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In Sachsen haben weiter viele Schulen keine eigene Leitung

Der Schulleiter-Job ist für viele Lehrer offensichtlich keine erstrebenswerte Perspektive. Vor allem bei Grundschulen fehlt die Entlastung, obwohl Aufgaben wachsen.

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In Sachsen sind 72 Schulleiter- und 105 Stellvertreter-Posten unbesetzt.
In Sachsen sind 72 Schulleiter- und 105 Stellvertreter-Posten unbesetzt. © Martin Schutt/dpa

Dresden. Viele Schulen in Sachsen müssen weiter ohne einen regulären Schulleiter auskommen. Wie das Kultusministerium bei einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, waren Anfang Februar an den 1.391 öffentlichen Schulen 72 Stellen von Schulleitern und 105 Stellvertreterposten vakant. Im August 2021 waren die Zahlen mit 71 fehlenden Schulleitern und 124 Stellvertretern ähnlich.

"Die Zahlen sind durch Nachbesetzungen, aber auch durch Ausscheiden aus dem Dienst immer im Fluss", sagte eine Ministeriumssprecherin. Trotz unbesetzter Stellen sei aber keine Schule ohne Leitung. In solchen Fällen werde der stellvertretende Schulleiter oder eine andere Lehrkraft mit den Leitungsaufgaben beauftragt. Mit 45 Leiter- und 66 Stellvertreterstellen entfällt der größte Teil auf die 752 Grundschulen.

Die sächsische Chefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Uschi Kruse, kann gut verstehen, weshalb nicht viele Lehrer Schulleiter werden wollen. Das sei mit Mehrbelastungen verbunden, eine Reduzierung der Stundenzahl vor den Schulklassen sei im Gegenzug kaum möglich. Dazu seien die Lehrerkollektive meist zu klein. Zudem seien viele der Lehrer an den Grundschulen Frauen, die selbst noch Kinder hätten und zu Hause eingespannt seien.

Befristete Schulassistenten sollen feste Jobs kriegen

Mit der Übernahme einer Schulleitung gehe eigentlich auch ein Wechsel der Schule einher, sagte die Gewerkschafterin. "Sie müssten sonst über ihre Kollegen urteilen, mit denen sie zuvor Freud und Leid geteilt haben. Das macht niemand gern." Kruse zufolge sollte das Ministerium darüber nachdenken, wie die Aufgaben des Schulleiters an Grundschulen geteilt werden könnten. "Dazu gibt es Konzepte."

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Von fehlenden 10 Leitern und 13 Stellvertretern sind die 289 Oberschulen des Landes betroffen. Die Aufgaben dort seien noch deutlich größer, sagte Kruse. Dort spielten verstärkt Fragen wie Armut, Migration, Integration, auch Kriminalität eine Rolle. Die Einstellung von Schulassistenten zur Entlastung der Schulleiter könne da der richtige Weg sein.

Laut Ministerium ist in dem Haushaltsentwurf der kommenden zwei Jahre vorgesehen, 453 befristet eingestellten Schulassistenten nun dauerhaft zu übernehmen. "Damit werden dauerhaft Lehrkräfte und Schulleitungen entlastet", sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU). "Sie können sich besser auf ihre Kernaufgaben konzentrieren." Zudem sollen zusätzlich 730 Lehrer eingestellt werden und die Zahl der geplanten Lehrerstellen damit von 31.000 auf 31.420 im Jahr 2023 und 31.730 im Jahr 2024 steigen.

Linke will Schulleiter als eigenen Beruf durchsetzen

Die Vakanzen seien zum Nachteil der ganzen Schule, sagte die Sprecherin des Landeschülerrates, Hannah Lilly Lehmann. "Die Schulleitungen sind meist der Dreh- und Angelpunkt." Diese sollte sich um die Weiterentwicklung der Schule kümmern wie den digitalen Unterricht oder die Beantragung zusätzlicher Ressourcen. "Das bleibt auf der Strecke, wenn die Stelle unbesetzt ist."

Die Linke im Landtag wollte im Parlament erreichen, dass die Schulleitung als ein eigener Beruf gelten soll. "Sonst werden sich langfristig nicht genug Lehrkräfte finden, die diese Aufgabe übernehmen", begründete die bildungspolitische Sprecherin, Luise Neuhaus-Wartenberg, den Vorstoß. Der Antrag scheiterte, fand aber auch bei den Lehrervertretern wenig Fürsprache. "Die Schulleiter müssen aus den Schulen heraus wachsen, sie sollten zuvor Lehrer gewesen sein", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Sächsischen Lehrerverbandes, Michael Jung.

Aus Sicht des Landeselternrates muss es neben der Besetzung der vakanten Leiterstellen auch darum gehen, die Schulleitungen zu qualifizieren. "An nicht wenigen Schulen sind die Leitungen kaum teamfähig", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Landeselternrates, André Jaroslawski. Es sei nicht so selten, dass Schulleitung und Lehrer nicht gut zusammenarbeiteten und etwa die Mitwirkung der Elternvertreter nicht gewünscht sei. (dpa)