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Was Klimakämpfer in Sachsen antreibt

Sächsische.de stellt fünf Menschen aus dem Freistaat vor und lässt sie über ihren Ärger und ihre Zukunftswünsche in der Umwelt reden.

Sächsische.de stellt Klimaaktivisten aus Sachsen vor, die sich für eine bessere Umwelt einsetzen.
Sächsische.de stellt Klimaaktivisten aus Sachsen vor, die sich für eine bessere Umwelt einsetzen. © SZ-Bildstelle/Lössel, Schmidt, Thomas Kretschel

Dresden. Sie gehen auf die Straße, diskutieren mit Politikern und rufen zu Aufräumaktionen auf. Ob Fridays for Future mit Schülern und Studenten, Psychologists for Future mit verschiedenen Psychologen oder Omas for Future mit Großeltern, die für eine bessere Umwelt ihrer Kinder und Enkel kämpfen. Tausende Menschen gehen immer wieder für eine bessere Klima-Politik im Freistaat auf die Straße.

Sächsische.de stellt fünf Sachsen vor, die für mehr Umweltbewusstsein auf die Straße gehen. Sie sprechen über Ängste, Frust und Wünsche an die Politik.

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Objektleitung (m/w/d)
Objektleitung (m/w/d)

Das Eisenmoorbad in Bad Schmiedeberg sucht zur Erweiterung des Teams zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine engagierte Objektleitung (m/w/d).

Klimakrise aus der Sicht der Psychologie

Diese Erde ist unsere Heimat – unsere Lebensgrundlage und die unserer Kinder und aller Tier- und Pflanzenarten. Mir geht es sehr nahe, dass wegen unseres menschlichen Verhaltens die Natur zerstört wird. Wir haben nur diese eine Erde und viele Menschen werden auf dieser kein lebenswertes Leben mehr führen können, wenn die Erderwärmung weiter fortschreitet.

Ich bin seit Mitte letzten Jahres Mitglied bei den Psychologists for Future. Im Rahmen dieses Engagements leiste ich Aufklärungsarbeit. Die Psychologie hat mit Blick auf die Klimakrise viele Antworten zu bieten. Darauf, warum Menschen nicht das tun, wovon die meisten wissen, dass es nötig ist; wie man wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich vermitteln kann und wie wir als Gesellschaft die Klimakrise meistern können.

Ich ärgere mich darüber, dass Politiker sich zu viel mit dem Status Quo-Erhalt beschäftigen und zu wenig an kommende Generationen denken. Ich ärgere mich darüber, dass individuelles klimafreundliches Verhalten so unendlich erschwert wird, weil das System klimaschädliches Verhalten fördert und belohnt. Ich wünsche mir Politiker, die wirkliche Schritte einleiten, denn die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind eindeutig und die Lösungen bekannt. Wichtig wäre eine gemeinschaftliche und faire Lösung für alle. Ein ausführliches Interview mit Bianca Rodenstein lesen Sie hier.

Bianca Rodenstein (39), Landkreis Görlitz, Psychologische Psychotherapeutin
Bianca Rodenstein (39), Landkreis Görlitz, Psychologische Psychotherapeutin © Nikolai Schmidt

Hört endlich auf die Wissenschaft!

Die Klimakrise ist real. Sebnitz ist von viel Wald umgeben, insbesondere vom Nationalpark Sächsische Schweiz. In den letzten Jahren mussten wir mit ansehen, wie sich große Flächen des Waldes braun färbten. Primäre Ursache ist der Borkenkäfer, der sich aufgrund von Dürre und Hitze besonders gut vermehren konnte. Dieses Beispiel reiht sich ein in die vielen globalen Folgen der Klimakrise, wie die gigantischen Waldbrände im Amazonas oder die dramatischen Folgen der Eisschmelze an den Polen.

