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Ein neues Dach für den Sparkassen-Palast

Nach 20 Jahren muss das Glasdach der Zentrale in Riesa erneuert werden. Dringend.

Arbeiten auf der Baustelle: Ralf Krumbiegel und Ines Bredow von der Sparkasse Meißen, deren Hauptsitz in Riesa ein neues Glasdach braucht.
Arbeiten auf der Baustelle: Ralf Krumbiegel und Ines Bredow von der Sparkasse Meißen, deren Hauptsitz in Riesa ein neues Glasdach braucht. © Sebastian Schultz

Riesa. Seit exakt 20 Jahren prägt die Sparkassen-Zentrale das Riesaer Stadtbild. Im September 2000 war das Haus nach jahrelanger Bauzeit feierlich eingeweiht worden. Und wie: Punkt Mitternacht mit einer Installation aus buntem Licht, Nebel und einer Uraufführung der Neuen Elbland Philharmonie, die vom Kino gegenüber eine neue Fassung des City-Hits "Am Fenster" intonierte. Während damals Punkt Mitternacht gefeiert wurde und 600 geladene Gäste über den 40-Millionen-Mark-Neubau mit seinen 784 Fenstern staunten, müssen nun wieder die Handwerker ran.

Am Freitag rückte zum ersten Mal ein Autokran an, der in den nächsten Wochen noch häufiger zu sehen sein wird. "Wir tauschen alle 114 Scheiben des Glasdachs im Zwischenbau aus", sagt Sparkassen-Sprecher Ralf Krumbiegel. Das ist nicht so einfach, wie es klingen mag: Denn die Scheiben in verschiedenen Größen sind im Schnitt pro Stück deutlich schwerer als 100 Kilogramm. Das geht in luftiger Höhe nur mit dem Autokran.

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Grund für die aufwendige Maßnahme, für die Teile des Gebäudes gesperrt werden müssen, ist ein Alterungsprozess an den Dichtungen. Weil das Glasdach ziemlich wenig Gefälle hat, blieb oft Wasser drauf stehen. So waren die Dichtungen sehr oft der Feuchtigkeit ausgesetzt - und wurden nach und nach undicht. "Bei Starkregen hat es schon häufiger reingeregnet", sagt Ralf Krumbiegel. Und das war nur eines der Probleme. Durch die kaputten Dichtungen konnte auch Feuchtigkeit zwischen die verschiedenen Schichten der Verbundscheiben einsickern. Die Folge: teils milchig beschlagene Scheiben, die wegen Nässe in der Isolationsschicht auch nicht mehr so gut vor sommerlicher Hitze oder winterlicher Kälte schützen.

"Wir haben uns deshalb entschieden, sämtliche Scheiben im Dach auszutauschen, nicht nur einzelne", sagt Ralf Krumbiegel. Nach 20 Jahren sei so ein Verschleiß auch normal, ergänzt Ines Bredow von der Liegenschafts-Verwaltung. Im vergleichbaren Gebäude der Sparkasse am Dr.-Eberle-Platz in Meißen sei ein ähnliches Problem schon vor Jahren aufgetreten. Die für Riesa neu bestellten Scheiben seien etwas dunkler, was im Sommer zur Verschattung beitrage - und im Winter merke man die bessere Wärmedämmung.

Ein Blick aufs reparaturbedürftige Glasdach vom Mai 2020 - damals wurde noch das Dach links saniert; nun ist die Glasfläche in der Mitte dran.
Ein Blick aufs reparaturbedürftige Glasdach vom Mai 2020 - damals wurde noch das Dach links saniert; nun ist die Glasfläche in der Mitte dran. © Archivfoto: Lutz Weidler

Geliefert werden sie von Polartherm aus Großenhain, wo auch das beauftragte Unternehmen Metallbau Held seinen Sitz hat. Wie schon beim Bau des Gebäudes vor 20 Jahren achte man darauf, dass das investierte Geld in der Region bleibt, sagt Ralf Krumbiegel. "Damals blieb weit mehr als 90 Prozent der Bausumme in der Region, nur für die Generalplanung hatte sich hier kein Unternehmen gefunden", sagt der Sparkassensprecher, der seinerzeit noch als Lehrling in der damaligen Sparkasse Riesa-Großenhain beschäftigt war.

Ziel ist es nun, Ende Oktober die letzte Glasscheibe auszutauschen. "Beim Bau sind wir aber sehr wetterabhängig", sagt Ines Bredow. Ein Glasdach bei Starkregen auszutauschen - das kommt nicht infrage. Und auch im Gebäudeinneren ist einiges zu beachten: Der Bereich unter der Baustelle ist gesperrt, so dass etwa der Informationspunkt der Wohnungsgenossenschaft zeitweise im Gebäude umziehen musste. 

Gleichzeitig wurde der behindertengerechte Zugang deshalb verlegt, Hinweisschilder verweisen Rollstuhlfahrer auf den hinteren Eingang am benachbarten Autohaus. "Der Arbeitsschutz geht vor", sagt Ralf Krumbiegel. Bei mehr als 100 Kilogramm schweren Scheiben, die an Saugnäpfen am Kranseil aus- und einschweben, dürfe sich keinesfalls jemand unten drunter aufhalten. "Ein Sicherheitsingenieur hat die Baustelle deshalb regelmäßig im Blick."

Nun wird jeden Tag auf die erste Glaslieferung gewartet. Bei seinem ersten Einsatz hat der Autokran am Donnerstag zwei beschädigte Scheiben am schrägen Dach des Neubaus ausgetauscht. Dort war zuletzt auch schon eine der Dachflächen saniert worden, die Zweite ist noch dran. Im Inneren waren zuletzt einige Wände im Erdgeschoss eingezogen worden. Die große Halle hatte sich auf Dauer als doch etwas zugig erwiesen. Deshalb wurde auch als Abtrennung Richtung Neubau noch nachträglich eine Glaswand eingezogen - das hilft bei den Heiz- und Klimatisierungskosten. Zudem war vor wenigen Jahren auch noch eine Photovoltaikanlage aufs Dach gekommen. "Wir achten bei Investitionen darauf, dass sie möglichst nachhaltig sind", sagt Krumbiegel.

Der Zwischenbau der Sparkassen-Zentrale in Riesa ist derzeit nicht wiederzuerkennen.
Der Zwischenbau der Sparkassen-Zentrale in Riesa ist derzeit nicht wiederzuerkennen. © Sebastian Schultz

Eines hat sich allerdings über die Jahre geändert: War die Sparkassen-Zentrale anfangs noch für 175 Sparkassen-Mitarbeiter ausgelegt, sind dort heute noch etwas mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt. Das bedeute aber nicht, dass sich weniger Menschen die Fläche teilen: "Wir haben einige Flächen fremdvermietet, etwa an die Deutsche Rentenversicherung", sagt Ralf Krumbiegel.

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Und wie steht es um die kleinen Geschäftsstellen, abseits der gläsernen Zentrale in Riesa? "Momentan stehen keine Schließungen zur Debatte", sagt der Sparkassen-Sprecher auf Nachfrage. Auf ewig unverändert werde man das Netz aus 16 Geschäftsstellen, 18 Automatenstandorten und zehn Bargeld-Auszahlungsmöglichkeiten bei kleinen Dienstleistern aber nicht lassen können. Die Ostsächsische Sparkasse in Dresden hatte diese Woche angekündigt, 22 Kleinfilialen schließen zu wollen.

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