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„Ich wollte mal was ganz anderes machen“

Er kommt aus Südafrika und war Kellermeister in Proschwitz. Nun gründete Jacques du Preez eine eigene Sektmanufaktur in Nieschütz.

Jacques du Preez war Kellermeister im Weingut Schloss Proschwitz und macht nun edlen Sekt – in Nieschütz.
Jacques du Preez war Kellermeister im Weingut Schloss Proschwitz und macht nun edlen Sekt – in Nieschütz. © Thomas Kretschel

Nieschütz. Es ist gar nicht so einfach, die Sektmanufaktur in Nieschütz zu finden. In dem kleinen Ort zwischen Meißen und Diesbar-Seußlitz fehlen noch die Hinweisschilder. Ganz am Ende eines großen Gewächshausareals hat Jacques du Preez ein altes Treibhaus zum Sektkeller umgebaut – alles noch sehr provisorisch. Flaschenreinigungsanlage, Abfüll- und Etikettiermaschinen wurden gerade erst angeschafft, manche direkt aus der Champagne. Zum morgendlichen Interview kredenzt der Winzer ein Glas Pinot Noir Extra Brut.

Herr du Preez, Sie haben sich einen Namen gemacht als Kellermeister im Weingut Schloss Proschwitz. Warum wollten sie fort? Gab’s Ärger?

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Nein, überhaupt nicht. Ich wollte mich selbstständig machen und habe das frühzeitig angekündigt. Ich fing schon 2016 damit an, meine eigenen Sekte zu machen.

Aber warum Sekt? Sie haben doch immer Wein hergestellt.

Ich wollte mal was ganz anderes machen. Ich habe früher vor allem Rotwein gekeltert. In Sachsen habe ich wertvolle Erfahrungen bei der Weißwein-Herstellung gesammelt, für mich ist Deutschland das beste Weißweinland auf der Welt. Und jetzt ist meine Schaumweinzeit angebrochen. Es ist ein tolles Gefühl, Sekt herzustellen. Es ist ziemlicher Stress, denn du weißt, du hast nur eine Chance. Aber wenn man dann die Flasche öffnet und der Sekt ist geworden, wie man sich das gedacht hat, ist das ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Durch die Kohlensäure lebt dieses Getränk. Das fasziniert mich.

Ihre Sektmanufaktur entsteht in einem Gewächshaus. Warum denn das?

Ich habe lange nach einem Standort gesucht und wollte für den Anfang nicht zu viel Geld ausgeben. In der Meißner Gegend gibt es viele Gewächshäuser, außerdem fand ich die Nähe zu Diesbar-Seußlitz interessant. Wein gibt es hier, Sekt noch nicht.

Jacques du Preez vor seiner Sektmanufaktur – einem alten Gewächshaus. Er stellt Sekt nach der Champagner-Methode her.
Jacques du Preez vor seiner Sektmanufaktur – einem alten Gewächshaus. Er stellt Sekt nach der Champagner-Methode her. © Thomas Kretschel

Was für Sekt stellen Sie her?

Ich habe eine große Liebe zu Pinot Noir, also Spätburgunder. Er ist wunderbar vielgestaltig. Man kann schönen Rotwein daraus machen, man kann ihn weiß keltern, Rosé herstellen, aber auch guten Sekt. Ich brauche also nur diese eine Rebsorte. Die Grundweine beziehe ich aus Baden-Württemberg und aus Rheinland-Pfalz. Hier in Sachsen sind die Mengen, die ich benötige, nicht zu bekommen.

Den Sekt stellen Sie nach der Champagner-Methode her?

Ja, es ist klassische Flaschengärung. Jede Flasche wird mit der Hand abgefüllt und regelmäßig gedreht.

In Sachsen wird immer mehr Winzersekt hergestellt. Wie erklären Sie sich das?

Sachsen hat eine lange Sekt-Tradition, es hat mit Wackerbarth die zweitälteste Sektkellerei Deutschlands. Und die Sachsen trinken gern Schaumwein, vor allem die jüngere Generation.

Verkauft sich Sekt besser als Wein?

Nein, das ist auch kein Selbstläufer. Auch Schaumwein muss man erst probieren. Erst danach kann man die Kunden überzeugen.

Sie sind sicher der sächsische Winzer mit dem entferntesten Geburtsort.

(lacht) Kann sein. Ich bin in Stellenbosch in Südafrika aufgewachsen. Meine Familie stammt aus Frankreich, sie ist 1685 nach Südafrika ausgewandert. Ich bin mitten im Wein aufgewachsen, mein Vater und mein Opa sind Weinmacher. Dort habe ich auch gelernt. Ich war aber immer schon von Europa fasziniert, habe als Kind auch einige Jahre mit meinen Eltern in Bad Godesberg gelebt. Später absolvierte ich dann an der Weinbauschule in Weinsberg eine Techniker-Ausbildung.

