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Riesa: Kaufland äußert sich zum Teigwaren-Lieferstopp

Man arbeite daran, Riesaer Nudeln wieder ins Sortiment zu bekommen, heißt es. Ein Experte wundert sich über das Ende der Geschäftsbeziehung.

Riesaer Nudeln im Lager der Teigwaren Riesa. Bei Kaufland sucht man sie derzeit vergeblich. Ändert sich das bald wieder?
Riesaer Nudeln im Lager der Teigwaren Riesa. Bei Kaufland sucht man sie derzeit vergeblich. Ändert sich das bald wieder? © Sebastian Schultz

Riesa. Die Handelskette Kaufland arbeitet offenbar an einer Wiederaufnahme von Riesaer Teigwaren ins eigene Sortiment. Das teilt das Unternehmen auf Nachfrage von Saechsische.de mit. "Aktuell führen wir Gespräche mit den Lieferanten", heißt es in der Antwort, "ob eine Lösung erreicht wird, ist jedoch noch offen".

Die Nudelprodukte aus Riesa waren Mitte des Jahres nach und nach aus den Kaufland-Regalen verschwunden, nachdem sich beide Seiten nicht auf einen Lieferpreis hatten einigen können. Die Nachricht hatte für breite Kritik gesorgt - die vor allem den Händler traf. Der verteidigt sich nun: In einem Schreiben an die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) betonte Kaufland nochmals, es handle sich nicht um eine aktive Auslistung. Stattdessen habe das Riesaer Unternehmen einseitig die Lieferung eingestellt, heißt es in der Stellungnahme. Zuvor hatte die NGG die Marktmacht von Einzelhändlern wie Kaufland scharf kritisiert.

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Welpenschutz für kleinere Produzenten

Auf Nachfrage bestätigte die Kaufland-Pressestelle das Schreiben. "Mit der Firma Teigwaren Riesa haben wir eine langjährige Geschäftsbeziehung gepflegt", so eine Sprecherin des Unternehmens. "Wir bedauern es daher sehr, dass wir unseren Kunden diese Produkte derzeit nicht anbieten können." Gleichwohl setze man auf Regionalität. "Seit der Eröffnung unserer ersten Filialen in Ostdeutschland, Anfang der 90er-Jahre, zählen hierzu selbstverständlich auch bekannte Ostmarkenprodukte. Aktuell haben wir über 5.000 entsprechende Produkte im Sortiment."

Die Darstellung deckt sich mit einer Einschätzung des Wirtschaftswissenschaftlers Thomas Roeb. Er kenne zwar den konkreten Fall nicht. Generell sei es aber so, dass insbesondere kleinere Lieferanten eine Art Welpenschutz genießen, sagt Roeb, der an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg arbeitet. Er zeigte sich deshalb verwundert darüber, dass die Teigwaren nicht mehr bei Kaufland zu finden sind. "Wenn die Nudeln regional eine Marke sind, dann müssen sie ins Sortiment." Weniger, weil das viel im Umsatz ausmache, sondern eher, weil man sich mittels regionaler Produkte gegenüber anderen Unternehmen profilieren könne.

Grundsätzlich gehe es in Verhandlungen zwischen Lieferanten und Handelsketten meist um Bruchteile von Cent. Und man dürfe nicht fälschlich davon ausgehen, dass der Fokus dabei auf einem Basispreis liege. "Intensiver wird gesprochen, wie die Marktunterstützung aussieht. Zum Beispiel: Gibt es neue Produkte oder einen Relaunch? Wie sehen die Lieferkonditionen aus? Das ist alles sehr komplex." Die Aussage der Teigwaren, die Lieferpreise hätten sich zuletzt zehn Jahre nicht verändert, verwundert den Wirtschaftsexperten. "Wenn das so war, dann ist das vielleicht ein Fehler gewesen." Allerdings widerspricht auch Kaufland dieser Darstellung in seinem Schreiben an die NGG. Der Nudelproduzent habe in den vergangenen Jahren sehr wohl auch höhere Preise durchgesetzt, heißt es da.

Hoffen auf einen Kompromiss

Laut Thomas Roeb sei es nun für beide Seiten schwierig, einen Kompromiss zu finden. Für die Teigwaren beispielsweise wäre es "riskant, auch nur einen Cent runterzugehen - und es würde ihnen auch noch für die Zukunft nachhängen". Denn erfahrungsgemäß schaue die Kaufland-Konkurrenz ganz genau auf solche Vorgänge. Gleichzeitig müsse auch die Handelskette eine Art Gesichtsverlust fürchten, wenn sie einfach "einknickt", vermutet Roeb. "Der Kompromiss kann eigentlich nur darin bestehen, dass man Nebenvereinbarungen trifft."

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Auf eine Einigung dürfte man auch in Riesa hoffen: Nach Angaben der Teigwaren hat Kaufland zuvor ein Fünftel des unternehmenseigenen Umsatzes ausgemacht. Gleichzeitig läuft beim Nudelhersteller momentan ein Tarifstreit: Die NGG möchte nach dem Auslaufen des aktuellen Tarifvertrags mehr Geld für die Beschäftigten. Bislang hat es noch keine Einigung zwischen beiden Seiten gegeben.

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