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Riesa: Schleichweg durch Pfützenlandschaft

Anwohner einer Straße in Poppitz sind ohnehin gestraft. Jetzt kommt noch zusätzlicher Verkehr dazu. Immerhin: Ein Versprechen macht die Stadt.

Lädt nicht gerade zum Rasen ein - wird aber dennoch vom Schleichverkehr zügig durchfahren: die Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße im Ortsteil Poppitz. Anwohner hoffen seit Jahren auf einen Ausbau.
Lädt nicht gerade zum Rasen ein - wird aber dennoch vom Schleichverkehr zügig durchfahren: die Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße im Ortsteil Poppitz. Anwohner hoffen seit Jahren auf einen Ausbau. © Eric Weser

Riesa. Wohnhäuser, Hecken, auch das Tempo-30-Schild spiegeln sich in den Pfützen, die mit schlammgrauem Wasser gefüllt sind. Doch manchen Autofahrer scheinen weder Straßenzustand noch Verkehrsregeln zu interessieren. Zumindest staunt der SZ-Fotograf an der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße, mit welchem Tempo da gerade eine VW-Bus-Fahrerin an ihm vorbeiprescht.

Auf Hinweis einer Anwohnerin stattet die Zeitung dem Wohngebiet im Riesaer Ortsteil Poppitz einen Besuch ab. Nicht zum ersten Mal: Der Zustand der nicht ausgebauten Fahrbahn ist schon seit Jahren ein Aufregerthema. Jetzt aber haben die Bewohner der angrenzenden Grundstücke noch mehr Ärger als ohnehin schon. "Seit dem Bau der Brücke an der Poppitzer Landstraße wird unsere Straße als Schleichweg für den Umleitungsverkehr genutzt", schimpft eine Anwohnerin.

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Offiziell ist die Umleitung auf der wichtigen Pendlerstrecke Richtung Meißen ganz woanders ausgeschildert: Stadtauswärts über Boritz und Heyda, stadteinwärts über B 6 und Oelsitz. Doch viele, die sich auskennen, nehmen konsequent den kürzesten Weg: an der Sparte Reiter und dem Wasserwerk vorbei – und dann mitten durchs Wohngebiet.

Bei Trockenheit Staub, bei Nässe eine Pfützenlandschaft: Die Stadt lässt die Löcher regelmäßig füllen - aber das hilft wenig.
Bei Trockenheit Staub, bei Nässe eine Pfützenlandschaft: Die Stadt lässt die Löcher regelmäßig füllen - aber das hilft wenig. © Eric Weser

Daran könne man auch nichts ändern, heißt es von der Riesaer Stadtverwaltung. "Es sind gewidmete öffentliche Straßen und deshalb lässt sich nicht verhindern, dass Leute mit Ortskenntnis (oder Navigerät) auch dort entlangfahren. Das lässt sich auch nicht verbieten", sagt Rathaussprecher Uwe Päsler.

Die Stadt sieht dem Ärger allerdings auch nicht tatenlos zu. Wie bereits mitgeteilt, habe man die 30er-Zone an der benachbarten Moritzer Straße wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens ausgeweitet. Auf mehrfachen Wunsch von Anwohnern blitze man dort auch. Allein am ersten Tag habe man in gut fünf Stunden 64 Verstöße festgestellt. Der bisherige Negativ-Spitzenreiter sei knapp 70 gefahren.

Seit Bestehen der Baustelle kontrolliere man regelmäßig in diesem Gebiet, teilt die Stadt diese Woche mit. Und leider auch mit einigem "Erfolg". "Wir werden die Aktivitäten auch ausweiten, da dem Ordnungsamt ähnliche Berichte von Anwohnern zugegangen sind und die bisherigen Messungen klar zeigen, dass etliche Verkehrsteilnehmer nicht gewillt sind, die ausgewiesenen Geschwindigkeiten einzuhalten", sagt Uwe Päsler.

Die Anwohnerin von der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße moniert ebenfalls Geschwindigkeitsverstöße. "Manchmal wackeln die Gläser in der Schrankwand, weil jemand so schnell vorbeifährt."

Auch ohne zusätzlichen Schleichverkehr ist die Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße regelmäßig in miserablem Zustand – hier ein Eindruck vom Januar 2019.
Auch ohne zusätzlichen Schleichverkehr ist die Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße regelmäßig in miserablem Zustand – hier ein Eindruck vom Januar 2019. © Archivfoto: Klaus-Dieter Brühl

Das liegt wohl vor allem an den Schlaglöchern, die sich nach den Regenfällen der vergangenen Tage in Pfützen verwandelt haben. "Die sind so groß, die können wir bald bepflanzen", sagt die Frau. Gleichzeitig würden mittlerweile auch die Gullideckel aus der abgefahrenen Fahrbahn herausschauen – da könne man sich die Reifen kaputtfahren.

Wie die Anwohnerin schildert, lasse die Stadt zweimal im Jahr alle Schlaglöcher verfüllen – aber leider nur mit feinem Sand, der schon nach wenigen Tagen wieder rausgefahren sei. "Durch den benachbarten Kindergarten ist ja reger Autoverkehr bei uns, nicht nur durch den Baustellen-Schleichverkehr", sagt die Frau.

Zu DDR-Zeiten habe man das technologisch besser gelöst; seinerzeit wäre der Belag anschließend noch verfestigt worden. Aber damals gab es doch sicher deutlich weniger Autoverkehr im Wohngebiet? "Ja, aber dafür waren mehr schwere Landmaschinen bei uns unterwegs."

Von der Stadtverwaltung heißt es, dass die Schlaglöcher "entsprechend verfüllt" würden, etwas anderes sei an dieser Stelle nicht möglich. "Da dort keine Straßenentwässerung vorhanden ist, werden die Löcher immer wieder ausgefahren", sagt Sprecher Uwe Päsler. "Der gesamte Untergrund der Straßen gibt derzeit nichts anderes als derartige Notmaßnahmen her, zu einem grundhaften Ausbau gibt es keine Alternative."

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Der Ausbau allerdings wird teuer – zumal die Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße nicht das einzige Problemkind im Riesaer Straßenverzeichnis ist. Mit dem Thema beschäftigen sich Verwaltung und Stadträte schon geraume Zeit. Ein möglicher Bauzeitraum lasse sich deshalb noch nicht sagen. "Die entsprechende Prioritätenliste wird auf Anregung der Stadträte zu allen investitionsbedürftigen Anwohnerstraßen nach einem detaillierten Matrixsystem aufgestellt", sagt Uwe Päsler. Das sei sehr aufwendig – und deshalb sei die Liste noch immer in Bearbeitung.

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