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Ab dem Sommer wird der A4-Tunnel saniert

Rund 60 Millionen Euro werden investiert, fast doppelt so viel wie einst geplant. Bis Ende 2025 sollen die "Königshainer Berge" fertig sein.

Von Frank-Uwe Michel
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Voraussichtlich im August starten die Vorbereitungsarbeiten für die Sanierung des A4-Tunnels "Königshainer Berge".
Voraussichtlich im August starten die Vorbereitungsarbeiten für die Sanierung des A4-Tunnels "Königshainer Berge". ©  Archiv/André Schulze

Die Notwendigkeit stand schon lange fest, in diesem Jahr starten die Arbeiten nun ganz konkret: Im Sommer rücken die ersten Baukolonnen an, um mit der Sanierung des Autobahntunnels "Königshainer Berge" zu beginnen. 1999 war das mit 3,3 Kilometern drittlängste Bauwerk dieser Art in Deutschland hinter dem Rennsteigtunnel in Thüringen und dem Hamburger Elbtunnel in Betrieb gegangen. Höchste Zeit also, die beiden Röhren auf den technisch aktuellen Stand zu bringen und dabei auch alle notwendigen Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen.

Tag für Tag passieren rund 30.000 Fahrzeuge den Tunnel, der Schwerlastverkehr hat mit knapp 40 Prozent den höchsten Anteil bundesweit. Entsprechend stark ist der bauliche Verschleiß in dem Nadelöhr. Schon seit 2015 wurde in mehreren Schüben relevante Technik erneuert. So sind inzwischen alle Lüfter ersetzt. Aber auch die Brandmeldeanlage und Teile der Klimatechnik. Ganz wichtig zudem: Der Einbau einer modernen Lichtwellenleiter-Infrastruktur.

Wesentliche Teile der betriebstechnischen Ausstattung hinken den Erfordernissen der Zeit aber noch immer hinterher. Denn der Planungsstand des Tunnels stammt aus dem Jahre 1994. Die jetzt bevorstehende Nachrüstung orientiert sich an Richtlinien aus den Jahren 2006 und 2016. Entwurfs- und Ausführungsplanung dazu sind längst abgeschlossen, Bauoberleitung und Bauüberwachung bereits gebunden. Aktuell werden in einem EU-weiten Vergabeverfahren die Bauleistungen vergeben. Der Zuschlag, so Tino Möhring, werde voraussichtlich im April erteilt. Die ersten konkreten Baumaßnahmen würden mit dem Errichten einer Rettungsüberfahrt am Ostportal bei Kodersdorf sowie mit der Sanierung der Schachtdeckel auf dem Notgehweg der Südröhre sichtbar, erklärt der Sprecher der Niederlassung Ost der Autobahn GmbH des Bundes. Dies werde im Sommer 2022 passieren.

Vor Sanierungsbeginn wird in Sicherheit investiert

Die sogenannte "Bauphase 0" dauert vom August bis November 2022 und im Folgejahr von April bis November. Sie dient dazu, die Südröhre für den Betrieb im Gegenverkehr fit zu machen. Deshalb wird sie in dieser Zeit teilweise gesperrt. Nachts kann es sogar zu Vollsperrungen kommen. Währenddessen steht die Nordröhre für beide Fahrtrichtungen zur Verfügung. In dieser Auftaktphase werden zum Beispiel im Abstand von 100 Metern Kaltrauchmelder installiert. Außerdem wird die Lüftersteuerung den veränderten Bedingungen des Gegenverkehrs angepasst. Mittelüberfahrten werden ebenso eingerichtet wie zusätzliche Sperranlagen aufgebaut. Überdies werden Einsatzkräfte in unmittelbarer Nähe des Tunnels stationiert, um die Ausbreitung von Bränden zu vermeiden und bei havarierten Fahrzeugen sofort reagieren zu können. Die Planung und den Bau der Feuerwache auf der Kodersdorfer Seite, aber auch die Beschaffung der Löschfahrzeuge hat der Landkreis Görlitz übernommen. Im Laufe des Jahres 2023 soll dies abgeschlossen sein.

