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Sachsenarena: Impfen oder Roland Kaiser?

Die Impfzentren sollen bis Ende September offen bleiben. Dabei stehen bekannte Namen auf dem Veranstaltungskalender. Was nun?

Anstehen für die Impfung: So sah es am Montag vor der Riesaer Sachsenarena aus. Dort befindet sich das Impfzentrum für den Kreis Meißen.
Anstehen für die Impfung: So sah es am Montag vor der Riesaer Sachsenarena aus. Dort befindet sich das Impfzentrum für den Kreis Meißen. © Sebastian Schultz

Riesa. Die Schlangen vor der Sachsenarena waren schon mal länger – aber es gibt sie noch. Auch an diesem Montag stehen wieder Leute an, um am Impfzentrum für den Landkreis Meißen ihre Erst- oder Zweitdosis abzuholen. Eigentlich hätten die 13 sächsischen Impfzentren nur bis Juni in Betrieb sein sollen. Doch nach zweimaliger Nutzungsverlängerung soll es nun Ende September werden, bevor die Impfzentren schließen.

Da sollte eigentlich schon längst wieder Normalität herrschen: So stehen auf dem aktuellen Veranstaltungsplan des Hallenbetreibers FVG für September unter anderem Konzerte von Santiano und Roland Kaiser an. In anderen Jahren kommen dafür mehrere Tausend Zuschauer nach Riesa. Und jetzt?

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"Wir wollen die Konzerte sicherstellen", sagt John Jaeschke, Geschäftsführer der Riesaer Stadt-Tochter FVG. Man sei in Gesprächen mit allen Vertragspartnern. In aller Regel ist nicht die FVG selbst der Veranstalter, sondern lediglich der Vermieter der Halle – die nun, länger als geplant, vom Impfzentrum blockiert ist.

Man gehe davon aus, dass es in den nächsten Tagen eine Entscheidung gibt. Auf jeden Fall aber gehe man davon aus, dass die Veranstaltungen durchgeführt werden können, die ab Oktober in Riesa stattfinden sollen – da ist etwa die Pferdeshow Cavalluna geplant, im November zudem die Internationalen Tanzwochen. "Es hat jedenfalls noch keiner abgesagt", sagt John Jaeschke. Ob Teilnehmer von anderen Kontinenten dann wieder nach Riesa reisen dürfen, sei allerdings noch fraglich. "Ich erwarte von der Politik auch eine gewisse Verlässlichkeit", sagt der FVG-Chef.

Roland Kaiser ist Stammgast in der Riesaer Arena, hier bei einem Auftritt im September 2011. Am 17. September 2021 soll er wieder in die Sachsenarena kommen - die allerdings noch als Impfzentrum genutzt wird.
Roland Kaiser ist Stammgast in der Riesaer Arena, hier bei einem Auftritt im September 2011. Am 17. September 2021 soll er wieder in die Sachsenarena kommen - die allerdings noch als Impfzentrum genutzt wird. © Foto Schröter

Unterdessen wurden im Impfzentrum Riesa – inklusive der mobilen Teams – mehr als 120.000 Corona-Impfungen ausgereicht. Das teilt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit Stichtag 23. Juni auf Anfrage von sächsische.de mit. Der größte Teil davon entfiel auf Impfstoffe des Herstellers Biontech/Pfizer, an zweiter Stelle folgt Moderna, erst mit Abstand das Mittel von Astrazeneca.

Offenbar hat sich in der Sachsenarena dabei längst eine Routine eingespielt: Denn die Zahl der maximal möglichen Impfungen pro Tag hat sich erhöht: Im Mai hatte das DRK noch einen Tages-Bestwert von 1.004 Impfungen angegeben. Nun liegt der 23. Juni 2021 vorn – mit exakt 1.358 Erst- und Zweitimpfungen insgesamt.

Auch die Einführung des digitalen Impfnachweises habe gut und störungsfrei geklappt: Seit dem 14. Juni stelle das Impfzentrum nach jeder Erst- und Zweitimpfung das digitale Zertifikat aus – als eines der ersten sächsischen Impfzentren überhaupt. Wie viele Minderjährige sich bislang in Riesa gegen Corona haben impfen lassen, kann das DRK allerdings nicht sagen: Man dokumentiere lediglich die Anzahl der Registrierungen und die Terminbuchung sowie die durchgeführten Erst- und Zweitimpfungen nach Impfstoff differenziert anonym – personenbezogene oder medizinische Daten würden nicht verarbeitet.

