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Klärt ein DNA-Vergleich den Dopingfall in Riesa?

Die Gewichtheberin Vicky Schlittig will ihre Unschuld beweisen. Die B-Probe war ebenfalls positiv. Nun möchte sie eine Verwechslung ausschließen.

Von Daniel Klein
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Vicky Schlittig bleibt bis zur Klärung des Falls suspendiert.
Vicky Schlittig bleibt bis zur Klärung des Falls suspendiert. © Foto: privat

Riesa. Der Dopingfall der Riesaer Nachwuchs-Gewichtheberin Vicky Schlittig geht in die nächste Runde. Bei einem Test am 26. November am Rande der Junioren-Europameisterschaften in Rovaniemi (Finnland) war in einer Urinprobe die verbotene Substanz Dehydrochlormethyl-Testosteron (DHCMT), die in der DDR unter dem Namen Oral-Turinabol vertrieben wurde, nachgewiesen worden. Die 18-Jährige, die aus Gröditz stammt und am Bundesstützpunkt Chemnitz trainiert, bestreitet die Einnahme. Sie ist bis zur Klärung des Falls suspendiert.

Vertreten lässt sie sich von dem Berliner Rechtsanwalt und Sportrechtler Steffen Lask. „Am 14. Dezember wurde an einem Labor der Sporthochschule Köln die B-Probe geöffnet. Sie war ebenfalls positiv“, erklärt der Jurist. Die Wahrscheinlichkeit, dass A- und B-Probe unterschiedliche Ergebnisse liefern, ist extrem gering, da die Urinproben im Beisein der Athleten für spätere Nachkontrollen geteilt werden.

Abgeschlossen ist das Verfahren damit jedoch nicht. Lask und seine Mandantin beantragten nun einen DNA-Abgleich. „Damit soll ein Vertauschen oder Vermischen der Urinprobe ausgeschlossen werden“, so der Anwalt. Anhaltspunkte dafür gäbe es einige. Der wichtigste: Auf dem Testprotokoll vom 26. September, das Vicky Schlittig unterschrieben hat, würde oben im Formular nicht ihr Name stehen, sondern der eines irakischen Gewichthebers. Es besteht also der Verdacht, dass Proben vertauscht wurden. „Es gibt einige Ungereimtheiten am Tag der Dopingkontrolle am Wettkampfort“, meint Lask. Deshalb der DNA-Abgleich, der verlangt werden könne, wenn es „Anhaltspunkte für Unstimmigkeiten gibt und der Athlet bereit ist, die weitere Analyse zu bezahlen“.

Den Termin für die Analyse legt nun die International Testing Agency (ITA) mit Sitz in Lausanne fest, die im Auftrag des Gewichtheber-Weltverbandes die Tests durchführt und das Verfahren leitet. Wie der falsche Name auf das Protokoll kommen konnte – dazu möchte sich die Agentur nicht äußern. „Es handelt sich um einen laufenden Fall“, begründet das ITA-Kommunikations-Managerin Marta Nawrocka auf SZ-Anfrage.

Die Einnahme von DHCMT ist rückwirkend monatelang nachweisbar, hatte Detlef Thieme, Leiter des Instituts für Dopinganalytik und Sportbiochemie Kreischa, in einem SZ-Gespräch erklärt. Laut eigener Aussage sei Vicky Schlittig in den vergangenen Jahren rund 50 Mal getestet worden, so Anwalt Lask.