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Was Thomas de Maizière von Kurt Biedenkopf gelernt hat

Im Podcast Politik in Sachsen erinnert sich Ex-Innenminister de Maizière an Kurt Biedenkopf. Heute findet ein Trauerakt für den verstorbenen Regierungschef statt.

Thomas de Maiziere , Ingrid und Kurt Biedenkopf bei einer Festveranstaltung anlässlich des 80. Geburtstags von Kurt Biedenkopf.
Thomas de Maiziere , Ingrid und Kurt Biedenkopf bei einer Festveranstaltung anlässlich des 80. Geburtstags von Kurt Biedenkopf. © imago images

Als er vor drei Wochen die Nachricht vom Tod Kurt Biedenkopfs hörte, habe ihn das tief bewegt, sagt Thomas de Maiziere nachdenklich. „Mir ging durch den Kopf die erste Begegnung, die wir hatten, weit im Westen.“ Damals studierte der junge Thomas de Maizière an der Uni Münster.

„Ich war Studenten-Politiker, Kurt Biedenkopf war Oppositionsführer in Düsseldorf. De Maizière plante große Debatten im Hörsaal, manchmal mit mehr als 1.000 Zuhörern. „Ich hatte Kurt Biedenkopf eingeladen und ihm wochenlang Vermerke über die Universität zugeschickt, um ihn vorzubereiten“, erinnert sich de Maizière. „Dann steigt er aus dem Auto: „Ah, Sie sind Herr de Maizière. Was ist denn hier los an der Uni Münster? Und mir sackte das Herz in die Hose, weil ich befürchtete, die ganze Veranstaltung ist im Eimer. Ich sagte: „Aber ich habe Ihnen doch alles geschickt.“

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Doch de Maizière merkte sofort: Biedenkopf hatte es nicht gelesen. Da briefte er ihn kurz auf dem kurzen Weg zum Rednerpult. Biedenkopf machte sich Notizen. „Und dann hat er mit einem kleinen Block in den Händen, so wie wir ihn alle kennen, eine Stunde druckreif gesprochen. Dabei hat er die wenigen Informations-Sprengsel, die ich ihm gegeben hatte, auf diesen 100 Metern, so brillant eingefügt, dass alle dachten, er ist ein intimer Kenner der Universität Münster. Wow, habe ich da gedacht, das muss man erst mal können.“

Hinweis: Der Podcast beschäftigt sich in der ersten Hälfte mit dem Thema Afghanistan, in der zweiten Hälfte ab Minute 21:34 geht es um Kurt Biedenkopf.

Der junge de Maizière nimmt sich den damaligen CDU-Spitzenpolitiker als Vorbild, auch als der ihn 1999 als Staatskanzlei-Chef nach Dresden in sein Kabinett holt. Da kennen sich beide bereits seit Jahren, auch als Thomas de Maizière nach 1990 Chef der Staatskanzlei in Schwerin ist. Biedenkopf wird 1991 Sachsens erster Ministerpräsident nach der Wende.

„Er hat immer gefragt, was ist in der Sache richtig, und als Zweites erst gefragt, was ist taktisch klug, wie kriegen wir das durchgesetzt. Das habe ich bei ihm gelernt.“ Dazu gehört auch das Führen durch Lob. „Er hat zum Beispiel Dritten gegenüber gesagt: ‚Der Herr de Maizière wird morgen eine sehr gute Rede halten. Ich freu‘ mich schon darauf.‘ Und wenn Sie dann da sitzen und hören das, dann machen Sie die Rede aber noch dreimal besser als ursprünglich geplant.“

Thomas de Maizière ist noch bis Ende September CDU-Bundestagsabgeordneter.
Thomas de Maizière ist noch bis Ende September CDU-Bundestagsabgeordneter. © Jürgen Lösel

Eine „überragende Figur“ sei Biedenkopf für ihn gewesen, sagt de Maizière. „Was ich auch von ihm gelernt habe: Du bist nur gut, wenn du dich mit guten Leuten umgibst.“ Biedenkopfs erstes Kabinett sei überragend gewesen, vor allem in Finanz-, Wirtschafts-, Bildungs- und Wissenschaftsfragen. „Wer glaubt, er wird dann gut, wenn er sich mit schwachen Leuten umgibt, der begeht einen großen Irrtum“, sagt de Maizière.

Viele große Leute verpassten oft den Zeitpunkt, rechtzeitig aufzuhören. Das gelte auch für Biedenkopf, sagt de Maizière. Das habe dann das Ende „ein bisschen getrübt, aber nur kurzzeitig“. Biedenkopf habe ihn gefragt, ob er sein Nachfolger werden wolle, verrät de Maizière im Podcast. Doch er habe abgelehnt.

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„Ich fühlte mich zwar als ostdeutsch sozialisierter Politiker, der im Westen geboren und ausgebildet war, aber erst drei Jahre hier gearbeitet hat, der sollte das nicht machen.“ Zweimal noch, gesteht de Maiziere überraschend ganz offen, sei er angefragt worden, Ministerpräsident zu werden – als Georg Milbradt zurücktrat, sei er nach Berlin gekommen und habe ihn gefragt. Und als Stanislaw Tillich zurücktrat, habe Michael Kretschmer ihn gefragt. „Ich habe es immer überlegt, aber dreimal abgelehnt“, lächelt de Maizière. „Und das würde ich heute wieder so machen. Mein Platz war in der Bundespolitik.“

Freitagmittag ab 11.50 Uhr überträgt der MDR live den Trauerakt für Biedenkopf. Sprechen werden u.a. Bundespräsident Steinmeier und CDU-Chef Armin Laschet.

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