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Solar-Diebe schlagen vor allem im Kreis Meißen zu

In einer aktuellen Statistik des LKA liegt das Elbland an der unrühmlichen Spitze. Die Kriminalisten geben konkrete Tipps.

Einfache Maschendrahtzäune um Solarparks schrecken die Diebe nicht ab, heißt es vom LKA. Die Kriminalisten empfehlen zweieinhalb Meter hohe Doppelstabgitter-Mattenzäune.
Einfache Maschendrahtzäune um Solarparks schrecken die Diebe nicht ab, heißt es vom LKA. Die Kriminalisten empfehlen zweieinhalb Meter hohe Doppelstabgitter-Mattenzäune. © Sebastian Schultz

Landkreis Meißen. Die Täter sind offenbar Profis. Wer schafft es sonst, unbemerkt aus einem Solarpark 33 Wechselrichter zu stehlen, von denen jeder mehr als einen Zentner wiegt? Bei einem Stückpreis von 2.200 Euro pro Schaltkasten geht der Wert der Beute in die Zehntausende. Weil der Solarpark auch noch neu zu verkabeln war, stand am Ende ein Schaden von 100.000 Euro zu Buche - bei einem einzigen Vorfall.

Der Fall aus Zeithain, bei dem Diebe im März in einer Anlage der Sachsen-Energie zugeschlagen hatten, reiht sich in einen unschönen Trend ein: Im ersten Halbjahr 2021 wurden in Sachsen 27 Fälle registriert, bei denen Solaranlagen im Fokus von Dieben standen. Das geht aus einer Übersicht des Landeskriminalamts (LKA) hervor, die jetzt veröffentlicht wurde. Insgesamt entstand dabei ein Schaden von mehr als 375.000 Euro.

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Solarkollektoren, solarthermische oder photovoltaische Anlagen und das Zubehör hätten ihren Preis - und seien deshalb auch für Diebe und Hehler "ein interessantes Zielobjekt", heißt es vom LKA. Besonders teuer sind dabei offenbar die Wechselrichter, von denen im ersten Halbjahr in Sachsen insgesamt 100 Exemplare gestohlen wurden.

© SZ Grafik

Das erklärt auch die vergleichbar hohe Schadenssumme: Obwohl im ersten Halbjahr 2020 fast genauso viele Fälle von Solar-Diebstählen erfasst wurden, machte der Schaden damals nur etwa ein Fünftel der aktuellen Summe aus (siehe Grafik): Damals wurden keine Wechselrichter entwendet. Die Fallzahlen blieben zuletzt etwa konstant, während die Schadenssummen je nach Wert der gestohlenen Komponenten schwankten.

Auffällig: Der Landkreis Meißen liegt an der Spitze beim Thema Solar-Diebstahl. Woran liegt das? An der zentralen Lage in Sachsen und gleich drei vorbeiführenden Autobahnen vielleicht? Das sei nicht völlig von der Hand zu weisen, sagt Kathlen Zink vom LKA. "Sicher ist, dass Täter da am liebsten zuschlagen, wo sie unbeobachtet sind und eine schnelle Fluchtmöglichkeit für Tatfahrzeuge vorhanden ist."

Von Zeithain aus geht es über die B 98 leicht Richtung A 13. In derselben Gemeinde waren auch schon mal aus einem Installationsbetrieb etliche Wechselrichter gestohlen worden, 2019 war ein Solarpark in Lenz (Gemeinde Priestewitz) gleich mehrfach betroffen. Beim LKA geht man davon aus, dass die Ware ins östliche Ausland verfrachtet und dort verkauft wird. Es sei nicht unüblich, dass das Diebesgut schon außer Landes sei, wenn die Tat bemerkt werde.

Die Täter seien oft sehr gut organisiert, würden arbeitsteilig und schnell arbeiten. Auch wenn sie oft abgelegen liegen, sind Photovoltaikanlagen über befestigte Wege zu erreichen: Das würden sich die Diebe zunutze machen und ihre Beute mit Kleintransportern oder Lastkraftwagen abtransportieren.

Bei der Auswertung der Daten stellten die Ermittler fest, dass die Täter in jüngster Zeit Solartechnik hauptsächlich von Dächern größerer Hallen oder Lager stehlen, von Solarfeldern oder Solarparks und von Dächern von Garagenkomplexen. Dabei würden sie die Technik fachgerecht abmontieren.

