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Stadtrat wechselt von der AfD zur NPD

In Strehla saß der NPD-Landeschef Peter Schreiber bislang allein für seine Partei im Rat. Nun bekommt er überraschend Zuwachs.

2015 hatte NPD-Politiker Peter Schreiber sogar Bürgermeister in Strehla werden wollen. Nun reicht es durch einen Übertritt eines Stadtrats immerhin für den Fraktionsstatus.
2015 hatte NPD-Politiker Peter Schreiber sogar Bürgermeister in Strehla werden wollen. Nun reicht es durch einen Übertritt eines Stadtrats immerhin für den Fraktionsstatus. © Archivfoto: Sebastian Schultz

Strehla. Frohlocken bei der NPD, Ärger bei der AfD: Durch einen Wechsel eines Stadtrats hat die NPD jetzt Fraktionsgröße erreicht. Bislang saß der NPD-Landeschef Peter Schreiber als einziger Vertreter der NPD im Stadtrat. Nun schloss er sich mit Alfred Kunze zu einer Fraktion zusammen, wie die Stadtverwaltung bestätigt.

Kunze war bei der Kommunalwahl im Mai 2019 für die AfD in das Gremium gewählt worden. Damals hatte die NPD in Strehla 8,4 Prozent erreicht, die AfD 13 Prozent. Kunze, selbst parteilos, war damals angesprochen worden, für die AfD zu kandidieren. Sie hatte seitdem zwei Sitze im Stadtrat.

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Und warum jetzt der Wechsel zur NPD? Das habe weniger ideologische, als praktische Gründe, sagt der 77-Jährige auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung. "Ich möchte unbedingt in den Technischen Ausschuss wechseln", sagt Alfred Kunze.

Ein Platz im Wunsch-Ausschuss

Bislang sitzt er im Verwaltungsausschuss, weil der zweite AfD-Abgeordnete bereits den Sitz im Technischen Ausschuss für sich beansprucht habe. Der Wechsel zur NPD ermögliche Kunze nun womöglich den Platz im Wunsch-Ausschuss. "Ich möchte mich für umweltfreundliche Heizungsanlagen in städtischen Gebäuden einsetzen, das ist bislang in Strehla noch kein Thema", sagt der Radio-und Fernsehmechanikermeister im Ruhestand, der sich für Wärmepumpen-Anlagen begeistert. Er sei nach wie vor parteilos.

Im Strehlaer Rathaus prüft man nun, wie die Ausschüsse umbesetzt werden können. Grundsätzlich sei die Zusammenarbeit mit allen Stadträten sachlich und konstruktiv, teilt Hauptamtsleiter Sandro Kühn auf Anfrage mit. "Auch bei hitzigen Diskussionen besteht gegenseitig respektvoller Umgang."

"Verrat an den Wählern"

Wenig begeistert dagegen ist man bei der AfD. "Der Wechsel zeugt nicht von gutem Charakter", sagt Thomas Kirste, stellvertretender Kreisvorsitzender der AfD. Kunze sei in Strehla für die AfD gewählt worden, nicht für die NPD. "Ich fordere ihn auf, sein Mandat niederzulegen, damit ein Nachrücker für die AfD in den Stadtrat einziehen kann." Hätten die Strehlaer zwei NPD-Stadträte gewollt, hätten mehr von ihnen NPD gewählt. "Das ist ein Verrat an den Wählern." Carsten Hütter (AfD), der den Wahlkreis im Landtag vertritt, begrüßt dagegen das Ausscheiden von Alfred Kunze. "Wer sich politisch woanders verortet, der soll auch dorthin wechseln."

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Die NPD reichte derweil bereits einen Antrag ein, der eine Bestandsaufnahme der Heizungsanlagen in städtischen Gebäude fordert. Man habe nun deutlich größere Möglichkeiten, Stadtratssitzungen mitzugestalten, sagt NPD-Stadtrat Peter Schreiber.

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