Ich bin mit vielen anderen tollen Menschen in der Fridays for Future Ortsgruppe Sebnitz aktiv. Seit März 2019 beteiligen wir uns an den globalen Protesten und haben seitdem vielfältige Aktionen veranstaltet. Im September waren wir beispielsweise im Sebnitzer Wald Bäume pflanzen und haben so auf die Verletzlichkeit unseres Waldes aufmerksam gemacht.

Mich ärgert an der derzeitigen Situation am meisten die Ignoranz und die Gleichgültigkeit, mit welcher der Klimakrise begegnet wird. Wir stehen an einem Punkt in der Geschichte, an dem sich das Überleben der Menschheit und unzähliger weiterer Lebewesen entscheidet. An die Politik habe ich nur einen einzigen Wunsch: Hört auf die Wissenschaft! Die Fakten liegen auf dem Tisch. Es scheitert derzeit am politischen Willen. Da fängt unsere Verantwortung als Zivilgesellschaft an. Wie Paul Löser weitergehend über die Klimapolitik denkt, lesen Sie hier im Interview.

Paul Löser (20), Sebnitz, Lehramtsstudent für Mathematik und Gemeinschaftskunde
Paul Löser (20), Sebnitz, Lehramtsstudent für Mathematik und Gemeinschaftskunde © Steffen Unger

Die Klima-Debatte wurde vergiftet

Meine Motivation beginnt bereits bei dem Wort „Umwelt“. Warum bezeichnen wir Ökosysteme, die uns überhaupt erst eine Existenzgrundlage bieten als Umwelt? Sie sind ja nicht nur um uns herum, wir leben in ihnen. Wir sind darauf angewiesen, dass sie intakt sind, funktionieren. Würden sich die Leute empören, wenn eine Änderung im Duden aus unseren Mitmenschen plötzlich „Ummenschen“ machen würde? Mit Sicherheit! Wir sehen uns zu oft nicht als Teil der Natur und das ist fatal.

Die Umweltbewegung habe ich erst durch Fridays for Future wirklich kennengelernt. Im Sommer 2019 bin ich zur Ortsgruppe in Zittau dazugestoßen und konnte mich für die Ideen und Forderungen schnell begeistern. Unter anderen war ich Veranstalter bei Demonstrationen unserer Gruppe.

Das wohl größte Ärgernis besteht für mich in der Diskussionskultur. In den letzten zwei Jahren wurde die Debatte wortwörtlich vergiftet. Dabei ist Diskussion unglaublich wichtig, verschiedene Meinungen müssen natürlich eingeholt werden, die Menschen dürfen nicht fallengelassen werden.

Es spricht gar nichts dagegen, Unmut zu äußern, Ängste zu benennen, lasst uns damit offen umgehen. Aber bitte in einer Art und Weise, die unserem Status als Global Player in Sachen Bildung, Wirtschaft und Forschung gerecht wird!Ich wünsche mir eine Politik, die Haltung zeigt und nicht nur leere Versprechungen macht, sondern zielgerichtet Maßnahmen umsetzt. Ausführliche Antworten zum Engagement von Alexander Hilse im Sächsische.de-Interview.

Alexander Hilse (20), Görlitz, Student für Kultur und Management
Alexander Hilse (20), Görlitz, Student für Kultur und Management © Nikolai Schmidt

Gemeinwohl statt Kapitalmaximierung

Der erste Impuls kam, als ich plötzlich begriff, dass das Pariser Abkommen, anderthalb Grad Erwärmung möglichst nicht zu überschreiten, mit dem derzeitigen Kurs von Politik und Wirtschaft nicht eingehalten werden kann. Die noch tiefer gehende Erfahrung war die plötzliche Erkenntnis, dass ich mit jedem Tag, den ich so weiterlebe wie bisher, dazu beitrage, dass meine Enkel keine so lebenswerte Erde haben werden wie ich. Ein Schock!