Aus diesem Zeithainer Solarpark verschwanden im Frühjahr 2021 mehr als 30 Wechselrichter. Wo sie fehlen, enden die Kabel im Leeren.
Aus diesem Zeithainer Solarpark verschwanden im Frühjahr 2021 mehr als 30 Wechselrichter. Wo sie fehlen, enden die Kabel im Leeren. © Eric Weser

Wo genau sie zuletzt im Kreis Meißen zuschlugen, teilt das LKA aus Datenschutzgründen nicht mit. Neben dem Solarpark in Zeithain seien 2021 bislang aber eher kleinere Anlagen im Landkreis betroffen gewesen: in einem Fall ein Einfamilienhaus (Wert der Beute: 12.500 Euro), dann noch eine Solaranlage im Wert von 2.000 Euro, zwei Solaranlagen im Wert von je 250 Euro von "Verkehrsflächen" (das ist meist kommunale Technik, die am Straßenrand steht) und ein missglückter Versuch in einem Versorgungsunternehmen.

Grundsätzlich seien Photovoltaikanlagen auf unbewohnten oder abgelegenen Gebäuden und Freiflächenanlagen besonders gefährdet. Was sollten Eigentümer tun? "Die Einfriedung von Solarparks mit einfachen Maschendraht- oder Wildzäunen stellt für die Diebe nahezu kein Hindernis dar", so das LKA. Dass sich die Teile mit handelsüblichen Werkzeugen schnell abschrauben lassen, begünstige den Diebstahl einer Vielzahl von Solarmodulen in kurzer Zeit.

Besser sei eine Befestigung, die sich nur mit Spezialwerkzeug oder durch Zerstörung lösen lasse. "Dies kann unter anderem durch Einschlagen von Metallkugeln in Innensechskantschrauben, Verwenden von Schrauben mit Sollbruchstellen oder Verklebungen erfolgen", gibt das LKA praktische Tipps. Bei Dachanlagen sollte man zudem Leitern, Mülltonnen, Gartenmöbel wegschließen - das könnte dem Täter als Aufstiegshilfe dienen. "Je mehr Aufwand der Diebstahl erfordert, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Täter von seinem Handeln absieht", so die Kriminalisten. Je mehr "Arbeitszeit" der Täter benötige, desto größer sei sein Risiko, entdeckt zu werden.

Bei Solarparks empfiehlt das LKA zweieinhalb Meter hohe Doppelstabgitter-Mattenzäune, gegebenenfalls mit Übersteig- und Unterkriechschutz. Außerdem würden sich Einbruchmelde- und Videoüberwachungsanlagen empfehlen. Zudem sollten Betreiber ihre Solaranlagen regelmäßig kontrollieren und dabei auch auf Markierungen am Zaun achten. Hilfreich sei es, die Technik selbst mit einem haltbaren Code zu versehen, der einen Hinweis auf den Eigentümer gibt. Das mache das Diebesgut für Hehler uninteressant: Die Gerätenummern der Hersteller seien meist nur auf lösbaren Aufklebern angebracht, würden also kaum helfen.

Bei Sachsen-Energie, dem Betreiber der Zeithainer Anlage, hatte man schon nach einem ähnlichen Ereignis im Vorjahr veranlasst, dass diebstahlhemmende Verschraubungen installiert werden. Nach dem Vorfall von diesem März kündigte das Unternehmen an, zusätzliche Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen. Völlig verhindern wird man solche Diebstähle wohl nicht können - man kann es den Tätern allerdings schwerer machen.

  • Eigentümer können ihre Technik mit der sogenannten Eigentümer-Identifizierungs-Nummer (EIN) kennzeichnen: Diese setzt sich zusammen aus der Landkreiskennung (MEI), Gemeindeschlüssel, Straßenname, Hausnummer sowie den Initialen des Eigentümers.
  • Ratschläge gibt es von den polizeilichen Beratungsstellen, zu finden unter polizei.sachsen.de, "Polizeiliche Prävention".
  • Die Polizei empfiehlt etliche regionale Unternehmen, die sich mit Sicherheitstechnik und Einbruchmelde- und Videoüberwachungsanlagen auskennen: polizei.sachsen.de/errichterunternehmen

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