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Riesaer Kita-Küche bekommt Besuch aus Dresden

Kindereinrichtungen in der Sportstadt leisten sich eine Besonderheit. Ein guter Grund für den Besuch einer Staatssekretärin.

Von Christoph Scharf
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Fröhliche Köche tanzen: die von einem privaten Trägerverein betriebene Kita Villa auf dem Kirschberg hatte am Dienstag viel Besuch.
Fröhliche Köche tanzen: die von einem privaten Trägerverein betriebene Kita Villa auf dem Kirschberg hatte am Dienstag viel Besuch. © Sebastian Schultz

Riesa. Kinder mit weißen Kochmützen und -schürzen tanzen singend im Kreis. Doch der echte Koch trägt Schwarz – und steht lächelnd daneben. Mit Achim Jenichen leistet sich die Kita "Villa auf dem Kirschberg" einen eigenen Küchenchef. Beste Voraussetzungen für einen Besuch durch die Politik: Staatssekretärin Dagmar Neukirch aus dem Dresdner Sozialministerium eröffnete am Dienstag eine sachsenweite Mitmachaktion.

Anlass ist der Tag der Kitaverpflegung, den das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft am 3. Mai ins Leben gerufen hat. In Sachsen lädt die Vernetzungsstelle Kitaverpflegung aus diesem Anlass Kindereinrichtungen noch bis zum 3. Juni zum Ausprobieren und Verkosten von saisonalen Brotaufstrichen ein.

Die gab es als Häppchen, etwa mit Bärlauch, auch in der Villa auf dem Kirschberg. Gut 140 Kinder besuchen die Einrichtung gegenüber der Arbeitsagentur. Frühstück, Mittag und Vesper für sie werden in der eigenen Küche im Keller zubereitet, die Vertreter von Politik, Landkreis, Stadtverwaltung auch selbst in Augenschein nahmen.

Es ist angerichtet: Küchenhilfe Jessica Kockisch und Koch Achim Jenichen präsentieren gesunde Brotaufstriche.
Es ist angerichtet: Küchenhilfe Jessica Kockisch und Koch Achim Jenichen präsentieren gesunde Brotaufstriche. © Sebastian Schultz
Die Villa auf dem Kirschberg war vor der Wende vom Stahlwerk betrieben worden.
Die Villa auf dem Kirschberg war vor der Wende vom Stahlwerk betrieben worden. © Sebastian Schultz
Staatssekretärin Dagmar Neukirch (li.) im Gespräch mit Riesas Finanzbürgermeisterin Kerstin Köhler.
Staatssekretärin Dagmar Neukirch (li.) im Gespräch mit Riesas Finanzbürgermeisterin Kerstin Köhler. © Sebastian Schultz

Chef dort ist Koch Achim Jenichen, der zuvor jahrelang in der Gastronomie tätig war – im Oschatzer Schwan beispielsweise, im Meißner Restaurant Vincenz Richter, im Sörnewitzer Weinhaus Schuh, im Riesaer 4M. Als seine Vorgängerin in der Kita in Ruhestand gehen wollte, umwarb ihn die Einrichtung – die ihn als Vater eines Mädchens kannte. "Wenn man vor Ort für die Kinder kocht, kann man viel besser etwa auf Unverträglichkeiten eingehen", sagt der 39-Jährige. Lactose, Nüsse, Tomaten – der eine verträgt dies, der andere jenes nicht.

Behutsam arbeite er daran, die Rezepte umzustellen: Weg von der klassischen DDR-Küche, hin zu mehr frischem Gemüse und weniger Fleisch. Die Kinder sollen auch mal was ausprobieren dürfen – und können sich mit Wünschen auch an den eigenen Koch im Haus wenden.

Diese Möglichkeit gibt es in Riesa noch überdurchschnittlich oft: Werden anderswo im Landkreis Kitas oft zentral von einem Caterer beliefert, leisten sich die Riesaer Kitaträger im Regelfall noch eigene Küchen. "Das war eine politische Entscheidung, als die Kindereinrichtungen in Riesa ausgegliedert wurden", sagt die zuständige Amtsleiterin Kathleen Kießling von der Stadtverwaltung. Und so wird etwa am Kirschberg selbst gekocht, beim SC Riesa, am Amselweg, bei der DRK-Kita Am Technikum.

Auch der MDR schaut für einen Dreh in der Riesaer Kita "Villa auf dem Kirschberg" vorbei.
Auch der MDR schaut für einen Dreh in der Riesaer Kita "Villa auf dem Kirschberg" vorbei. © Sebastian Schultz

Während in den Kindergärten in Sachsen quasi alle Kinder mitessen, sinkt der Anteil bei den Grundschülern auf etwa 80 Prozent, ab der siebten Klasse nimmt er dann deutlich weiter ab. "Und an den Gymnasien sind es wohl unter 20 Prozent", sagt Manuela Sorg, Leiterin der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Sachsen. Man müsse attraktive Mahlzeiten bieten, bei größeren Schülern auch Komponenten zum selbst auswählen. "Auch ein optisch aufgepeppter Speiseraum kann helfen."

Gesundes Essen hat allerdings seinen Preis – den in der Regel die Eltern zahlen müssen. In Riesa springt in 20 bis 25 Prozent der Kinder das Amt ein, etwa bei Hartz-IV- und Wohngeldempfängern, Asylbewerbern, Geringverdienern. Im Landkreis Meißen liegt der Anteil etwas geringer. Er schwanke leicht – je nach der Lage auf dem Arbeitsmarkt. Gesunde und abwechslungsreiche Kost sollen jedenfalls alle Kita-Kinder erhalten: Das ist die zentrale Botschaft des Vor-Ort-Termins in Riesa.