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Arnsdorfs Ex-Bürgermeisterin ausgezeichnet

Rechtsextreme hatten Martina Angermann jahrelang gemobbt. Für ihre Zivilcourage wurde sie jetzt ausgezeichnet.

Im Flüchtlingsjahr 2015 war Martina Angermann während des Wahlkampfs zum Ziel rechtsextremer Hetze geworden.
Im Flüchtlingsjahr 2015 war Martina Angermann während des Wahlkampfs zum Ziel rechtsextremer Hetze geworden. © Steffen Unger (Archiv)

Die frühere Arnsdorfer Bürgermeisterin Martina Angermann (SPD) ist am Sonntag beim Festakt zum Tag des Grundgesetzes als „Botschafterin für Demokratie und Toleranz“ ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung wird jedes Jahr bundesweit an fünf Menschen vergeben. Ausrichter ist das am 23. Mai 2000 von der Bundesregierung gegründete Bündnis für Demokratie und Toleranz. In diesem Jahr ist neben Angermann der Dresdner Krankenhauspfleger Emiliano Chamite geehrt worden.

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Die Preisträger hätten sich in herausragender Weise um Demokratie und Toleranz verdient gemacht, Zivilcourage gezeigt oder gegen Extremismus und Gewalt Position bezogen. Auf Martina Angermann trifft all das zu. „Ich habe nach so langer Zeit nicht mit so einer Auszeichnung gerechnet“, sagt sie.

Im Flüchtlingsjahr 2015 war Angermann während des Wahlkampfs zum Ziel rechtsextremer Hetze geworden. Im Mai 2016 kam es zum „Netto-Vorfall“, bei dem vier Männer, darunter der frühere CDU-Bürgermeisterkandidat, einen psychisch kranken Asylbewerber zunächst aus dem Arnsdorfer Netto-Markt gezerrt und dann an einen Baum gefesselt hatten. Der Vorfall sorgte bundesweit für Schlagzeilen.

„Aufrecht zu bleiben, war meine Pflicht"

Martina Angermann verurteilte die Tat öffentlich und ließ sich auch nicht einschüchtern, als sie zur Zielscheibe von noch mehr Hass und Hetze wurde. Das Gerichtsverfahren gegen die vier wurde eingestellt, so habe sich jeder seine eigene „Wahrheit“geschaffen. „Ich habe Hoffnung, dass ein Zeitpunkt kommt, an dem diese Ereignisse vor Ort aufgearbeitet werden und nach der Wahrheit gesucht wird.“

Am meisten habe ihr damals zu schaffen gemacht, dass die demokratische Mitte ihrer Gemeinde schwieg. Heute weiß sie, auch diese Menschen waren eingeschüchtert, weil laute Extremisten alles übertönten. „Aufrecht zu bleiben, war meine Pflicht und innerste Überzeugung. Ich würde es genauso noch mal machen“, sagt die 63-Jährige. Angermann hat einen hohen Preis dafür gezahlt: jahrelanges Mobbing, Drohungen, Einschüchterungen. Bis sie ihr Amt aufgab.

„Ich bin länger als ein halbes Jahr durch das Tal der Tränen gegangen“, sagt sie. Eine gute Psychotherapeutin habe ihr geholfen. Inzwischen gebe es Lichtblicke: die Einstufung von Pegida als gesicherte extremistische Bestrebung und die anstehende Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz. Die Auszeichnung sieht sie als Bestätigung: „Dafür, dass ich nicht falsch lag.“

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