Jede Flasche wird mit der Hand abgefüllt und regelmäßig gedreht.
Jede Flasche wird mit der Hand abgefüllt und regelmäßig gedreht. © Thomas Kretschel

Warum wollten Sie ausgerechnet in Sachsen Winzer werden?

Mit der Weinbauschule waren wir 2009 in Sachsen, und alle waren begeistert. Dresden hat mich umgehauen, die Landschaft hat mir gefallen, und im Elbland hatte ich das Gefühl, da ist Platz, hier ich kann atmen. Und dann kam vier Jahre später das Angebot vom Weingut Schloss Proschwitz. Ich hatte dort eine gute Zeit.

Welche Erfahrungen haben Sie aus Südafrika mitgebracht?

Ich denke, ich habe viel bewegt bei den Rotweinen. Der Spätburgunder von Proschwitz ist ja bekannt. Ich wollte nicht so marmeladige Weine, hier kann man schöne Weine herstellen aus reifen Trauben, die kühle Nächte erlebt haben. Dies gibt es so in der südlichen Hemisphäre nicht überall. Ich habe allerdings auch die Erfahrung großer Betriebe aus Südafrika mitgebracht.

Haben Sie noch Verbindungen zum südafrikanischen Wein?

Oh ja. Ich unterstütze meinen Vater, der einen Großteil seines Weines in Holland verkauft. Und schon bald werde ich unter einer eigenen Marke südafrikanischen Wein nach Deutschland importieren. Langfristig möchte ich hier Schaumwein produzieren und dort Wein. Es ist mein Traum, mit einem Bein hier in Europa und mit dem anderen in Südafrika zu stehen.

Jetzt haben Sie erst einmal noch genug in Nieschütz zu tun

Klar, das wird noch dauern, bis alles fertig ist. Vielleicht 200 Jahre (lacht). Gerade habe ich eine weitere Halle als Produktionsstätte angemietet, noch im Oktober soll eine Vinothek fertig werden.

Dann können Sie Besucher in Nieschütz empfangen?

Ja. Wir haben ab 23. Oktober immer Freitag, Sonnabend und Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Die Preise für den Sekt von Jacques du Preez liegen zwischen 14,90 und 24,90 Euro.
Die Preise für den Sekt von Jacques du Preez liegen zwischen 14,90 und 24,90 Euro. © Thomas Kretschel

Wo kann man Ihren Sekt kaufen?

Hier natürlich, online über meine Homepage sowie in einigen Geschäften zwischen Dresden und Meißen.

Was kosten die Flaschen?

Die Preise liegen zwischen 14,90 und 24,90 Euro. Wir haben auch einen schönen Secco für 8,90 Euro und zwei alkoholfreie Sekte für je 11,90 Euro.

Sie haben jetzt einen eigenen Betrieb. Werden Sie sesshaft in Sachsen?

Ja, ich möchte hierbleiben. Ich fühle mich sehr, sehr wohl in Sachsen, es ist Heimat für mich geworden. In Meißen wohne ich mit meiner Frau und den drei Kindern. Die Kinder wachsen hier wie ich damals mit dem Wein auf. Sie sind noch klein, aber sie wissen schon, was Sekt ist und was Wein. Als die Kindergärtnerin eines Tages zu meiner Tochter sagte: „Kinder, jetzt gibt es eine Überraschung!“, da hat sie gefragt: „Oh, gibt es Champagner?“ Und als die Erzieherin meinte: „Du weißt doch gar nicht, was Champagner ist“, meinte meine Tochter: „Doch. Das ist wie Sekt, schmeckt nur nicht.“

Also eine richtige Winzertochter. Und wann fahren Sie wieder mal nach Südafrika?

Ich hoffe schon bald. Wegen Corona ging das ja jetzt nicht. Ich freue mich schon, meine erste Heimat wiederzusehen. Und ich weiß jetzt schon, dass ich mich auf dem Rückflug auf Sachsen freue.

Das Gespräch führte Olaf Kittel.

Jacques du Preez:

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  • Der Südafrikaner wurde vor 37 Jahren in Stellenbosch geboren. Dort lernte er das Winzerhandwerk und studierte.

  • Ein Technikerstudium an der Weinbauschule führte ihn nach Weinsberg in Deutschland.

  • Seit 2013 war er der Kellermeister von Prinz von der Lippe im Weingut Schloss Proschwitz.

  • Seit Anfang 2020 baut er eine eigene Sektmanufaktur in Nieschütz auf.

  • Mit Frau und drei Kindern wohnt er in Meißen.

  • Seine Frau arbeitet mit in der Manufaktur.

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