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Weidaer Hochhaus gewährt Einblick

Die Chemnitzer Straße 2 zählt zu den höchsten Gebäuden im Stadtteil. Der Umbau des Hauses hat auch das Leben der Bewohner nachhaltig verändert.

Susan Eisenreich und Ina Lauke von der Riesaer Wohnungsgesellschaft auf einem Balkon in der achten Etage der Chemnitzer Straße 2. In dem Haus können sich Interessenten am Freitag selbst umsehen.
Susan Eisenreich und Ina Lauke von der Riesaer Wohnungsgesellschaft auf einem Balkon in der achten Etage der Chemnitzer Straße 2. In dem Haus können sich Interessenten am Freitag selbst umsehen. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Wer hier wohnt, kann an Silvester Eintritt verlangen, sagt Ina Lauke von der Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR) und schaut aus dem Fenster. Es ist etwas dran: Die Feuerwerke zum Jahreswechsel dürften sich von der Wohnung im achten Stockwerk des Wohnhauses Chemnitzer Straße 2 bestens beobachten lassen. Vom obersten Stockwerk geht der Blick nach Osten nicht nur über Riesa, sondern fast schon bis ins Elbtal hinein.

Noch weit vor Silvester und ohne Eintrittsgebühr können Interessierte sich davon selbst einen Eindruck verschaffen: Am Freitag organisiert die WGR einen Tag der offenen Tür in dem Gebäude, das in den Jahren 2019 und 2020 umgebaut worden ist.

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Heller Grundton, dunkle Akzente und rote Hingucker: So sieht die Chemnitzer Straße seit vorigem Jahr aus.
Heller Grundton, dunkle Akzente und rote Hingucker: So sieht die Chemnitzer Straße seit vorigem Jahr aus. © Foto: Lutz Weidler
So sah die Fassade vor dem Umbau aus, im Frühling des Jahres 2019.
So sah die Fassade vor dem Umbau aus, im Frühling des Jahres 2019. © Sebastian Schultz

Fünf Millionen Euro hatte das Unternehmen in das Hochhaus investiert, dessen jüngste Bewohnerin Mitte 50 ist und der älteste Bewohner über 90. Schon lange vor dem Umbau seien die Wohnungen bewusst vorwiegend an ältere Menschen vermietet worden, sagt WGR-Prokurist Reiner Striegler. Die betagten, oft auch gehbehinderten Bewohner hätten seit jeher den Aufzug geschätzt, der vom Keller bis in die oberste Etage fährt.

Die etwa 90 Menschen zählende Bewohnerschaft des Hauses ist überwiegend weiblich – und auch älteren Semesters.
Die etwa 90 Menschen zählende Bewohnerschaft des Hauses ist überwiegend weiblich – und auch älteren Semesters. © Foto: Lutz Weidler

Den Lift gibt es in dem einstigen Lehrlingswohnheim, das Ende der 1960er erbaut wurde, schon lange. Was es bis zum jüngsten Umbau aber nicht gab, war eine Betreuung für die Bewohner. Das hat sich geändert: An Stelle mehrerer Erdgeschoss-Wohnungen wurde ein etwa 150 Quadratmeter großer Gemeinschaftsbereich geschaffen – mit Gruppenraum, Küche und Leseecke. Dort wird jetzt gemeinsam gekocht, gebacken, Sport getrieben – oder auch einmal im Monat Bingo gespielt, erzählt Evelyn Eckert.

Die Mitarbeiterin vom Pflege- und Betreuungszentrum (PBZ) kümmert sich wochentags um den Gemeinschaftsbereich und freut sich, dass der von den Bewohnern gut angenommen wird – wie das Miteinander der Leute im Haus insgesamt sehr harmonisch sei. An diesem Tag soll es nachmittags Kaffee und Kuchen geben, einige Bewohner haben sich für eine Partie "Mensch ärgere dich nicht" angemeldet.

