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Zwei Riesaer Apotheken wechseln Besitzer

Ein 31-Jähriger führt ab Januar in Weida die Geschäfte. Er hat schon einiges verändert.

Richard Tietz ist der neue Inhaber der Riesaer Apotheke am Heideberg. Er zeigt ein Reinigungsgel für die Haut, das als Eigenmarke für die Weidaer Apotheke in Südtirol produziert wird.
Richard Tietz ist der neue Inhaber der Riesaer Apotheke am Heideberg. Er zeigt ein Reinigungsgel für die Haut, das als Eigenmarke für die Weidaer Apotheke in Südtirol produziert wird. © Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Im Oktober hatte Katrin Gruner noch das 30-jährige Bestehen ihrer Apotheke Am Heideberg in Weida gefeiert. Nun übergibt die promovierte Pharmazeutin das Geschäft im Hochhaus-Erdgeschoss an einen Nachfolger. Richard Tietz ist nur ein Jahr älter als die Apotheke - und übernimmt von seiner Vorgängerin gleich noch eine Einrichtung: Die Äskulap-Apotheke wenige Hundert Meter weiter am Weida-Center gehört ebenfalls dazu. Das werden manche Kunden bislang noch gar nicht bemerkt haben. Der neue Inhaber will das aber noch im Januar auch optisch erkennbar machen. "Wir werden mit neuer Gestaltung, neuer Homepage und einem einheitlichen Logo in Grün auf die Weida-Apotheken aufmerksam machen", sagt der 31-Jährige.

Die Kunden müssten sich aber keine Sorgen machen, dass alles anders wird, nachdem die beiden Apotheken altershalber zum Verkauf standen. Die Mitarbeiter, Beratung und das Angebot bliebe erhalten. Aber hinter den Kulissen werde sich doch einiges ändern. "Ab 2022 wird in Deutschland das sogenannte E-Rezept eingeführt: Und darauf richten wir uns jetzt schon mit einem neuen PC-System und neuer IT-Technik aus", sagt der Niederauer.

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"Das ist eine gute Struktur hier in Weida"

Das Thema liegt Tietz, der schon seit drei Monaten zur Einarbeitung da ist. Die Apotheken-App "call my Apo" nutzt man in Weida längst. Da können Kunden ihre Rezepte vom Arzt gleich abfotografieren und an die gewünschte Apotheke senden. "Binnen weniger Minuten gibt es eine Rückmeldung, ob wir die Ware vorrätig haben oder ab wann sie abholbereit ist", sagt Tietz. Das erspart den Patienten Zeit und oft auch Wege.

Aber warum gibt es in fußläufiger Entfernung in Weida überhaupt gleich zwei Apotheken? Die Heideberg-Apotheke war aus der einstigen "Apotheke in Weida" in der damaligen Poliklinik auf der anderen Seite des Parkplatzes entstanden. Katrin Gruner hatte sie 1990 privatisiert - noch zwei Tage vor der Wiedervereinigung. Später hatte sie von einer Kollegin auch die Apotheke im Weida-Center übernommen. "Wir haben hier wie dort Ärzte in der Nachbarschaft", sagt Richard Tietz. "Das ist eine gute Struktur hier in Weida und auch eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Medizinern." Das sei nicht überall so. Sei beispielsweise ein verordnetes Präparat auf dem Markt nicht lieferbar - und das komme seit der Corona-Krise mit Auswirkungen auf die weltweiten Lieferketten verstärkt vor - genüge in Weida ein kurzer Rückruf beim Mediziner, um gemeinsam eine Alternative zu finden.

Die Apotheke liegt im Erdgeschoss des markanten Hochhauses an der Chemnitzer Straße. Die Äskulap-Apotheke wenige Hundert Meter weiter im Weida-Center gehört ebenfalls dazu.
Die Apotheke liegt im Erdgeschoss des markanten Hochhauses an der Chemnitzer Straße. Die Äskulap-Apotheke wenige Hundert Meter weiter im Weida-Center gehört ebenfalls dazu. © Klaus-Dieter Brühl

Schwerpunkte Diabetes und Kosmetik

Und für die Patienten sei es von Vorteil, dass sich beide Apotheken im Notdienstplan miteinander abwechseln - und so jede Woche einen Tag eine Apotheke in Weida dran sei. Identisch ist das Angebot der beiden Einrichtungen nicht: Im Hochhaus setze man einen Schwerpunkt auf die Diabetiker-Beratung; in der Äskulap-Apotheke auf das Thema Kosmetik. "Das ist üblich, dass jede Apotheke ihr Spezialgebiet hat", sagt der Pharmazeut.

Insgesamt gibt es in Riesa neun Apotheken: zwei in Weida, eine in Merzdorf, sechs in der Innenstadt - die sich vom Puschkinplatz über die Hauptstraße bis Altriesa aufreihen. Ist das viel oder wenig? "Ich würde sagen, das ist eine angemessene Versorgung für eine Stadt dieser Größe", sagt Tietz, der die vergangenen vier Jahre als angestellter Apotheker in Radeburg gearbeitet hat, nachdem er in Halle studiert und in Dresden Erfahrungen gesammelt hatte.

Der vergleichsweise hohe Altersschnitt der Riesaer und Weidaer Einwohner war ihm allerdings noch nicht aufgefallen. "Zu Apotheken-Kunden gehören überall viele Senioren, das ist in der Branche üblich." Das sei in Riesa nicht anders als in Radeburg oder Dresden.

Mehr als 15.000 FFP2-Masken ausgegeben

Außerdem entwickle sich Weida ja: Tietze freut sich, dass in der Nachbarschaft ein neues Eigenheim-Gebiet entsteht. Ohnehin sei der Stadtteil gut erschlossen und biete viele sanierte Wohnungen. Deshalb habe er sich auch bewusst für Riesa entschlossen - auch wenn der Arbeitsweg nun ein kleines Stück länger ist für ihn.

Der Start ist für den Niederauer, der in seiner Freizeit gern Motorrad fährt oder fotografiert, ohnehin in eine schwierige Zeit gefallen. "Wir haben seit Mitte Dezember mehr als 15.000 Masken in den beiden Apotheken ausgegeben. Das war eine logistische Meisterleistung für die Mitarbeiter", sagt Tietz. Er freut sich, dass die Kunden geduldig gewartet hätten - und sieht sich gut gerüstet für die weitere Ausgabe im Januar. "Unser Lager ist voll." Ab dem 2. Januar will Tietz für jeweils sechs abgegebene Masken zwei Euro spenden an regionale Institutionen - die Lebenshilfe in Riesa, die Förderschule Lichtblick, Kitas in Weida.

Momentan beraten die Mitarbeiter die Kunden verstärkt zum Thema Immunsystem: "Für die Pflege der Atemwege ist ein befeuchtendes Nasenspray sinnvoll", sagt Tietz. Zumal man sich derzeit viel in beheizten, trockenen Räumen aufhalte. "Und die Nasenschleimhaut ist nun mal die Eintrittspforte für Vieren und Bakterien - die zu schützen, ist in Corona-Zeiten besonders wichtig."

Insgesamt 20 Mitarbeiter zählt sein Team. Fachpersonal zu finden, sei immer schwierig - mehr als ein halbes Jahr lang habe er nach einer weiteren Apothekerin gesucht. "In Sachsen gibt es ja auch kaum Studienplätze für Pharmazeuten", sagt Tietze, der selbst aus Moritzburg stammt und selbst mit einer Apothekerin verheiratet ist. Mit Riesa denkt er, eine gute Wahl getroffen zu haben. "Die Gesundheitsversorgung wird hier gebraucht."

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