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Igel in Riesa aufgespießt

Spaziergänger entdecken im Stadtteil Weida das tote Tier - und rufen die Polizei. Die Beamten ermitteln aber nicht.

Auf einer Eisenstange haben in Riesa-Weida Unbekannte einen Igel aufgespießt. Ob bei lebendigem Leib oder, nachdem er bereits tot war, ist unklar.
Auf einer Eisenstange haben in Riesa-Weida Unbekannte einen Igel aufgespießt. Ob bei lebendigem Leib oder, nachdem er bereits tot war, ist unklar. © privat

Riesa. Die Riesaerin ist auch am Montagabend noch aufgebracht über diese Tat. "Das ist pervers, ganz egal, ob das Tier schon tot war oder nicht." Die Frau war am Sonntagnachmittag mit ihrem Hund und einer Bekannten im Stadtteil Weida unterwegs, in der Nähe des Heidebergs. Neben dem Sportplatz an der Fläche fiel ihnen auf, dass an einem Zaun etwas hing, das sich bei näherem Hinsehen als der Kadaver eines Igels herausstellte. 

"Das Tier war rektal auf einer Eisenstange aufgespießt", sagt die Riesaerin, die anonym bleiben möchte. "Wir haben dann direkt die Polizei gerufen, die auch ziemlich schnell da war, innerhalb von vielleicht 45 Minuten." Ob der Igel bei lebendigem Leib auf der Stange aufgespießt wurde, oder schon zuvor eines natürlichen Todes gestorben war, kann auch die Augenzeugin nicht beurteilen. "Er war allerdings schon länger tot, das hat man gesehen." So oder so könne sie aber nicht verstehen, wie jemand auf den Gedanken komme, mit einem Tier derart umzugehen, ob tot oder lebendig. 

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Polizei sieht keinen Verdacht für Straftat

Besonders große Hoffnung darauf, dass die Täter ermittelt werden, macht sich die Frau nicht. Entsprechende Signale habe es auch vonseiten der Polizisten gegeben. 

Auf Nachfrage bei der Polizeidirektion in Dresden heißt es , der Vorfall sei bekannt. "Die Beamten wurden informiert, haben den Igel gefunden und festgestellt, dass dieser bereits halb verwest war." Ein Straftatverdacht liege nach Angaben der Kollegen, die vor Ort gewesen seien, nicht vor. "Der Sachverhalt wurde dokumentiert. Bei Hinweisen auf die vorsätzliche Tötung von Tieren käme ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz zum Tragen." Sprich: Ohne Beweise dafür, dass das Tier nicht schon tot war, wird auch nicht ermittelt. 

Direkt neben der Fundstelle befindet sich ein Sportplatz, der von verschiedenen Jugendgruppen genutzt wird.
Direkt neben der Fundstelle befindet sich ein Sportplatz, der von verschiedenen Jugendgruppen genutzt wird. © privat

Es wäre nicht das erste Mal, dass Igel in ihrem Winterquartier Opfer von Tierquälern werden. Im Dezember vergangenen Jahres hatte ein Fall in Zeithain für Aufsehen gesorgt. Damals hatten offenbar Kinder an einem Baum gezündelt, in dessen hohlem Stamm einer der Insektenfresser überwintern wollte. Der Igel starb, der Fall wurde mittlerweile an die Staatsanwaltschaft übergeben.

Auch für den aufgespießten Igel in Riesa könnten Kinder oder Jugendliche verantwortlich sein, vermutet die Frau, die das Tier gefunden hat. Zumindest werde auf dem direkt angrenzenden Bolzplatz öfter Fußball gespielt, abends säßen hier auch verschiedene Cliquen. "Da gibt's nette und nicht so nette", sagt die Riesaerin. Sie frage sich, was Menschen dazu treibt, anderen Lebewesen so etwas anzutun. 

Das wiederum ist eine Frage, der auch Wissenschaftler schon nachgegangen sind. Die Psychologin Andrea Beetz befasst sich beispielsweise mit der Mensch-Tier-Beziehung. In einem Interview mit der SHZ erklärte sie 2013, Rachegelüste und Wut seien ein häufiger Grund für Tierquälerei. "Missbrauchte Kinder können Tiere quälen, um den Missbrauch an einem noch Schwächeren auszuleben oder im posttraumatischen Spiel zu bearbeiten." Unter Jugendlichen führe oft auch Gruppendruck zu den Taten. "Und ja, es gibt auch die 'Freude am Quälen' an sich." Dazu kommen laut Kriminologe und Psychologe Peter Friedrich aber auch Täter, die Tiere ohne jede Gefühlsregung quälen. Dazu zählten etwa Menschen, die Giftköder auslegen oder auf Katzen schießen, weil die ihre Notdurft auf ihrem Grundstück verrichten oder Vögel töten. 

Tierschützerin hält natürlichen Tod für unwahrscheinlich

Unter Umständen kann Tierquälerei früher oder später zu Straftaten gegen menschliches Leben führen, führt Friedrich in einem Gespräch mit dem Focus aus. Das sei vor allem dann der Fall, wenn die Tierquäler ihre Tat als stimulierend empfänden, bis hin zur sexuellen Erregung. Bei Kindern sei in dieser Hinsicht Aufmerksamkeit gefragt, sagt Friedrich. "Entsprechende Tendenzen beim Kind sollten die Eltern also auf jeden Fall im Auge behalten, mit ihm darüber sprechen und gegebenenfalls eine Beratungsstelle aufsuchen." 

Verschiedene Studien legen jedenfalls mittlerweile nahe, dass zwar kein Automatismus in dieser Hinsicht besteht. Sie attestieren aber einen gewissen Zusammenhang zwischen Tierquälerei und dem Hang zur Gewalt gegen Menschen sowie anderen psychischen Störungen. 

Auch Annkatrin Hoentzsch von der beim Großenhainer Tierschutzverein angesiedelten Igel-Kita Dresden und Umland ist angesichts der Fotos des toten Tieres fassungslos. Einen natürlichen Tod des Igels hält sie für unwahrscheinlich. "Ich habe noch nie einen toten Igel im Wald gesehen. Die ziehen sich eigentlich zum Sterben zurück." Allenfalls, dass er überfahren, am Straßenrand gefunden und danach aufgespießt wurde, sei eine Möglichkeit.  Außerhalb von Sachsen habe es schon regelrechte Serien gegeben, in denen speziell Igel gequält und etwa in Papierkörben angezündet wurden, sagt sie. "Hier hatten wir das Gott sei Dank noch nie." Sie hofft, dass sich vielleicht doch noch jemand bei der Polizei meldet, der den Vorfall beobachtet hat. So geht es auch der Riesaerin, die das Tier gefunden hat. Sie habe sogar schon mit dem Gedanken gespielt, eine Belohnung auf Hinweise auszusetzen. Vielleicht gebe sich ja dann jemand einen Ruck. 

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