Platz für Gemeinschaft: Im Erdgeschoss gibt es Räumlichkeiten, in denen Bewohner zusammen kochen oder sich unterhalten können.
Platz für Gemeinschaft: Im Erdgeschoss gibt es Räumlichkeiten, in denen Bewohner zusammen kochen oder sich unterhalten können. © Foto: Lutz Weidler
Um die Betreuung kümmert sich das Riesaer PBZ. Was es für Angebote in den nächsten Tagen gibt, hängt die zuständige Mitarbeiterin zum Beispiel an der Tür vorm Gemeinschaftsbereich aus.
Um die Betreuung kümmert sich das Riesaer PBZ. Was es für Angebote in den nächsten Tagen gibt, hängt die zuständige Mitarbeiterin zum Beispiel an der Tür vorm Gemeinschaftsbereich aus. © Foto: Lutz Weidler

Vormittags ist Evelyn Eckert indes meistens im Haus unterwegs, um mit den Bewohnern zu sprechen oder ihnen bei kleinen Problemen behilflich zu sein. Der Kontaktrundgang gehört zu ihrer täglichen Arbeit. Auch im Fall eines Alarms, den Bewohner über ein in jeder Wohnung installiertes Notrufsystem abgeben können, ist Evelyn Eckert schnell zur Stelle – oder außerhalb ihrer Dienstzeit ein anderer PBZ-Mitarbeiter.

77 Wohnungen gibt es in der Chemnitzer Straße 2. Die meisten davon sind 38 Quadratmeter große Zweiraum-Apartments für eine Person – mit kombiniertem Wohn- und Kochbereich, Schlafzimmer und Bad. Auch ein Balkon gehört dazu. 382 Euro Warmmiete kostet so ein Apartment monatlich, hinzu kommt eine Betreuungspauschale von 72 Euro für das PBZ.

Vor der Sanierung hatte es 88 Wohnungen in dem Hochhaus gegeben. Reduziert hat sich die Zahl aber nicht nur wegen des neuen Gemeinschaftsbereichs. Auf mehreren Etagen sind zuletzt auch Wohnungen zusammengelegt worden. Dadurch sind neun größere Einheiten entstanden, die Platz etwa für Ehepaare bieten. Die Nachfrage nach solchen Wohnungen innerhalb einer betreuten Wohnform sei in den vergangenen Jahren gestiegen, sagt WGR-Prokurist Striegler.

Etwa die Hälfte der Wohnungen war während des Umbaus 2019/20 belegt geblieben. Die andere Hälfte fand danach schnell neue Bewohner. Von den neun Paar-Wohnungen ist derzeit jede vermietet. Frei sind noch neun Apartments, wobei drei davon wiederum reserviert sind, so Ina Lauke, die sich um die Vermietung des Objekts kümmert.

Blick ins Bad: So sieht die Nasszelle in einer der Musterwohnungen im Hochhaus aus. Der Zugang zur Dusche ist ebenerdig – sodass auch mit Rollstuhl hineingefahren werden kann.
Blick ins Bad: So sieht die Nasszelle in einer der Musterwohnungen im Hochhaus aus. Der Zugang zur Dusche ist ebenerdig – sodass auch mit Rollstuhl hineingefahren werden kann. © Foto: Lutz Weidler
Die Apartments im Haus haben einen kombinierten Wohn- und Küchenbereich. Nebenan (links, nicht im Bild), befindet sich ein separates Schlafzimmer.
Die Apartments im Haus haben einen kombinierten Wohn- und Küchenbereich. Nebenan (links, nicht im Bild), befindet sich ein separates Schlafzimmer. © Foto: Lutz Weidler
Weil viele Hausbewohner Gehhilfen oder Rollstühle benötigen...
Weil viele Hausbewohner Gehhilfen oder Rollstühle benötigen... © Foto: Lutz Weidler
... ist der Aufzug als Hilfsmittel unerlässlich.
... ist der Aufzug als Hilfsmittel unerlässlich. © Foto: Lutz Weidler

Sie und weitere WGR-Mitarbeiter stehen beim Tag der offenen Tür am Freitag im Haus in zwei Musterwohnungen Rede und Antwort. Auch das PBZ wird über Grund- und Wahlleistungen informieren, die über den Betreuungsservice im Haus angeboten werden. Für die Hausbewohner gibt es am Freitag außerdem ein kleines Mieterfest – als Dank, dass sie die Einschränkungen während des Umbaus hingenommen hatten. Auch der Eingriff in die Wohnungen sei nicht ohne gewesen, so Reiner Striegler. Immerhin sei das Bad erneuert worden, ebenso wie Fenster, Balkontür und die Elektrik. Aber gerade die älteren Mieter hätten sich als taff erwiesen, sagt der WGR-Prokurist.

  • Der Tag der offenen Tür in der Chemnitzer Straße 2 findet am Freitag, 27. August, von 15 bis 19 Uhr statt. Vor Ort sind WGR und PBZ, ebenso wie das Sanitätshaus Hetke und Sengewitz mit einem Informationsangebot unter anderem zu Mobilitätshilfen.

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