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Rückzug in letzter Minute

Der Deal zwischen Bautzen und der Firma Yellow Tec Holding schien perfekt. Doch nun zieht das Unternehmen seine Pläne für Salzenforst überraschend zurück.

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© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

Bautzen. Es sind unruhige Tage für Hans-Jürgen Große. Eigentlich wollte der Geschäftsführer der Firma Yellow Tec Holding in den kommenden Tagen den Kaufvertrag mit der Stadt Bautzen unterschreiben. Er wollte das Bauvorhaben im Salzenforster Gewerbegebiet weiter voranbringen, einen Zeitplan erstellen, sich um neue Mitarbeiter kümmern. Auf seinem Schreibtisch liegen erste Bewerbungsschreiben. 60 neue Arbeitsplätze hatte Hans-Jürgen Große angekündigt. Doch nun muss er mit der Planung von vorn beginnen. „Unsere Investoren haben entschieden, dass wir die Fläche in Salzenforst nicht kaufen“, sagt er.

Großer Rückschritt für die Stadt

Es ist ein großer Rückschritt für die Stadt. Denn bisher sah es so aus, als würde der Ansiedelung nichts mehr im Weg stehen. Im August hatte der Stadtrat dem Verkauf der 62 000 Quadratmeter großen Gewerbefläche zugestimmt. Der Deal schien perfekt. Für Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) kommt die Absage der Firma deshalb überraschend. „Es ist bitter für uns. Wir haben alles getan, damit die Ansiedlung zustande kommt“, erklärt er.

Tatsächlich hatte es in der Vergangenheit ein Hin und Her bei den Grundstücken im Salzenforster Gewerbegebiet gegeben. Ziel war es, die Medizintechnikfirma neben das bereits bestehende Unternehmen Ionisos anzusiedeln, da beide Firmen miteinander kooperieren wollten.

Wie die Zusammenarbeit ausgesehen hätte, kann Hans-Jürgen Große erklären. Die Firma Yellow Tec Holding wollte in Bautzen eine Produktionsstätte von Kunststoffteilen für die Medizintechnik errichten. 2020 sollte das neue Werk in Betrieb gehen. „Unsere Produkte wollten wir von unserem neuen Nachbarn Ionisos sterilisieren lassen. Damit hätten wir uns lange Wege gespart“, erklärt Große.

Mehrere Gründe für Absage

Doch daraus wird aus gleich mehreren Gründen nichts. Zum einen geht es um lange Verhandlungen zwischen der Firma und der Bank. Hans-Jürgen Große erklärt, dass es immer neue Nachforderungen gab. „Dabei hatten wir die Stellungnahme eines Gutachters eingeholt. Er hat uns gesagt, dass das Vorhaben abgesichert ist“, erklärt er. Zweimal habe die Firma auf Wunsch der Bank ihr Konzept überarbeitet. Doch nun sei die Geduld der Investoren am Ende.

Hinter den Verhandlungen mit der Bank verbirgt sich noch ein anderes Problem. Das betrifft das Grundstück, auf dem die Medizintechnikfirma bauen wollte. Für ihre Produktion benötigt Yellow Tec eigentlich Kühlwasser. „Aber keiner hat uns vorher sagen können, dass es auf der Fläche kein Wasser gibt“, erklärt Große und spricht von mehreren Bohrungen, die alle erfolglos waren. Von der Bautzener Talsperre konnte die Firma kein Wasser beziehen. Trinkwasser sei auch keine Option gewesen, da dieses Wasser die falsche Temperatur hatte. Nur die Möglichkeit der elektrischen Kühlung blieb übrig, die aber wieder mit einem höheren Stromverbrauch und damit mit höheren Kosten verbunden ist.

Suche nach besserem Standort

Die Absage ans Gewerbegebiet Bautzen bedeutet aber nicht, dass die Firma der Region ganz den Rücken kehren will. Hans-Jürgen Große ist derzeit noch mit der Stadt Bautzen im Gespräch. Es geht darum, einen anderen, besseren Standort für die Produktionsstätte zu finden. Klappt das nicht, will er sich in der Region Görlitz umzusehen. „Ich hoffe, dass wir dann trotzdem mit Ionisos zusammenarbeiten können“, sagt Große hoffnungsvoll.

Dass es trotz allem zu einer Kooperation der Firmen kommt, kann sich auch Henry Mitschak, Geschäftsführer von Ionisos in Bautzen vorstellen. Dennoch ist er ein wenig enttäuscht. „Es ist für uns sehr schade, dass die Firma nun doch nicht neben uns baut. An unseren eigenen Plänen ändert das aber nichts“, sagt er.

Auf einer 7 000 Quadratmeter umfassenden Freifläche neben dem bestehenden Werk möchte Ionisos eine neue Produktions- und Lagerhalle errichten. Dadurch könnten mindestens acht neue Jobs entstehen. Bei Ionisos werden Kabel und andere Produkte so veredelt, dass sie weniger anfälliger gegen Abrieb, Chemikalien oder Temperaturschwankungen sind. Vor einem Jahr übernahm das Unternehmen das Werk des Nürnberger Autozulieferers Leoni.