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Protest gegen geplante Kita-Schließung in Riesa-Poppitz

Trotz guter Anmeldezahlen soll die Einrichtung im kommenden Jahr dichtgemacht werden. Die Eltern fühlen sich von der Entscheidung überrumpelt.

Von Stefan Lehmann
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Die Kita "Poppitzer Grashüpfer" soll im kommenden Jahr geschlossen werden. Doch gegen die Entscheidung regt sich Widerstand unter den Eltern.
Die Kita "Poppitzer Grashüpfer" soll im kommenden Jahr geschlossen werden. Doch gegen die Entscheidung regt sich Widerstand unter den Eltern. © Eric Weser

Riesa. Eigentlich sollte es ein Festjahr werden für die Poppitzer Grashüpfer. Die Kita ist gerade 70 Jahre alt geworden. "Jetzt könnte es eher eine Trauerfeier geben", sagt Ronny Skuppin. Denn die Kindereinrichtung könnte im kommenden Jahr schließen.

Erfahren haben das die Eltern erst vor etwa anderthalb Wochen, bei einem Elternabend. Der Sportclub Riesa hatte in die Geschäftsstelle an der Hauptstraße geladen. "Wir wurden dort mit Zahlen bombardiert", erzählt Ronny Skuppin. Die Betreuung in der Kita Grashüpfer sei zu teuer; um die Gebühren nicht weiter anzuheben, müsse die Einrichtung schließen.

Die Eltern der 23 Kinder, die die Einrichtung laut Skuppin besuchen, wurden von der Nachricht überrascht. "Viele fühlten sich vor den Kopf gestoßen." Um die Schließung vielleicht doch noch abzuwenden, haben die Eltern nun einen offenen Brief an die Riesaer Stadträte geschrieben, um ihr "tiefstes Unverständnis, gepaart mit Zukunftssorgen und auch Ärger über die Art und Weise der Übermittlung" auszudrücken.

Kitaplatz in Poppitz ist teurer als im Riesaer Durchschnitt

Auf den offenen Brief hat der SC Riesa bereits mit einer Pressemitteilung reagiert. Darin verweist der Verein auf die Kitabedarfsplanung des Landkreises Meißen. Schon in diesem Kita-Jahr gebe es in Riesa mehr Betreuungsplätze als Kinder. In den Jahren 2022/23 werde sich diese Überversorgung noch verschärfen. Grund sind die rückläufigen Einwohnerzahlen. Dass ausgerechnet die Kita in Poppitz geschlossen werden soll, begründet der SC mit dessen Unwirtschaftlichkeit: "In der Stadt Riesa kostete 2020 ein Neun-Stunden-Kitaplatz durchschnittlich 555,20 Euro, die Kosten für einen Betreuungsplatz in der Einrichtung 'Poppitzer Grashüpfer' lagen bei 707 Euro pro Kind und Monat."

Nach intensiver Abstimmung mit der Stadt sei die Schließung die einzig verbliebene Variante, "um auch mittelfristig die Elternbeiträge auf dem aktuellen Niveau zu halten", heißt es.

Aus Sicht der Eltern ist das zu kurz gedacht. Viele Eltern hätten sich bewusst für diese Kita entschieden, sagt Ronny Skuppin. Die familiäre Atmosphäre und die altersgemischten Gruppen hätten sie überzeugt. Es gebe lange Anmeldelisten für die Kita. Und: erst vor zwei Jahren sei das Gebäude saniert worden. "Der Modernisierungsaufwand in den vergangenen Jahren und auch in Zukunft ist überschaubar und mit kleinen Mitteln finanzierbar", heißt es deshalb von den Eltern.

Für den Fall einer Schließung könnten die Kinder auf andere Einrichtungen des SC verteilt werden. "Um die Auswirkungen der Schließung aus pädagogischer Sicht so gering wie möglich zu halten, ist dabei für den Träger maßgeblich, dass den Eltern ein alternatives Betreuungsangebot in den Einrichtungen der SC Riesa gGmbH unterbreitet werden kann", heißt es in der Mitteilung des SC. "Die Kinder können bis zu zwei Jahre mit ihren vertrauten Erzieherinnen weiter in einer altersgemischten Gruppe im Pfiffikus betreut werden."

Kann ein Sponsor einspringen?

Besonders glücklich sind die Eltern mit diesem Angebot allerdings nicht. Laut Ronny Skuppin ist das Außengelände der Kita Pfiffikus an der Freitaler Straße kleiner, die Kita selbst gleichzeitig deutlich größer. Das Konzept aus Poppitz lasse sich dort nicht umsetzen. In ihrem Brief verweisen die Eltern auch auf die Pandemie. Nach diesen, "auch für die Psyche der Kinder belastenden Zeiten würde mit dem vorgeschlagenen 'Umzug' in die Kita 'Pfiffikus' eine neue Belastung auf die Kinder zukommen und die Gruppe, wenn überhaupt, für maximal zwei Jahre zusammenbleiben können (vorausgesetzt die Erzieherinnen und ein Großteil der Kinder gehen den Schritt überhaupt mit)".

Es ist nicht das erste Mal, dass die Kita infrage steht. Schon 2015 stand eine Schließung zur Debatte, auch damals protestierten die Eltern und zeigten im Stadtrat Präsenz - mit Erfolg. Auch diesmal wolle man öffentlichen Druck erzeugen, wenn die Kita im November Thema im Stadtrat ist, kündigt Ronny Skuppin an. Er regt an, beispielsweise einen Sponsor zu akquirieren, der die Kita mitfinanziert. "Wir wollen nicht einfach mit Kopf durch die Wand." Die Eltern wären auch bereit, mehr für die Betreuung zu bezahlen. Aber man wolle nicht, dass die Sparzwänge der Stadt auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden.

Eine erste Reaktion aus dem Rathaus gab es bereits. Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) habe den Elternvertretern bereits angeboten, nochmals in Gespräch zu kommen, um die Argumente von Stadt und SC zu erläutern.