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Ein erster Blick in Feralpis neue Werkhalle

Von außen kaum sichtbar, ist im Riesaer Stahlwerks-Gelände ein neuer Bau gewachsen. Der ist für die Produktion unverzichtbar.

Noch sieht es hell, bunt und sauber aus in der neuen Drahtbindeanlage, die Feralpi-Stahl-Werkleiter Christian Dohr (orange Jacke) gerade inspiziert.
Noch sieht es hell, bunt und sauber aus in der neuen Drahtbindeanlage, die Feralpi-Stahl-Werkleiter Christian Dohr (orange Jacke) gerade inspiziert. © Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Moment - ist das hier wirklich ein Stahlwerk? Blau und gelb lackierte Metallteile reflektieren das Tageslicht, das durch hohe Fensteröffnungen einfällt. Edelstahl blinkt. Kein Staubkrümel ist zu entdecken. Kein Vergleich zum gewohnten Industrie-Charme in den anderen Werkhallen, wo es viele dunkle Ecken gibt. Und wo man aufpassen muss, die Treppengeländer nicht an der falschen Stelle zu berühren - weil die Hände sonst schwarz werden. "Das ist ja auch alles noch ganz neu", sagt Christian Dohr, Werkleiter bei Feralpi Stahl in Riesa.

Und statt Dröhnen und Poltern ist hier nur ein dezentes Summen von Elektromotoren zu hören. Denn sächsische.de bekommt schon einen Einblick in die neue Werkhalle, als in der sogenannten Drahtbindezone noch der Probebetrieb läuft.

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Etwa 20 Wagen mit in die Höhe ragenden übermannshohen blauen und gelben Stahlspitzen rollen auf einem Schienensystem im Viereck durch die Halle. Ab und an biegt ein Wagen auf ein Nebengleis ab. Zu sehen ist dazwischen niemand. "Der Betrieb hier läuft automatisiert ab", sagt der 57-Jährige. Beim Besuch des Reporters sind es noch Mitarbeiter von Fremdfirmen, die die neue Anlage programmieren.

Bald aber werden es Feralpi-Angestellte sein, die in zwei klimatisierten und schallisolierten Leitwarten sitzen und den Überblick behalten, ob die Millioneninvestition das macht, was von ihr erwartet wird.

Gut zehn Meter hoch ist der Neubau, der an der Rückseite des Stahlwerks in Gröba entstanden ist.
Gut zehn Meter hoch ist der Neubau, der an der Rückseite des Stahlwerks in Gröba entstanden ist. © Klaus-Dieter Brühl
Wagen mit blauen und gelben Spitzen fahren vollautomatisch auf einem Schienensystem im Viereck.
Wagen mit blauen und gelben Spitzen fahren vollautomatisch auf einem Schienensystem im Viereck. © Klaus-Dieter Brühl
Zweieinhalb Tonnen wiegt so eine Drahtrolle, wie sie in Riesa hergestellt und später nebenan zu Baustahlmatten weiterverarbeitet wird.
Zweieinhalb Tonnen wiegt so eine Drahtrolle, wie sie in Riesa hergestellt und später nebenan zu Baustahlmatten weiterverarbeitet wird. © Klaus-Dieter Brühl

Die Drahtbindezone ist quasi das letzte Glied in der Kette der Stahlwerksproduktion: Auf der einen Seite des Komplexes aus mehreren großen Hallen wird der Schrott angeliefert, dann im Schmelzofen zu neuem Stahl gekocht und als sogenannter Knüppel glühend aus der Anlage herausgefahren. Danach wird der Knüppel, der das Ausmaß eines überdimensionierte Kantholzes hat, zu einem fingerdicken Draht gewalzt. Und an dieser Stelle kommt die neue, gut zehn Meter hohe Halle ins Spiel: Der noch glühende Draht muss transportfähig gemacht werden - und dazu wird er in Ringe gelegt.

Das glühende Bündel kommt auf einer Art Förderband dicht unter der Decke in die neue Halle gefahren. Dann fällt es in einen gefährlich aussehenden Trichter senkrecht nach unten hinein und wird dort auf einer Art Dorn aufgewickelt zum Bündel.

So landet jeweils ein Bündel auf den markanten blau-gelben Wagen. Sie transportieren es automatisch über das Schienensystem zur Verpackungs-Maschine, wo sie mit dünnerem Draht in kompakte Rollen geschnürt werden. "Der Verpackungsdraht selbst wird auch von Feralpi hergestellt", sagt Christian Dohr.

Weiter geht die Fahrt für das Produkt auf dem Schienenwagen, vollautomatisch auf einen Abzweig nach links, wo das Bündel abgekippt wird. Dort kommt dann wieder eine traditionelle Transportmethode ins Spiel - per Gabelstapler. "Der ist künftig aber mit drei statt zwei Zinken ausgestattet", erklärt der Werkleiter: Damit kann der Staplerfahrer drei Ringe gleichzeitig auf die großen Güterwaggons laden, die das Produkt anschließend Richtung Drahtwerk weiter befördern - wo daraus Baustahlmatten entstehen.

Eine Rolle wiegt dabei zweieinhalb Tonnen: So schwer sind die Knüppel aus dem Stahlwerk, aus denen jeweils eine Rolle gemacht wird.

Zehn Millionen Euro Gesamtinvestition

Für den Betrieb der neuen Halle braucht Feralpi Stahl in Riesa auch eigene Automatisierer. "Dieser Beruf wird bei uns immer wichtiger", sagt Dohr. So finden sich unter den offenen Stellen im Stahlwerk neben Schlossern, Baggerfahrern oder Ingenieuren auch offene Stellen für Automatisierer. "Die Anforderungen in der Branche verändern sich." Die neue Anlage war bereits Ende Januar in den Probebetrieb gegangen, zwischendurch hatte es durch einen Unfall noch eine Verzögerung gegeben. Nun läuft sie in Zusammenarbeit mit dem Maschinenhersteller wieder im Probebetrieb, etwa Mitte März soll sie in den Normalbetrieb wechseln.

Die Vorgänger-Anlage ist unterdessen längst demontiert. Die neue soll zuverlässiger werden und auch Reserven bieten, falls das Riesaer Stahlwerk seine Produktionsmenge erhöht. Eine Investition von zehn Millionen Euro macht sie aus, wenn man alles zusammenrechnet. "Ziel ist mehr Leistung, Qualität, Zuverlässigkeit", sagt Dohr.

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Nur, so leuchtend hell und bunt wie jetzt, wird das Innere der Halle nicht bleiben. "Das ändert sich noch", sagt Christian Dohr. Ist die Anlage erst einmal einige Zeit im Regelbetrieb, wird alles von ganz allein dunkler - vom Staub, der sich in so einem Betrieb in den Hallen nun einmal absetzt. Dann wird auch der neue Bau nach Stahlwerk aussehen.

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