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Vermieter darf Millionenkredit aufnehmen

Die Riesaer Wohnungsgesellschaft will einen Block im Stadtteil Weida teils abreißen, teils sanieren. Im Stadtrat wirbt der Geschäftsführer für das Vorhaben.

Der Wohnblock an der Dresdner Straße 1 bis 11 im Februar 2021. Sechs Millionen Euro will die WGR hier investieren - in Abriss und Sanierung.
Der Wohnblock an der Dresdner Straße 1 bis 11 im Februar 2021. Sechs Millionen Euro will die WGR hier investieren - in Abriss und Sanierung. © Klaus D.Bruehl

Riesa. Im Animationsfilm sind die Bauarbeiten am Wohnblock Dresdner Straße bereits abgeschlossen: Der Aufzug ist fertig, in den Laubengängen gehen die Hausbewohner zu ihren Wohnungen. Die Kamera schwenkt an der Fassade entlang nach oben und dann einmal um den Block herum, zeigt die Balkone und eine Dachterrasse. Gleichzeitig läuft stimmungsvolle Musik.

Das Video, das Roland Ledwa am Mittwoch im Stadtrat zeigt, soll einen ersten Eindruck von dem Vorhaben vermitteln, für das die Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR) insgesamt etwas mehr als sechs Millionen Euro investieren will. Zwei Blöcke sollen abgerissen, der dritte umfangreich saniert werden. Erstmals war im WGR-Aufsichtsrat Ende 2019 über den Block gesprochen worden, erklärt Roland Ledwa. Dass ausgerechnet hier nicht nur abgerissen, sondern auch saniert wird, hängt auch mit der Höhe des Gebäudes zusammen: Laut WGR lohnt sich für den Anbau eines Aufzugs ein Fünfgeschosser wie an der Dresdner Straße eher. Sonst hat der Vermieter auch viele vierstöckige Gebäude im Bestand. Ein Neubau wiederum wäre zwei Millionen Euro teurer geworden, sagt Roland Ledwa.

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Der WGR-Geschäftsführer hat einen guten Grund, im Stadtrat dafür zu werben: Die städtische Gesellschaft möchte für den Abriss und die Sanierung einen Kredit über fünf Millionen Euro aufnehmen - und dafür benötigt sie die Stimmen der Stadträte.

Mieten werden steigen

Im Vorfeld der Ratssitzung war leise Kritik daran aufgekommen, dass das Thema ohne größere Diskussion direkt im Stadtrat zur Abstimmung kommen sollte. Kurzfristig hatte die Stadtverwaltung doch noch eine Ausschusssitzung für dieses Thema anberaumt.

Zur Sache selbst wird am Mittwoch allerdings nicht sonderlich kontrovers diskutiert. Fragen haben die Stadträte trotzdem - allen voran zur Miete. Rosel Brodkorb (CDU) möchte wissen, wie sich denn mit der Investition die Mietpreise entwickeln werden. Roland Ledwa bestätigt, dass das Wohnen teurer werden wird. "Wir liegen dann im Bereich leicht über sechs Euro pro Quadratmeter bis sieben Euro." Dabei werde die untere Spanne das Angebot an die Bestandsmieter sein, erklärt Ledwa. Wer neu einzieht, für den wird es wohl teurer. Gemessen an den übrigen Mietpreisen wird der Block dann im oberen Bereich liegen.

Um Kosten für die Hausbewohner geht es auch den Linken. Sonja György fragt, ob denn statt einer zentralen Warmwasseraufbereitung nicht elektrische Durchlauferhitzer installiert werden könnten. Das hat die WGR schon mal in einem anderen ihrer Objekte getestet, sagt Roland Ledwa. Der Erfolg sei eher mäßig ausgefallen, die Geräte verursachten hohen Wartungsaufwand. In das sanierte Gebäude sollen aber zwei Heizkessel statt einem die Versorgungswege verkürzen.

Vermieter zahlt den Umzug

Gute Nachrichten gibt es derweil für diejenigen Mieter, die aus einem der beiden abzureißenden Blöcke in die Eingänge 1 bis 11 umziehen müssen. "Wir zahlen bei jedem Mieter den Kücheneinbau und den kompletten Umzug", kündigt Ledwa an. Offen ist dagegen noch, was eigentlich auf dem Außengelände hinter dem Gebäude passieren könnte. "Könnte dort vielleicht noch ein kleiner Spielplatz hin?", fragt Torsten Pilz (Unabhängige Liste). Tatsächlich sei man diesbezüglich am Überlegen, bestätigt der WGR-Chef. Zwar habe die WGR bereits mehr als 20 Spielplätze in ihrem Bestand, und so groß wie der neue Spielplatz an der Glauchauer Straße werde dieser wohl nicht werden. "Aber bisschen was machen wir." Zumal die jetzigen Spielgeräte aus Holz seien und wohl nicht mehr allzu lange halten werden.

Am Ende sind sich die Räte einig - und stimmen dem Kredit zu. Torsten Pilz spricht von einem "Leuchtturm" für die Stadt - das Vorbild, ein ähnliches Gebäude in Nünchritz, habe er sich kürzlich selbst angesehen. Auch Rosel Brodkorb spricht von einer guten und weitsichtigen Entscheidung, die der Großvermieter da treffe. Die Sorge, dass sich die WGR mit dem Vorhaben übernehmen könnte, hat Roland Ledwa da bereits zerstreut. Bei den Banken habe man gute Risikobewertungen, bekomme Kredite deshalb zu günstigen Konditionen. Und die Verbindlichkeiten, die derzeit bei 44 Millionen Euro lägen, seien in den vergangenen Jahren kontinuierlich geschrumpft.

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