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Nach fast fünf Wochen zum Impftermin

Nicht jeder über 80 kommt mit dem Corona-Internetportal zurecht. Einem 90-jährigen Riesaer konnte die SZ jetzt helfen.

Ein Senior erhält eine Corona-Schutzimpfung mit dem Wirkstoff des Herstellers Biontech. Nach fünf Wochen stehen nun auch eine Erst- und Zweitdosis für einen 90-jährigen Riesaer zur Verfügung.
Ein Senior erhält eine Corona-Schutzimpfung mit dem Wirkstoff des Herstellers Biontech. Nach fünf Wochen stehen nun auch eine Erst- und Zweitdosis für einen 90-jährigen Riesaer zur Verfügung. © dpa/Friso Gentsch (Symbolfoto)

Riesa. Zum für ihn zuständigen Corona-Impfzentrum kann Horst Paumer sogar laufen: Nur ein zehnminütiger Fußweg ist es für den Rentner von seinem Wohngebiet bis zur Riesaer Sachsenarena. Doch ein anderes Hindernis erwies sich für ihn als unüberwindbar - bislang. Denn wie soll man als 89-Jähriger ohne Internet das Online-Portal zur Corona-Impfung nutzen, wenn auch kein Angehöriger greifbar ist?

In seiner Sorge hatte er schon am ersten Öffnungstag im Januar persönlich beim Impfzentrum nachgefragt, war dann hin- und hergeschickt worden. Und weil er sich nicht weiter zu helfen wusste, hat der Senior schließlich bei der SZ angerufen.

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Und so kamen wir zusammen - und vereinbarten, gemeinsam zu versuchen, einen Corona-Impftermin zu ergattern. Das war am 13. Januar, vor fast fünf Wochen. Und wie vermutlich Tausende andere sächsische Senioren und ihre Angehörigen ebenfalls, probierten wir es nun im Tagestakt auf dem sächsischen Impfportal.

Die Anmeldung des Riesaer Seniors, der mittlerweile seinen 90. Geburtstag hinter sich hat, verlief noch komplikationslos. Mangels eigener Email-Adresse gaben wir die Riesaer Redaktionsadresse an, klappt. Und auch bei der auszuwählenden Tageszeit - vormittags, nachmittags, werktags, am Wochenende - war Horst Paumer anspruchslos. "Ich habe immer Zeit."

An einem krankte das Portal aber vom Start weg: Der verfügbare Impfstoff reicht nicht. Und so kam jedes Mal am Ende des Buchungsvorgangs die gleiche Fehlermeldung: „Aufgrund der aktuellen Auslastung der Impfzentren und der verfügbaren Impfstoffmenge können wir Ihnen leider keinen Termin anbieten“, hieß es tagein, tagaus. „Bitte versuchen Sie es in ein paar Tagen erneut.“

Doch ob man vormittags, nachmittags oder abends klickte - kein Unterschied. Auch ein Geheimtipp, es kurz nach Mitternacht zu versuchen - da würden neue Impftermine freigeschaltet - erwies sich als erfolglos.

Das für den Landkreis Meißen zuständige Impfzentrum in der Riesaer Sachsenarena vor dem Start. Mittlerweile ist dort mehr los - aber Termine sind immer noch Mangelware.
Das für den Landkreis Meißen zuständige Impfzentrum in der Riesaer Sachsenarena vor dem Start. Mittlerweile ist dort mehr los - aber Termine sind immer noch Mangelware. © Claudia Hübschmann

Dann, am Montagnachmittag, fünf Wochen nach dem Start des Impfzentrums, ein Hoffnungsschimmer: Da verkündete das Rote Kreuz in einer Mitteilung, dass in dieser Woche 17.700 freie Termine für die Erstimpfung buchbar seien. Man rechne damit, dass diese "binnen weniger Stunden ausgebucht" seien, so das DRK. Also: Nichts wie ran. Die Login-Daten von Horst Paumer eingegeben, das Wunsch-Impfzentrum Sachsenarena ausgewählt - und dann das Erfolgserlebnis: Wir bekommen zwei Termine für Erst- und Zweitimpfung angeboten; den ersten noch in dieser Woche.

Der Riesaer geht schnell ans Telefon; reagiert nach all der Wartezeit überrascht - und schaut schnell in den Kalender. "Ja, Danke - das passt", sagt der 90-Jährige. Wenige Sekunden nach dem nächsten Klick ist eine Email mit auszufüllenden Formularen auf dem Redaktionsrechner eingegangen - etwa über Vorerkrankungen. Die Ausdrucke lassen wir dem Leser in einem Umschlag zugehen.

Und in der Bestätigung wird auch der Impfstoff genannt, den man sich nicht aussuchen kann. In unserem Fall ist das Biontech. "Das ist doch prima, ich freue mich", sagt der SZ-Leser. "Danke für die Mühe!" - Gern geschehen. Mittlerweile lassen sich die Termine nicht nur online buchen, sondern auch über eine Hotline. Und das DRK geht davon aus, in den kommenden Wochen mehr Termine anbieten zu können - weil mehr Impfstoff kommt.

Zudem würden sich auch immer wieder kurzfristig einige neue Chancen im Buchungsportal ergeben: Wenn die mobilen Teams, die in Pflegeeinrichtungen unterwegs sind, von dort Impfstoff zurückbringen. "Da diese Impfstoffe bereits aufgetaut sind, müssen sie binnen eines bis fünf Tagen in den Impfzentren verbraucht werden", sagt DRK-Sprecher Kai Kranich.

In einer Mitteilung beantwortet er auch eine Frage, die ein anderer SZ-Leser an die Riesaer Redaktion stellte: Wo landet eigentlich der Impfstoff, der nicht in Impfzentren wie der Sachsenarena ankommt? "Auch weiterhin geht der überwiegende Anteil des zur Verfügung stehenden Impfstoffes an die sächsischen Pflegeeinrichtungen", heißt es. Dort werde voraussichtlich noch bis Mitte März geimpft. Mit Stand Montag habe das DRK knapp 155.000 Impfdosen in Pflegeeinrichtungen und Impfzentren ausgegeben.

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Termine online: sachsen.impfterminvergabe.de
Telefon-Hotline: (Mo.-So. 8 bis 20 Uhr): 0800 0899 089

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