Lediglich für alle Impfzentren zusammen könne man aussagen, dass sich mit Stand 14. Juni 2021/16 Uhr genau 2.799 Personen unter 16 Jahren im zentralen Buchungssystem registriert hätten, knapp 1.600 dieser Kinder und Jugendlichen hatten zu dieser Zeit schon einen gebuchten Termin. Ob daraus für die Minderjährigen auch wirklich eine Impfung im Impfzentrum werde, könne das DRK nicht sagen: Nachdem sich die Empfehlung der Sächsischen Impf-Kommission vom 9. Juni 2021 derzeit lediglich für die Impfung von 14- und 15-Jährigen mit Vorerkrankungen oder besonderen Gefährdungen ausspricht, lehnen einige Impfärzte die Impfung dieser Altersgruppe außerhalb der Empfehlung ab. "Da die letztgültige Entscheidung, ob eine Person geimpft wird, ausschließlich der zuständige Impfarzt trifft, erhielten viele Kinder und Jugendliche - trotz Impftermin - keine Impfung", so das DRK. Ohnehin sei eine Impfung nur für Jugendliche ab 14 Jahren im Impfzentrum möglich. Kinder und Jugendliche im Alter von 12 und 13 Jahren können sich bei Kinderärzten um einen Impftermin bemühen.

Eine Mitarbeiterin zieht den Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer für eine Impfung auf eine Spritze: Der wurde in Riesa schon rund 85.000-mal verimpft.
Eine Mitarbeiterin zieht den Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer für eine Impfung auf eine Spritze: Der wurde in Riesa schon rund 85.000-mal verimpft. © dpa

Aktuell beschäftigt das Rote Kreuz im Impfzentrum Sachsenarena 25 Menschen: zwei Führungskräfte, 21 Mitarbeiter von Check-in bis Check-out und Betreuung, zwei Mitarbeiter zur Ausstellung des digitalen Impfzertifikates. Dazu kämen das von der Kassenärztlichen Vereinigung gestellte medizinische Personal, Soldaten der Bundeswehr und Sicherheitskräfte.

Letztere genügten offenbar, um für Ordnung zu sorgen: Es habe im Impfzentrum Riesa keine Zwischenfälle gegeben, für die die Polizei erforderlich gewesen wäre oder Anzeige erstattet werden musste, so das DRK.

Auch wenn mittlerweile ein Teil der Zweitimpfungen verfällt, weil angemeldete Menschen nicht zu den Terminen kommen: Das Impfzentrum Sachsenarena sei nach wie vor voll ausgelastet – mit einer durchschnittlichen Kapazität von 880 Impfungen pro Tag und einer Spitze von 1.150 Impfungen pro Tag. Das gelte auch für die anderen sächsischen Impfzentren samt der mobilen Teams. Im Schnitt würden derzeit rund 13.000 Impfungen pro Tag verabreicht. "Durch die Optimierung der Abläufe und vor allem ausreichend bereitgestellten Impfstoffmengen können in der Spitze bis zu 20.000 Impfungen pro Tag durchgeführt werden", so das Rote Kreuz.

Zwischenzeitlich hatte für Aufregung gesorgt, dass die Sachsenarena das Impfzentrum in Sachsen ist, das für den Steuerzahler mit Abstand am teuersten wird – so ging es jedenfalls aus einer Antwort des Sozialministeriums auf eine Anfrage des AfD-Politikers Carsten Hütter hervor. Darauf angesprochen, verweist das DRK darauf, dass die Auswahl der Standorte für die Impfzentren "innerhalb kürzester Zeit" getroffen und umgesetzt worden sei. Die wesentlichen Parameter dabei seien die Bevölkerungsanzahl gewesen, die mögliche Kapazität, Verfügbarkeit und bauliche Eignung. "Alle Impfzentren erfüllen die wesentlichen Voraussetzungen für die Umsetzung der Impfkampagne, mit deren Organisation das DRK Sachsen vom Freistaat Sachsen beauftragt ist", heißt es.

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So gliedern sich die insgesamt 120.267 Erst- und Zweitimpfungen im Impfzentrum Riesa (Stand 23.06.2021):

  • Erstimpfungen mit Biontech/Pfizer: 45.092
  • Erstimpfungen mit Moderna: 13.712
  • Erstimpfungen mit Astrazeneca: 7.212
  • Zweitimpfungen mit Biontech/Pfizer: 39.913
  • Zweitimpfungen mit Moderna: 12.018
  • Zweitimpfungen mit Astrazeneca: 2.320

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