08264564 oder [email protected]

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