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Ottos Bahnhäuschen kommt weg

Am Wochenende geht in Glaubitz eine Ära zu Ende. Mit nächtlichem Krach.

Das Bahnwärterhaus an der Poststraße in Glaubitz soll abrissen werden. Hier öffnete einst Otto Weichert (rechts) die Schranken per Hand.
Das Bahnwärterhaus an der Poststraße in Glaubitz soll abrissen werden. Hier öffnete einst Otto Weichert (rechts) die Schranken per Hand. © Sebastian Schultz

Glaubitz. Otto Weichert war noch ein Reichsbahner der alten Sorte. Die Uniform immer ordentlich gebügelt, jederzeit pünktlich und pflichtbewusst. Noch in den 1970er Jahre öffnete er die Schranken am Langenberger Bahnübergang an der Poststraße. Und das per Hand. Manfred Rietzschel, mittlerweile auch fast 90 Jahre alt, kann sich noch gut an ihn erinnern. 

Wenn es noch mehr Kollegen von der Sorte wie Otto Weichert gegeben hätte, dann hätte Rietzschel ruhiger schlafen können. "Die Schranke in Langenberg hat uns sehr viel Kummer bereitet", sagt der ehemalige Betriebskontrolleur der Deutschen Reichsbahn. Denn manch anderer Schrankenwärter vergaß ab und an, die rot-weißen Balken wieder herunterzulassen, wenn sich ein Zug näherte.

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Es habe zwar keine Unfälle gegeben, erinnert sich Rietzschel. Aber jede offene Schranke wurde als Zuggefährdung betrachtet und anschließend akribisch untersucht, verrät der  Großenhainer, der unter anderem für den Bereich Weißig-Oschatz verantwortlich war. 

Seit 1969 gib es dort den Schrankenwärter-Posten 47. Bis zur Wende wurden hier die Schranken von einem Wärter bedient. Im letzten Jahrzehnt der DDR musste niemand mehr seine Muskelkraft dazu benutzen. Da ließen sich die  Balken immerhin schon per Knopfdruck öffnen und schließen.

Im August 1989 begann der Umbau zur automatischen Halbschranke. Im März 1990 ging sie in den Probebetrieb.  Auch da war sicherheitshalber noch ein Schrankenwärter vor Ort. Doch seit dem 9. Mai 1990, als die Halbschranke endgültig freigegeben wurde, ist der Posten 47 verwaist. Er wurde nicht mehr gebraucht.

Nun, rund 30 Jahre später, soll Ottos Bahnhäuschen abgerissen werden. Die Bagger stehen schon bereit. An diesem Wochenende (16. bis 18. Oktober) ist es soweit. Wie die Bahn mitteilt, wird ab Freitagabend bis Montagmorgen nachts gearbeitet. Während in Glaubitz das Wärterhäuschen dem Erdboden gleichgemacht wird, soll am Bahnhof Weißig (bei Nünchritz) an der Oberleitung gearbeitet werden. Dann ist die Bahnstrecke Priestewitz-Zeithain komplett gesperrt. Im Rahmen dieser Arbeiten ist mit mehr Lärm zu rechnen. Die Bahn bittet Anwohner in Glaubitz und Weißig um Verständnis.   

Die nächtlichen Bauarbeiten gehören zur ersten Bauphase im Abschnitt Zeithain–Leckwitz. Dabei soll in den nächsten fünf Jahren die Bahnstrecke Leipzig–Dresden  auf moderne Stellwerkstechnik umgerüstet und für ICE-Geschwindigkeiten bis 200 km/h ausgebaut werden. 

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