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Neways: Weniger Entlassungen als geplant

Anfangs sollten rund 200 Stellen gestrichen werden, nun werden etwas mehr als 100 Mitarbeiter gehen - viele davon freiwillig.

Von Stefan Lehmann
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Es kann weitergehen bei Neways Electronics in Riesa. Etwa 100 Stellen werden abgebaut - weniger, als ursprünglich angekündigt.
Es kann weitergehen bei Neways Electronics in Riesa. Etwa 100 Stellen werden abgebaut - weniger, als ursprünglich angekündigt. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Beim Riesaer Unternehmen Neways Electronics fallen weniger Stellen weg, als ursprünglich geplant. Das haben das Unternehmen und sein Betriebsrat unabhängig voneinander bestätigt. "Die Verhandlungen zum Interessenausgleich und Sozialplan am Standort Riesa sind abgeschlossen", teilte eine Sprecherin am Mittwoch mit. "Es ist uns gemeinsam mit dem Betriebsrat gelungen, das ursprünglich vorgestellte Abbauziel deutlich zu reduzieren." Ein großer Teil der abzubauenden Arbeitsplätze könne über "natürliche Fluktuation" realisiert werden. "Das heißt freiwillige Austritte, auslaufende befristete Arbeitsverträge, (ein) Vorruhestandsprogramm sowie die Fortsetzung der Kurzarbeit bis Ende 2021".

Zahlen nannte die Sprecherin nicht. Der Betriebsrat des Unternehmens geht da schon mehr ins Detail. "Die Kündigungen sind in der vergangenen Woche ausgesprochen worden", sagt Betriebsrats-Chef Hartmut Radisch. Demnach soll 41 Mitarbeitern gekündigt werden. Weitere 66 Mitarbeiter hätten das Angebot einer Vorruhestandsregelung oder eines Freiwilligenprogramms angenommen.

Die Neways-Betriebsräte (v.l.): Jens Zoppa, Holger Eisenlöffel und Hartmut Radisch.
Die Neways-Betriebsräte (v.l.): Jens Zoppa, Holger Eisenlöffel und Hartmut Radisch. © privat

Betriebsrat ist insgesamt zufrieden

Als Neways Ende August 2020 erstmals seine Mitarbeiter über bevorstehende Personaleinsparungen informierte, waren noch ganz andere Zahlen im Gespräch. Damals hieß es, bis zu 210 Mitarbeiter müssten gehen. "Anfang Oktober war noch von 151 die Rede", sagt Hartmut Radisch.

Die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber hatten sich demnach zunächst schwierig gestaltet. Ein Streitpunkt dabei sei die Kurzarbeit gewesen, so Radisch: Die Betriebsräte wollten die Regelung verlängern, um Arbeitsplätze zu erhalten, die Geschäftsführung sei zunächst skeptisch gewesen. Am Ende habe man sich – nicht nur in diesem Punkt – durchgesetzt. Die Eckpunkte des Betriebsrats seien fast vollständig durchgebracht worden. Nur die erhoffte Transfergesellschaft gibt es nicht.

Überrascht sei man davon gewesen, wie viele Mitarbeiter die freiwilligen Angebote angenommen hätten, so Betriebsrat Holger Eisenlöffel. "Das hat zur Folge gehabt, dass weniger Leuten gekündigt werden musste."

Angesichts der im Sommer und Herbst genannten Zahlen sei man "sehr, sehr zufrieden, was das Ergebnis angeht", so Radisch. 30 Mitarbeitern wurde damit am Ende die Kündigung erspart. "Aber völlig unzufrieden sind wir natürlich über die 41 Leute, denen gekündigt wurde." Häufig betraf das laut Radisch die "Anlernkräfte", die mit geringfügiger Ausbildung einfache Tätigkeiten ausführen.

Unter den entlassenen Neways-Mitarbeitern seien aber teils auch solche, die schon Jahrzehnte im Unternehmen gearbeitet haben. "Ich war sehr erschüttert, dass auch alte Kräfte gekündigt werden mussten." Das sei bitter, weil es Mitarbeiter mit Ende 50, Anfang 60 auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer haben dürften. Auch bei den Abfindungen für die nun entlassenen Mitarbeiter habe man als Betriebsrat aber noch etwas herausholen können, sagt Hartmut Radisch. "Ich muss auch sagen, dass die Kündigungsgespräche ordentlich und sachlich geführt wurden."

Bekenntnis für den Standort Riesa

Dennoch sehen die Betriebsräte das Ergebnis als ein klares Zeichen für den Standort Riesa. "In den Verhandlungen und Gesprächen wurde deutlich, dass es hier wieder aufwärtsgehen soll", sagt Betriebsrat Jens Zoppa. Die Stimmung im Unternehmen kann das wohl nur verbessern. Sie war von einer anfänglichen Gleichgültigkeit im August in echte Wut umgeschlagen, sagen die Betriebsräte. "Es gab eine große Anspannung bei den Mitarbeitern." Entsprechend groß sei nun die Erleichterung darüber, dass Klarheit herrscht.

Weitere Entlassungen sind für das Jahr 2021 erst einmal vom Tisch, das habe man mit einer Betriebsvereinbarung sichergestellt, so Radisch. "Dieses Jahr darf der Arbeitgeber keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen." Ohnehin sind aus Sicht des Betriebsrates irgendwann die Grenzen erreicht. Man werde jetzt genau hinschauen, wie die Stellenpläne organisiert werden. Außerdem seien zwangsläufig Fortbildungen für einige Mitarbeiter nötig, die künftig an neuen Stellen im Unternehmen eingesetzt werden.

Wie es nach 2021 mit Neways weitergeht, wird wohl auch von der Auftragslage abhängen. Die war ein wichtiger Grund für den Stellenabbau, der neben Riesa auch andere Neways-Standorte betrifft. Erst kürzlich hatte der Konzern in seiner Jahresbilanz 2020 einen deutlichen Rückgang der Umsätze, insbesondere aus der Industrie und von Auto-Herstellern, vermeldet.

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