Gestartet bin ich im September 2019, im Oktober traf sich die erste Ortsgruppe Omas for Future in Leipzig. Seitdem sind wir auf 35 aktive Gruppen angewachsen – Omas und Opas, Mütter und Väter im Einsatz für ihre Kinder und Enkel.

Generell unterstützen wir alle Demos der Fridays. Darüber hinaus ist jede Ortsgruppe für sich aktiv. Beispielsweise bei einer Wunschzettel-Aktion Ende 2019 in Leipzig. 1.000 Wunschzettel von Bürgern mit Wünschen an die Politik wurden an Abgeordnete übergeben.

Am meisten ärgert mich, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nicht konsequent genug handeln und dass Bürger nicht ständig informiert werden, wie es wirklich um unsere Erde steht. Wir sind ein Wohlstandsland, und trotzdem sind andere Länder viel weiter als wir. Ich wünsche mir mehr Infos für jeden Einzelnen und vor allem den Umbau der kapitalmaximierenden in eine Gemeinwohl-Wirtschaft.

Cordula Weimann wünscht sich vor allem eine schöne Zukunft für ihre Kinder und Enkelkinder, das sagt sie ausführlichen Interview.

Cordula Weimann (61), Leipzig, Atemtherapeutin und selbständig im Bereich Bauberatung
Cordula Weimann (61), Leipzig, Atemtherapeutin und selbständig im Bereich Bauberatung © Jürgen Lössel

Keine Kompromisse um jeden Preis

Es gilt jetzt Lebensgrundlage, Natur sowie Artenvielfalt zu bewahren. Mein persönlicher Herzenswunsch wäre es, Zuversicht für den Rest meines Lebens, aber vor allem für das Leben meines kleinen Sohns zu haben. Darüber hinaus wird das Thema Gerechtigkeit und Frieden mit zunehmender Umweltzerstörung und Verknappung der Lebensräume immer wichtiger werden. Seit 2019 bin ich vor allem bei Parents for Future aktiv. Außerdem leiste ich einen Bundesfreiwilligendienst beim BUND Sachsen.

Mich beunruhigt vor allem die Gedankenlosigkeit und der Ressoucenhunger – ganz besonders die Ressourcenverschwendung – unserer Gesellschaft. Wir haben keinerlei Bewusstsein mehr dafür, wie Dinge entstehen, bevor sie in unser Sichtfeld kommen und was mit ihnen passiert, wenn sie daraus verschwinden.

Was mich beinahe täglich wütend und verzweifelt macht, ist wenn Wirtschaft und Umwelt gegeneinander ausgespielt werden. Ohne Umwelt gibt es auch keine Wirtschaft! Lebensgrundlage, Wirtschaft und Umwelt sind untrennbar verbundene Seiten einer einzigen Medaille: unserer Erde.

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Bianca Rodenstein ist 39 Jahre alt, lebt im Landkreis Görlitz und arbeitet als Psychologische Psychotherapeutin. Sie fordert mehr Gemeinschaftssinn.

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Paul Löser ist 20 Jahre alt, lebt in Sebnitz und studiert Lehramt in Dresden. Er wünscht sich mehr Politik, die Haltung zeigt.

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Alexander Hilse ist 20 Jahre alt, lebt in Görlitz und studiert Kultur sowie Management. Seine Forderung: "Nehmt unsere Forderungen ernst!"

Gesellschaftlich braucht es langfristiges Denken, aber vor allem auch das Bewusstsein, die Folgen des eigenen Handelns zu erkennen. Von der Politik wünsche ich mir deutlich mehr Zusammenarbeit, aber keine Kompromisse um jeden Preis. Das ganze Interview mit Louise Hummel-Schröter gibt es hier.

Louise Hummel-Schröter (36), Dresden, Bundesfreiwilligendienstleistende beim BUND Sachsen
Louise Hummel-Schröter (36), Dresden, Bundesfreiwilligendienstleistende beim BUND Sachsen © Thomas Kretschel

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