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Klimakrise aus der Sicht der Psychologie

Bianca Rodenstein ist 39 Jahre alt, lebt im Landkreis Görlitz und arbeitet als Psychologische Psychotherapeutin. Sie fordert mehr Gemeinschaftssinn.

Von Erik-Holm Langhof
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Bianca Rodenstein lebt im Landkreis Görlitz und ist im Verein Psychologists for Future aktiv.
Bianca Rodenstein lebt im Landkreis Görlitz und ist im Verein Psychologists for Future aktiv. © Nikolai Schmidt

Weshalb ist es dir wichtig, dich für die Umwelt einzusetzen?

Diese Erde ist unsere Heimat - unsere Lebensgrundlage und die unserer Kinder und aller Tier- und Pflanzenarten. Mir geht es sehr nahe, dass wegen unseres menschlichen Verhaltens die Natur, die so viele Jahrmillionen existiert und so eine beeindruckende Vielfalt an Tieren und Pflanzen hervorgebracht hat, von uns zerstört wird.

Wir haben nur diese eine Erde und viele Menschen werden auf dieser kein lebenswertes Leben mehr führen können, wenn die Erderwärmung weiter fortschreitet. Ich wünsche mir sehr, dass auch meine Kinder noch eine Erde vorfinden, auf der ein gutes Leben für möglichst viele Menschen möglich ist. Und das geht nur mit der Natur, nicht gegen sie.

Welche Aktionen hast du bereits begleitet beziehungsweise wie bist du in diesem Zusammenhang aktiv? Seit wann bist du aktiv?

Ich bin seit Mitte letzten Jahres Mitglied bei den Psychologists/Psychotherapists for Future (Psy4F). Im Rahmen dieses Engagements leiste ich Aufklärungsarbeit. Die Psychologie hat mit Blick auf die Klimakrise viele Antworten zu bieten. Darauf, warum Menschen nicht das tun, wovon die meisten wissen, dass es nötig ist; wie man wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich vermitteln kann und wie wir als Gesellschaft die Klimakrise meistern können.

Wir veröffentlichen Artikel in Fachzeitschriften, Zeitungen und Zeitschriften, organisieren Kongresse, erstellen Erklärvideos auf Youtube und sind in den sozialen Medien präsent. Wir geben Workshops und Podcasts, zum Beispiel auch bei der Volkshochschule in Görlitz, und unterstützen klimaengagierte Menschen.

Symbolbild: Klimaproteste von Fridays for Future und anderen Umweltorganisationen.
Symbolbild: Klimaproteste von Fridays for Future und anderen Umweltorganisationen. © Britta Pedersen/dpa

Was ärgert dich an der derzeitigen (Umwelt-)Situation am meisten?

Ich ärgere mich darüber, dass Politikerinnen und Politiker sich zu viel mit dem Erhalt des Status Quo beschäftigen und zu wenig an nachfolgende Generationen denken. Ich ärgere mich darüber, dass individuelles klimafreundliches Verhalten so unendlich erschwert wird, weil das System, in dem wir leben, klimaschädliches Verhalten fördert und belohnt.

Ich habe große Angst davor, dass die Klimakrise immer weiter fortschreitet, weil wir sehr nah an den Kipppunkten sind. Sind diese erreicht, wenn zum Beispiel die Permafrostböden noch mehr tauen oder die Gletscher, dann werden Prozesse in Gang gesetzt, die nicht mehr aufhaltbar sind und die ein Leben auf der Erde so wie wir es jetzt kennen mindestens sehr erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft? Was wünschst du dir von der Politik bzw. der Gesellschaft?

Ich wünsche mir, dass die Politikerinnen und Politiker wirkliche Schritte einleiten, denn die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind eindeutig und die Lösungen bekannt. Dabei wünsche ich mir, dass die gesamtgesellschaftliche Umsetzung gemeinschaftlich und vor allem gerecht und fair gestaltet wird. Dass Politikerinnen und Politiker sich mehr trauen, Bürgerinnen und Bürger an der Lösung der Herausforderungen zu beteiligen und Bürgerinnen und Bürger mehr Druck auf die Politik ausüben, gegen den Klimawandel aktiv zu werden.

Ich wünsche mir, dass mehr Menschen verstehen, dass wir mit Solidarität und Gemeinschaftssinn viel weiterkommen als über Ab- und Ausgrenzung. Auch wenn wir dafür nur noch sehr wenig Zeit zur Verfügung haben.