Richtig ungemütlich für den Verkehr wird es ab April 2024. Denn ab da bis zum November wird die Nordröhre saniert. Fahrzeuge verkehren in dieser Zeit gegenläufig nur in der Südröhre. In der folgenden Winterperiode fließt der Verkehr wieder getrennt in beiden Fahrtrichtungen. Zugleich wird die Südröhre auf ihre im April 2025 beginnende Sanierung vorbereitet. Die "Bauphase 5" soll im November abgeschlossen sein.

Im Laufe der drei Jahre wird jede Menge Technik installiert. Zum Beispiel 40 neue Notrufkabinen, was mit Aussäge- und Ausbrucharbeiten in den Tunnelwänden verbunden ist. Auch neue Feuerlöschleitungen werden verlegt. Jede Röhre bekommt ein zusätzliches Lüfterpaar. Die Beleuchtungsanlage wird komplett auf LED-Leuchtmittel umgestellt. Und alle 20 Meter gibt es Brandnotleuchten, verbunden mit Hinweisen auf die jeweiligen Fluchtwege.

1999 wurde der Autobahntunnel "Königshainer Berge" in Betrieb genommen, von Mitte 2022 bis Ende 2025 wird er umfassend saniert.
1999 wurde der Autobahntunnel "Königshainer Berge" in Betrieb genommen, von Mitte 2022 bis Ende 2025 wird er umfassend saniert. © Autobahn GmbH

Auch die Verkehrstechnik bekommt ordentlich Zuwachs. Vor den beiden Einfahrtsportalen werden neue Verkehrszeichenbrücken und eine Schrankenanlage installiert. Verkehrsdaten werden in den Tunnelröhren künftig alle 300 Meter erhoben. Zudem wird eine Verkehrsstation errichtet, die Datenübertragung erfolgt in Zukunft komplett über Lichtwellenleiter. Auch die Brandmeldeanlage wird noch einmal nachgeschärft. Sensoren dazu gibt es dann im Abstand von 100 Metern.

Ursprünglich waren 32 Millionen Euro geplant

Zur lückenlosen Videoüberwachung des Tunnelverkehrs sowie zur Beobachtung der Querschläge und Schranken werden 169 Kameras eingesetzt. Ebenso erweitert wird die Lautsprecheranlage. Sogenannte Grenzflächenhörner sollen für bessere Sprachverständlichkeit sorgen. Schließlich werden alle Steuerungseinheiten, einschließlich der Stationen für Video und Verkehr sowie der Lautsprecher- und der Brandmeldeanlage an einen modernen Glasfaserring angebunden.

Für die Umlandgemeinden sieht die Autobahn GmbH des Bundes erst einmal kaum Beeinträchtigungen. Die große Hoffnung ist, dass der gegenläufige Verkehr in jeweils einer Röhre funktioniert. Ereignis- und Havariepläne würden natürlich trotzdem mit Polizei, Feuerwehr, Rettungs- und Havariediensten, der Autobahnmeisterei, Tunnelüberwachung und einem Sicherheitsbeauftragten erarbeitet und abgestimmt, erklärt Sprecher Tino Möhring. Immerhin steckt der Freistaat Sachsen zusätzlich zu den Baukosten, die der Bund trägt, rund zehn Millionen Euro in die Ertüchtigung der Tunnelröhren für den Gegenverkehr. Dazu gehören aber auch Investitionen in die Feuerwache, die notwendigen Löschfahrzeuge und den Rund-um-die-Uhr-Dienst der Einsatzkräfte.

Weil gerade diese Kosten noch vor ein paar Jahren nicht absehbar waren, ist die für die Tunnelsanierung und alle Zusatzposten anfallende Summe nun fast doppelt so hoch wie jene Kostenschätzung, auf deren Grundlage das Bundesverkehrsministerium die Maßnahme bestätigt hatte. 2018 ging man von 32 Millionen Euro aus. Durch den Anstieg von Personal- und Materialkosten, die bis zur Fertigstellung Ende 2025 auflaufen, wird nun mit einer Summe von etwa 50 Millionen gerechnet.

Allerdings soll mit dieser Investition der Tunnel "Königshainer Berge" in den nächsten 15 Jahren betriebssicher sein. Und - was Verkehrsteilnehmer und Anwohner der Umlandgemeinden gerne hören werden: Einschränkungen aufgrund von Wartungsarbeiten sollen in Zukunft weniger gravierend ausfallen als in der Vergangenheit.