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Sternsinger dürfen nicht singen

In diesem Jahr werden keine Kinder in den Gemeinden Glaubitz und Nünchritz von Haus zu Haus ziehen. Spenden sollen trotzdem gesammelt werden. Aber anders.

Jedes Jahr verkleiden sich in Deutschland rund 300.000 Kinder als die Heiligen Drei Könige und sammeln Spenden für Kinder in aller Welt, denen es nicht so gut geht. Wegen der Corona-Pandemie ist das diesmal nicht möglich.
Jedes Jahr verkleiden sich in Deutschland rund 300.000 Kinder als die Heiligen Drei Könige und sammeln Spenden für Kinder in aller Welt, denen es nicht so gut geht. Wegen der Corona-Pandemie ist das diesmal nicht möglich. © Kindermissionswerk

Glaubitz. Anfang jedes Jahres sind in den Gemeinden Glaubitz und Nünchritz die Sternsinger unterwegs. Das ist hier seit Mitte der 1990er Jahre so Tradition. Dann gehen Kinder von Haus zu Haus und klingeln nicht nur bei christlichen Familien. Auch viele Menschen, die sonst nichts mit der Kirche am Hut haben, warten sehnsüchtig auf die als Heilige Drei Könige verkleideten Mädchen und Jungen, um den Segen für das neue Jahr zu empfangen und Geld zu spenden.

In diesem Jahr warten sie aber vergebens. Denn die Sternsinger dürfen nicht singen. Das habe das Gesundheitsamt Meißen untersagt, so Monika Heinig. Die Religionslehrerin leitet von Anfang an die hiesige Sternsingeraktion. Zum 28. Mal unterstützen die evangelischen Christen aus Glaubitz und Nünchritz die weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder, die eigentlich auf einen katholischen Brauch zurückgeht.

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"Diesmal wird es ganz anders sein", sagt Monika Heinig. Kein Kind soll sich verkleiden und erst recht nicht, vor Haustüren singen. Stattdessen werden die schwarzen Aufkleber mit der Aufschrift "20+C+M+B+21" in die Briefkästen der Leute gesteckt, die auch schon in den vergangenen Jahren die Spendenaktion unterstützt haben.

Der schwarze Segensaufkleber und Informationen zur diesjährigen Sternsingeraktion dürfen nur in die Briefkästen gesteckt werden. Den Segen an die Haustüren anbringen, müssen die Familien diesmal selber.
Der schwarze Segensaufkleber und Informationen zur diesjährigen Sternsingeraktion dürfen nur in die Briefkästen gesteckt werden. Den Segen an die Haustüren anbringen, müssen die Familien diesmal selber. © Kindermissionswerk

Monika Heinig vertraut dabei auf die Erfahrungen der Erwachsenen, die die Sternsinger normalerweise begleiten. Auf sie kommt es in diesem Jahr besonders an. Denn sie sollen die Aufkleber in ihren Dörfern verteilen. Zusätzlich stecken sie ein Papiertütchen mit Informationen über die diesjährige Sternsingeraktion und das Internet-Spendenkonto hinein. Letzteres hat die Vereinigte Christuskirchgemeinde Zeithain extra über die Internetseite des Kindermissionswerkes einrichten lassen.

Die Tütchen können auch als Spendentütchen verwendet und persönlich im Pfarramt Glaubitz abgegeben werden. Das ist die beste Variante, für Leute, die sich nicht mit dem Internet auskennen. "Das soll aber eher die Ausnahme sein", sagt die Religionslehrerin. Zudem sollen Spendenbüchsen bei Bäckern und Fleischern, die die Aktion unterstützen, aufgestellt werden.

Wegen der besonderen Corona-Bedingungen geht die diesjährige Spendenaktion nicht wie gewohnt am Dreikönigstag, am 6. Januar, zu Ende, sondern bundesweit erst am 2. Februar. In den Gemeinden Glaubitz und Nünchritz soll es sogar bis Ende Februar möglich sein, zu spenden.

Videogruß von Riesaer Sternsingern

Ähnlich sieht es bei der diesjährigen Sternsingeraktion in Riesa aus. "Um ein wenig Sternsinger-Feeling zu vermitteln, haben Familien mit den Sternsinger-Kindern ein Video gedreht, welches auf unserer Homepage zu sehen ist", teilt Matthias Demmich, der Gemeindereferent der katholischen Pfarrei St. Barbara mit. Auch in Riesa werden in den nächsten Tagen „Sternsinger-Pakete“ verteilt. Diese enthalten eine Hausandacht, mit deren Hilfe man zu Hause selbstständig den Segen für das neue Jahr erbitten kann. Natürlich sind auch die Aufkleber mit dem bekannten Segensspruch 20*C+M+B+21 dabei.

Diese Sternsinger der katholischen Pfarrei St. Barbara Riesa haben ein Video gedreht.
Diese Sternsinger der katholischen Pfarrei St. Barbara Riesa haben ein Video gedreht. ©  Screenshot SZ

Nicht nur die Sternsinger in Glaubitz, Nünchritz und Riesa sind gespannt, wie viel Geld diesmal zusammenkommt, auch wenn sie nicht selbst die Leute besuchen dürfen. Im vergangenen Jahr sammelten die Mädchen und Jungen in Glaubitz, Nünchritz und den umliegenden Dörfern mehr als 5.300 Euro. Damals für Kinder-Hilfsprojekte im Libanon. Insgesamt kamen in ganz Deutschland mehr als 52 Millionen Euro zusammen. So viel wie noch nie.

In diesem Jahr soll das Geld für Kinder in der Ukraine bestimmt sein. "Dort müssen Kinder monatelang auf ihre Eltern verzichten, weil es nicht genügend Arbeit gibt", sagt Monika Heinig. Viele ukrainische Väter und Mütter müssen deshalb in Deutschland, Belgien, Polen, Italien oder Spanien arbeiten.

Seit 1959 hat sich die Aktion Dreikönigssingen zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Seit dem Start sammelten die Sternsinger insgesamt rund 1,19 Milliarden Euro. Mehr als 75.600 Projekte für notleidende Mädchen und Jungen in aller Welt wurden unterstützt.

Ein Bild aus schöneren Tagen: Eine kleine Sternsingerin bringt den Segensaufkleber selbst an einem Briefkasten an. Hoffentlich nächstes Jahr wieder.
Ein Bild aus schöneren Tagen: Eine kleine Sternsingerin bringt den Segensaufkleber selbst an einem Briefkasten an. Hoffentlich nächstes Jahr wieder. © Kindermissionswerk

In den vergangenen Jahren waren jedes Mal rund 300.000 Sternsinger unterwegs, um den Segen Gottes in die Häuser zu bringen und Spenden für benachteiligte Kinder zu sammeln. Ihre Kreidezeichen „C+M+B“ bedeuten „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ und sind an vielen Haustüren das ganze Jahr über zu sehen.

Papst Franziskus segnet die Sternsinger beim Neujahrsgottesdienst, Bundespräsidenten und Bundeskanzler empfangen Sternsinger-Gruppen seit mehr als 35 Jahren. 2004 wurden die Sternsinger in Münster mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet. 2015 erfolgte die Aufnahme des „Sternsingens“ in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.

Katholische Kirche Römisch-katholische Pfarrei St. Barbara Riesa LIGA-Bank IBAN: DE96 7509 0300 0008 2224 44 Zweck: Spende Sternsingen 2021 – Name

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