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Riesaer Wendegeschichten kommen ins Internet

In Riesa war der Film "Wendegeschichten: Riesa" über die Wendejahre schon zu sehen gewesen. Nun ist er auch online zu finden.

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Nicht nur zum ehemaligen Klubhaus der Stahlwerker suchten Martin Tritschler und seine Mitstreiter 2022 Zeitzeugen. Zur Wendezeit in Riesa ist nun ein Dokumentarfilm entstanden.
Nicht nur zum ehemaligen Klubhaus der Stahlwerker suchten Martin Tritschler und seine Mitstreiter 2022 Zeitzeugen. Zur Wendezeit in Riesa ist nun ein Dokumentarfilm entstanden. © Sebastian Schultz

Riesa. Gerade hatte er auf der Hauptstraße Premiere, nun ist der Dokumentarfilm "Wendegeschichten: Riesa" auch im Internet verfügbar. Die Dokumentation war aus einem seit 2020 beim Verein Sprungbrett laufenden Projekt hervorgegangen, für das der Verein auch mit Stadtmuseum und Stadtverwaltung zusammenarbeitete.

"Wie wirkt die Wendezeit-Erfahrung bis in die Gegenwart hinein? Wie wertvoll kann diese sein, wenn man in zwei verschiedenen Systemen gelebt hat? Fragen, die aktuell bleiben und nicht an Relevanz verloren haben", schreibt der Verein selbst über den 76-minütigen Film des Leipziger Filmemachers Michael Schlorke.

Solche und weitere Fragen behandele der Dokumentarfilm. Menschen aus Riesa und andere Ostdeutsche schildern unter anderem ihre Alltagssorgen und Hoffnungen während der Wende, sprechen über den Widerstand gegen die Treuhand-Politik und das Aufwachsen als "Nachwendekind" – in einer Elbestadt Riesa, die sich seit 1990 rasant und nicht immer zum Besseren verändert habe, so die Macher.

Es gebe zwar reichlich Studien und Literatur zum Thema DDR und Wendezeit, doch nur selten kämen direkt die ehemaligen DDR-Bürger zu Wort. "Die Wiedervereinigung von DDR und BRD war für die Menschen in Ostdeutschland sehr prägend. Der damalige Strukturwandel hinterließ Spuren und Erfahrungen, die man sich im Westen bis heute nur schwer vorstellen kann." Es habe bisher kaum Räume gegeben, um die Erfahrungen aus der Wendezeit auszusprechen, so Martin Tritschler von Sprungbrett. "Die Erzählung Wendezeit endet 1994/95." Aber die Nachwirkungen spüre man bis heute.

Collagenartig stellt der Film verschiedene Debatten zusammen und fasst gleichzeitig das Projekt "Riesaer*innen auf dem Weg in die deutsche Einheit" zusammen. Zu sehen seien etwa Szenen aus dem Theaterstück "Wie macht man gute Kunst für Ostdeutsche?", Onlinegespräche zum Thema "Widerstand gegen die Treuhandpolitik" oder aus einer Podiumsdiskussion zu "30 Jahre deutsche Einheit" sowie die Ausstellungen zum ehemaligen Riesaer Klubhaus der Stahlwerker "Joliot Curie". (SZ)