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Warum Riesas Schulessen jetzt aus Gröditz kommt

Der Gastroservice Selle ist bei einem bisherigen Konkurrenten eingezogen. Und die nächste Änderung bahnt sich an.

Arbeiten jetzt zusammen: Uwe Sachse, Chef der Menü Gröditz GmbH (li.) und Holger Selle vom Gastroservice Selle. Er ist ab Januar Geschäftsführer von beiden Unternehmen.
Arbeiten jetzt zusammen: Uwe Sachse, Chef der Menü Gröditz GmbH (li.) und Holger Selle vom Gastroservice Selle. Er ist ab Januar Geschäftsführer von beiden Unternehmen. © Sebastian Schultz

Riesa/Gröditz. Eines ist Holger Selle wichtig: Auch, wenn seine Küche jetzt aus Riesa weggezogen ist, finden Kunden und Eltern noch einen Ansprechpartner in der Stadt. "Die Verwaltung und der Partyservice sind weiter an der Friedrich-Engels-Straße zu finden", sagt der Chef des Gastroservice Selle. Für die Küche allerdings reicht der Platz dort nicht. Und ein Umzug war nötig, weil das Stahlwerk den bisherigen Firmensitz zugunsten einer Werkserweiterung abreißen will.

Eigentlich sollte Selle schon Ende August das Gebäude räumen. "Freundlicherweise wurden mir noch zehn Tage Verlängerung eingeräumt", sagt der Geschäftsführer. Aber dann stand wirklich der Umzug an. Und weil sich in Riesa selbst keine passenden Räumlichkeiten gefunden hätten, zog Selles Küche nach Gröditz um - zur Menü Gröditz GmbH. Die war bislang Konkurrenz im Schulküchen-Geschäft, ist nun Partner - und ab dem Jahreswechsel wird Holger Selle auch dort Chef.

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"Ich habe schon länger nach einem Nachfolger gesucht", sagt Uwe Sachse, noch bis Jahresende Geschäftsführer der Menü Gröditz GmbH. "Ich bin im April 65 geworden. Und jetzt arbeite ich hier noch ein Jahr lang mit, bis alles rund läuft."

An der Albert-Niethammer-Straße in Gröditz wird nun für zwei Unternehmen gekocht.
An der Albert-Niethammer-Straße in Gröditz wird nun für zwei Unternehmen gekocht. © Sebastian Schultz

So hätte eines zum anderen gepasst. Und nun teilen sich beide Unternehmen die Räumlichkeiten. Gekocht wird aber bis auf Weiteres parallel: Sachses Mitarbeiter machen das Essen für die Kunden des Gröditzer Unternehmens, Selles Mitarbeiter für die der Riesaer Firma. "Die neuen Kollegen verstehen sich aber prima", lobt Sachse. Es sollen weiterhin zwei verschiedene Unternehmen mit unterschiedlichen Gerichten bleiben, ergänzt Selle. Aber Synergieeffekte soll es in den nächsten Jahren trotzdem geben, durch gemeinsamen Einkauf etwa.

In Riesa geht derweil das Gerücht um, dass das Schulessen derzeit aus Wurzen komme. Wie das? "Das stimmt so nicht", sagt Holger Selle. Tatsächlich würden derzeit aus Kapazitätsgründen nur die Kantinen der Selle-Kunden von einem Partnerunternehmen aus Wurzen beliefert. Das sei eine vorübergehende Notlösung. Das Schulessen komme tatsächlich aus Gröditz, seit die Küche in Riesa geräumt werden musste. Im nächsten Jahr werde man dann auch das Kantinenessen wieder selbst zubereiten können, dann ebenfalls in Gröditz.

Beide Unternehmen würden gut zusammen passen, sagt Holger Selle. "Das war ein glücklicher Umstand. So bleibt unser Angebot auch in der Region." Dabei habe man mit der Umstellung auf die digitale Bestellung des Schulessens gerade erst eine größere Hürde zu bewältigen gehabt. Weil sich viele Eltern damit erst am letzten Schultag vor den Ferien oder in der ersten Schulwoche beschäftigt hätten, sei man ganz schön ins Schwitzen gekommen. In Gröditz hatte man das System schon früher eingeführt - und damit bergeweise Papier gespart, sagt Uwe Sachse.

Menü Gröditz beliefert Schulen nicht nur in Gröditz, sondern auch in Meißen, Oschatz, Herzberg und bis hin nach Ortrand, während Selle vor allem in Riesa und drumrum vertreten ist. "Brandenburg ist für uns Neuland, zumal dort ja auch andere Ferienzeiten gelten", sagt Holger Selle.

Am Riesaer Stahlwerk musste der Gastroservice Selle raus. Das Gebäude wird nun abgerissen, um Platz für Feralpi zu schaffen.
Am Riesaer Stahlwerk musste der Gastroservice Selle raus. Das Gebäude wird nun abgerissen, um Platz für Feralpi zu schaffen. © Sebastian Schultz

Bis vor der Corona-Pandemie hatte sein Unternehmen rund 100 Mitarbeiter, jetzt sind es noch etwa 70. Einen Teil des Rückgangs machte die Schließung der eigenen Fleischerei aus. "Die hatte wirklich einen guten Ruf. Aber in den neuen Räumlichkeiten geht das leider nicht mehr", sagt der 48-Jährige. Andere Mitarbeiter hätten sich durch die lange Kurzarbeit beruflich umorientiert - etwa Richtung Pflegebranche. Kündigungen habe es sonst nur vereinzelt gegeben. Bei Menü Gröditz waren es vor Corona rund 55 Mitarbeiter, jetzt sind es noch 45. Das habe unter anderem damit zu tun, dass man die Schmiedewerke nicht mehr beliefere. "Beim Küchenpersonal sind aber alle Leute dageblieben", sagt Uwe Sachse.

Das Riesaer Schulessen aber hat nun täglich einen längeren Weg. Merkt man das? "Eigentlich nicht", sagt Holger Selle. "Es ist zwar 25 Minuten länger unterwegs, aber der Unterschied ist marginal." Man sei sehr intensiv mit den Essens-Teilnehmern vor Ort im Austausch. "Die Ausgabe-Frauen haben den Auftrag, zu fragen, wie es schmeckt." Negative Rückmeldungen gäbe es von den Kindern kaum, höchstens von den Eltern.

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Gekocht wird in Gröditz nun ab früh um vier, um zehn sollte alles fertig sein. In der Zeit entstehen täglich 2.000 Schulessen für Menü Gröditz, 1.500 weitere für Selle. "Am Anfang des Schuljahres ist die Zahl der Essensteilnehmer am höchsten", erklärt Holger Selle. Über das Jahr verringere sich die Zahl immer etwas, weil die Schulabgänger sich dann selbst versorgen. Wenn nicht wieder Schulschließungen durch Corona dazu kommen: "Das war vergangenes Jahr wie vor die Wand gefahren - von 100 auf Null." Und Uwe Sachse erinnert sich, wie man mit palettenweise Waren vom Großhandel da stand und plötzlich alle Schulen zu waren. "Da wurden wir von der Politik allein gelassen, auch beim Neustart nach Corona: Da beschloss man Freitagnachmittag, dass die Schulen Montagfrüh wieder aufmachen dürfen", sagt Selle. So eine Situation brauche man nicht noch einmal. Wegen Corona hatte man zeitweise das Schulessen auf ein Gericht beschränken müssen, dann gab es wieder zwei zur Auswahl. Und in absehbarer Zeit sollen es wieder die gewohnten drei sein - so wie vor der Pandemie.

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