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Deutschland & Welt

Fall Nawalny: "Antirussische Hysterie"

Sergej Netschajew, Russlands Botschafter in Deutschland, warnt im Fall des vergifteten Kremlkritikers vor Schuldzuweisung an Russland.

Sergej Netschajew, Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland.
Sergej Netschajew, Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland. © dpa

Berlin. Russlands Botschafter in Deutschland hat im Fall des vergifteten Kremlkritikers Alexej Nawalny vor Schuldzuweisungen gegen sein Land gewarnt. Es sei künstlich eine "antirussische Hysterie" entfacht worden, sagte Sergej Netschajew der Berliner Zeitung. "Was wir überhaupt nicht hinnehmen können, ist die ultimative Feststellung, dass die russische Regierung etwas mit dem Fall zu tun hat. Wir können Ultimaten und Drohungen mit Sanktionen nicht hinnehmen." Netschajew forderte die deutschen Behörden auf, russischen Fahndern Beweise vorzulegen, damit diese offiziell Ermittlungen einleiten könnten.

Bisher gibt es lediglich Vorermittlungen in Russland. Die Bundesregierung hat Russland aufgefordert, den Fall aufzuklären. Der 44-jährige Nawalny soll Ziel eines Mordanschlags mit einem laut Chemiewaffenverbot geächteten Nervengift der Nowitschok-Gruppe gewesen sein. Drei Speziallabore - eines der Bundeswehr sowie zwei weitere in Frankreich und Schweden - bestätigten die Kampfstofffunde.

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Botschafter Netschajew kritisierte, dass Russland weder Biomaterial von Nawalny noch Beweise für eine Vergiftung übergeben würden. Nawalnys Team hatte erklärt, dass der russische Staat verantwortlich für das Verbrechen sei und kein Interesse an einer Aufklärung habe.

Fehlende Bereitschaft zur Kooperation

"Wir nehmen den Fall absolut ernst", sagte Netschajew. Allerdings sei die Zusammenarbeit mit Deutschland nicht einfach. Antworten auf russische Rechtshilfeersuchen würden verzögert. Ein Vorschlag der russischen Ärztekammer zur Zusammenarbeit mit deutschen Kollegen sei abgelehnt worden. Und auch ein Gesuch, Nawalny als russischen Staatsbürger konsularisch zu betreuen, sei bisher nicht beantwortet worden, sagte Netschajew.

"Die Bereitschaft zur Kooperation von der deutschen Seite fehlt uns momentan." Netschajew sagte, dass es viele offene Fragen gebe - etwa die, warum das Gift zwar Nawalny, aber keinen anderen aus seinem Team, beim Hotelpersonal oder in Krankenhäusern getroffen habe solle. Russland hoffe daher auf die Zusammenarbeit der Strafverfolger beider Staaten. "Dazu brauchen wir die Unterstützung Deutschlands, denn ohne konkrete Beweise, von denen viel gesprochen, aber wenig gezeigt wird, können wir momentan nicht viel anfangen."

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Mit Blick auf Vorwürfe, die russische Führung habe Nawalny vergiften lassen, meinte Netschajew, dass russische Ärzte ihn zuerst versorgt hätten und Moskau letztlich den Weg nach Berlin freigemacht habe. In Berlin wird Nawalny seit 22. August in der Charité behandelt. Der Kremlgegner ist nach eigenen Angaben auf dem Weg der Genesung. (dpa)

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