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Riesas Rathaus äußert sich zum OJH

Für die Sanierung rechnet die Stadt jetzt mit Kosten von rund einer Million Euro - und hofft auf weitere Fördermittel. Die AfD legt derweil mit ihrer Kritik nach.

Das Offene Jugendhaus zwischen Bahnhof und Elbbrücke ist eins der großen städtischen Bauvorhaben - und wird teurer als geplant.
Das Offene Jugendhaus zwischen Bahnhof und Elbbrücke ist eins der großen städtischen Bauvorhaben - und wird teurer als geplant. © Sebastian Schultz

Riesa. Zuerst formulierten Stadträte mehrerer Fraktion diese Befürchtung, nun bestätigt auch die Stadtverwaltung: Die Bauarbeiten am Offenen Jugendhaus in Riesa werden deutlich teurer als erwartet. "Bisher sind Mehrkosten von 232.500 Euro aufgelaufen", erklärte Stadtsprecher Uwe Päsler am Dienstag. 

Damit liegen die Gesamtkosten nach jetzigem Stand bereits bei etwas mehr als einer Million Euro. Darin enthalten ist auch die Beseitigung von Schäden, die jüngst festgestellt wurden: "Im Dachgeschoss wurden Einregnungen in der Dämmung festgestellt, was aber hinter der Verkleidung nicht erkennbar war", so der Stadtsprecher. "Dort ist vermutlich in den 1990ern nicht sachgerecht gearbeitet worden." Auch die Schalung des Daches habe deshalb Schäden aufgewiesen. "Es handelt sich aber nicht um Schwamm", betont Päsler, "sondern erneut um den Blättling". Der hatte bereits an anderen Stellen des Gebäudes einen gewissen Mehraufwand nach sich gezogen

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"Die Stadt hat ein entsprechendes Holzschutzgutachten erstellen lassen. Im Ergebnis wurde beschlossen, neben der Sanierung der Balken auch das bisherige Pappdach durch Ziegel zu ersetzen, um das Problem langfristig und dauerhaft zu lösen." Daraus resultieren Kosten von 33.000 Euro. Das Geld sei im Haushalt vorhanden, so Päsler.

AfD vermutet Versäumnisse bei der Planung

Derweil hat Riesas AfD-Fraktion ihre Kritik an dem Vorhaben und dem Riesaer Bauamt nochmals bekräftigt.  Er habe wegen seiner Tätigkeit als Makler ständig Kontakt mit dem Thema, sagt Fraktionschef Joachim Wittenbecher. Er sei kein Bausachverständiger, sondern Sachverständiger für die Bewertung von Immobilien. Aber mit der Zeit bekomme man dennoch ein Gefühl für das Thema. "Das Gebäude hatte damals einen Buchwert von unter 10.000 Euro. Da sagt Ihnen jeder Projektant: Hier darfst du nichts mehr reinstecken!" Das ist nicht das einzige Versäumnis, das die AfD-Fraktion dem Architekturbüro vorwirft. Nach und nach seien diverse nachträgliche Gutachten zu Schäden angefertigt worden, die bei Baubeginn noch unbekannt waren. Das lege den Schluss nahe, dass im Vorfeld nicht sauber gearbeitet wurde. "Und jedes weitere dieser Gutachten kostet Geld", sagt Wittenbechers Fraktionskollegin Ute Blosfeld. 

Mehrfach habe ihre Fraktion einen Baustopp beantragt. "Aber unsere Bedenken wurden immer in den Wind geschlagen", ärgert sich Blosfeld. Erst am Montag hatte sich der AfD-Landtagsabgeordnete Carsten Hütter ähnlich geäußert. Auch aus anderen Fraktionen war Kritik geäußert worden. Grundsätzlich kritisiert die AfD die Informationspolitik auch den Stadträten gegenüber. Joachim Wittenbecher fürchtet außerdem, dass es nicht bei den bislang bekannten Mehrkosten bleibt und letztlich der Dachstuhl komplett erneuert werden muss.  

Die AfD um Fraktionschef Joachim Wittenbecher wirft Bauamt und Sachverständigen beim Offenen Jugendhaus Versäumnisse vor. (Montage)
Die AfD um Fraktionschef Joachim Wittenbecher wirft Bauamt und Sachverständigen beim Offenen Jugendhaus Versäumnisse vor. (Montage) © Sebastian Schultz

"Man muss auch mal den Mut aufbringen, Fehler einzugestehen", sagt der AfD-Fraktionschef. Ob es dafür im Fall des OJH nicht zu spät sei, könne derzeit kein Stadtrat beurteilen. Nach wie vor sieht die AfD-Fraktion einen Neubau als die bessere Variante an, weil die sowohl energetisch als auch mit Blick auf die Barrierefreiheit mehr Sinn mache. "Sonst müssen wir davon ausgehen, dass in zehn Jahren wieder etwas ist", so Wittenbecher. Die Baukosten für einen neu errichteten Flachbau hätten nach einer Kostenschätzung wohl zwischen 650.000 und 750.000 Euro gelegen. 

Stadtverwaltung schließt Neuplanung aus

Im Rathaus will man aber in jedem Fall am bestehenden Gebäude festhalten. "Es war mehrheitlicher Wille (der Stadträte, Anm. d. Red.), das Objekt zu erhalten, vor allem als Ort der Jugendarbeit, aber auch als markanter Punkt unserer Stadt". Die Verwaltung setzt diesen Beschluss um." Dazu komme noch, dass zum jetzigen Zeitpunkt ein Rückzieher erhebliche Folgekosten mit sich brächte, erläutert Riesas Stadtsprecher. "Mittlerweile sind ein Großteil der Bauleistungen erbracht und weitere vergeben. Ein Abriss an diesem Punkt des Prozesses bedeutet nicht nur umsonst ausgegebenes Geld von mehreren hunderttausend Euro, sondern dazu auch erhebliche Vertragsstrafen, die die Stadt an die beauftragten Firmen zu zahlen hätte." 

Ob und wie stark die Mehrkosten für das Haus die Stadtkasse am Ende belasten, darüber werden Gespräche mit dem Kommunalen Sozialverband (KSV) entscheiden, der die Maßnahme fördert. "Vom KSV gab es im Juli 2020 einen Bescheid über die Erhöhung der Zuwendung um 38.700 Euro auf nunmehr 446.700 Euro", erklärt der Stadtsprecher. "Wir sind in hoffnungsvollen Gesprächen, dass der KSV auch die nun angefallenen Mehrkosten zu einem gewissen Anteil übernimmt." Derzeit geht die Stadt davon aus, dass die Bauarbeiten im Frühjahr abgeschlossen sein werden und das Haus wieder an den Betreiber Outlaw zur Nutzung übergeben werden kann. 

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