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Wenn Schmusi und Buddy gehen

Wenn das Haustier stirbt, soll der Abschied liebevoll sein. Doris Kaube in Riesa ist eine der wenigen Tierbestatterinnen im Landkreis.

© Sebastian Schultz

Von Beate Erler

Nur wenige Stufen führen in den kleinen Andachtsraum hinter dem Haus: Drinnen ein Tisch mit schwerer roter Samtdecke. Darauf brennen drei kleine Teelichter, eine Kerze und ein Efeuzweig schmücken das Tischlein, auf dem später die Urne stehen wird. Daneben Tisch und Stühle für das Gespräch mit den Menschen, die zu Doris Kaube kommen, um sich von ihrem geliebten Haustier für immer zu verabschieden. In der Ecke leuchtet die Glasvitrine mit den verschiedenen Urnen in vielen Größen und Formen: Eine mit weißen Pfötchen auf goldenem Rand, eine, die aussieht wie ein Bilderrahmen mit dem Foto des Tieres und eine in Form einer Katze.

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Mittlerweile ist Doris Kaube mit ihrem ungewöhnlichen und noch relativ neuen Beruf in der Region bekannt: Als Tierbestatterin war sie lange Zeit die Erste und Einzige im Landkreis und weit darüber hinaus: „In Sachsen gibt es die Tierbestattung erst seit etwa 17 Jahren“, sagt Doris Kaube, „wir haben hier in der Region damit angefangen.“ Heute steigt die Zahl stark an: In Deutschland gibt es 120 Tierfriedhöfe und 180 Tierbestatter. In Sachsen sind es, im Vergleich zu den alten Bundesländern, noch wenige. Im Landkreis Meißen ist Doris Kaube mit ihrer Tierbestattung Elbflorenz, neben einem Tierfriedhof in Lenz in der Gemeinde Priestewitz, die Einzige mit diesem Angebot.

Vor 14 Jahren hat sie ihren alten Beruf aufgegeben. Was genau sie vorher gemacht hat, will sie nicht verraten: „Ich war beruflich gut aufgestellt, und viele haben meine Entscheidung nicht verstanden“, sagt sie. Bereits einige Jahre zuvor spielte sie erstmals mit diesem Gedanken. Damals ging es ihrer eigenen Hündin Dana sehr schlecht. Doris Kaube, die in Riesa aufgewachsen ist, hatte sich mit ihr einen Kindheitstraum erfüllt: „Ich habe mich gefragt, was mit Dana passiert, wenn sie plötzlich über Nacht stirbt“, erinnert sie sich.

© Sebastian Schultz

Ihre Hündin lebte zum Glück noch viele Jahre, aber Tierbestatterin ist sie doch geworden und hat es nie bereut: „Ich hatte das Gefühl, die Richtige dafür zu sein, und es war etwas, das hier gefehlt hat“, sagt sie. Neben der Niederlassung in Riesa betreibt sie noch eine Weitere in Dresden-Mitte zusammen mit einer Mitarbeiterin, die sie in Teilzeit angestellt hat.

Die meisten Tiere werden heute in der Tierarztpraxis eingeschläfert, wenn es ihnen zu schlecht geht. Für viele Tierbesitzer kommt die Tierkörperbeseitigungsanlage (TBA) in Lenz nicht in Frage. Pro Jahr werden hier 100.000 Tierkadaver entsorgt, aber nur 1.000 von ihnen sind Haustiere. Stattdessen beauftragen sie lieber Doris Kaube, weil sie von ihrem Tier liebevoll Abschied nehmen wollen. Als Tierbestatterin muss sie flexibel und schnell sein: Manchmal fährt sie auch abends um neun noch mal los, wenn ein Tier abgeholt werden muss. Viele wollen sich aber nicht so schnell von ihrem Tier trennen und noch eine letzte Nacht mit ihm verbringen. Dafür hat Doris Kaube Verständnis.

Auch Ratten und Chamäleons

Es sei wie beim Tod eines Menschen: „Die Trauer ist sehr verschieden, aber die Intensität ist dieselbe“, sagt sie. Einige brauchen etwas mehr Zeit. Andere wollen sofort den Urnenkatalog sehen und alles schnell hinter sich bringen. Für viele Menschen ist das Haustier heute ein Familienmitglied. Ein großer Teil ihrer Arbeit besteht deshalb darin, nach dem Verlust mit den Hinterbliebenen über das Tier zu sprechen: „Ich erkläre den Leuten oft, dass es ganz normal und richtig ist, dass sie um ihr Tier trauern“, sagt sie.

Doris Kaube ist mit ihrem seltenen Angebot im gesamten Landkreis Meißen, in Dresden und sogar in Freital, Zittau und Görlitz im Einsatz. Der Großteil ihrer Kunden wünscht sich eine Einzel-Kremierung und die Asche des Tieres in einer Urne. Diese Variante ist teurer als die Gemeinschafts-Kremierung, bei der die Asche auf dem Streubeet am Kleintierkrematorium im Spreewald verbleibt. Einmal wöchentlich werden die Tierkörper dorthin überführt. Nach spätestens zwei Wochen nehmen die Besitzer ihre selbst ausgesuchte Urne dann im Andachtsraum entgegen. Nicht nur Hunde und Katzen werden so bestattet. Doris Kaube hat schon Kaninchen, Meerschweinchen, Frettchen, Ratten und Chamäleons auf ihrem letzten Weg begleitet.

Für die Tierbestatterin ist es wichtig, dass sich ihre Kunden würdevoll von ihrem Tier verabschieden können: „Ich will mich zu recht Bestatterin nennen dürfen“, sagt sie. Oft sagen ihre Kunden danach, dass sie dankbar sind und sich freuen, ihr Tier wieder nach Hause holen zu können. Deshalb stehen in ihrer Vitrine zwischen den Urnen auch kleine Geschenke, die vor allem Dankbarkeit ausdrücken.

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