merken
PLUS Sachsen

Mehrere Kilo Crystal und 20 Kilo Marihuana

Unter den Verdächtigen, deren Krypto-Handys geknackt wurden, sind auch Männer aus dem Umfeld einer in Dresden aktiven Rapper-Gruppe.

Der Angeklagte Mustafa K. und sein Verteidiger Carsten Brunzel.
Der Angeklagte Mustafa K. und sein Verteidiger Carsten Brunzel. © Matthias Rietschel

Ein Iraker aus Dresden soll im vergangenen Jahr kiloweise vor allem mit Crystal und Marihuana gehandelt haben. Auch er gehört zu den vielen Verdächtigen, die durch die Entschlüsselung von Kommunikation, die über Krypto-Handys des Unternehmens EncroChat abgewickelt worden war, ins Visier der Ermittler geraten sind. Der Prozess hat am Donnerstag vor dem Landgericht Dresden begonnen und ist die zweite Hauptverhandlung rund um den spektakulären und möglicherweise umstrittenen Coup französischer Ermittler im vergangenen Jahr.

Mustafa A., früher hieß der 26-Jährige Mustafa K., ist seit Jahren polizei- und justizbekannt, gehört etwa zum Umfeld der bekannten Rapper-Gruppe KMN-Gang und stand schon mehrfach für „kleinere“ Geschichten vor Gericht.

TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen

Was ist los in Sachsen und Umland? Wo gibt es was zu erleben? Unsere Top-Veranstaltungen der Woche!

Seit Ende Januar U-Haft

Doch nun drohen dem Mann einige Jahre Haft wegen gewerbsmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln. Seit Ende Januar sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Laut Anklage soll A. im April und Mai 2020 etwa mehrere Kilogramm Crsytal und einmal 20 Kilo Marihuana gekauft und weitervertickt haben. Ihm wird nun Handel in sieben Fällen und Beihilfe in zwei Fällen vorgeworfen.

Zum Auftakt des Prozesses schwieg A. Sein Verteidiger Carsten Brunzel erklärte, dass das Gericht mehrere Fragen genau zu prüfen haben werde: Sind die in Frankreich gewonnenen Daten als Beweise verwertbar? Reichen sie aus, um Täter zu identifizieren? Und lassen sich aus den Chats überhaupt konkrete Taten feststellen? Brunzel kündigte an, er werde Beweisanträge stellen und im Zweifel der Verwertung widersprechen. Es ginge ihm nicht darum, das Gericht zu gängeln, sondern um ein rechtsstaatliches Verfahren.

Während des Prozesses werden dem Angeklagten die Handschellen abgenommen.
Während des Prozesses werden dem Angeklagten die Handschellen abgenommen. © Matthias Rietschel

Der engste Geschäftspartner von Mustafa A. soll laut Anklage Ammar R. gewesen sein, der ebenfalls seit Jahren mit der Polizei auf Kriegsfuß steht und seit Herbst 2020 eine mehrjährige Haftstrafe absitzt. R.s Name fällt bei fast jedem der neun Anklagepunkte und er scheint das Sagen gehabt zu haben. Auch er wurde längst angeklagt.

Ammar R. ist der kleine Bruder des bekannten KMN-Musikers „Nash“ alias Ali R. Es wird nicht der einzige Bezug zu der Rappergruppe in diesem Prozess sein. Am Nachmittag vernahm das Gericht den Chef einer Baudienstleistungsfirma, die gemeinsame Geschäfte mit der Immobilien-Firma von Ammar R.s Vater macht – auf einem Gelände in der Mügelner Straße.

"Unfähige Trantüte"

Es ist eine bemerkenswerte Geschäftsbeziehung, die offenbar auch dazu geführt hat, dass die Firma des gelernten Estrich-Legers von der KMN-Gang 60.000 Euro erhalten habe. „Sponsoring“ nannte das der 40-jährige Zeuge. Die entsprechende Summe habe er bar vom Manager der Gruppe in Berlin erhalten und auf die Bank gebracht, so der Geschäftsführer, bei dem offenbar mehrere Männer aus dem Umfeld der KMN-Gang einen Job gefunden hatten.

Weiterführende Artikel

Erstes Geständnis im Dresdner Krypto-Prozess

Erstes Geständnis im Dresdner Krypto-Prozess

Deutsche Gerichte haben kein Problem mit den französischen Lauschangriffen. Nun bleibt wohl nur noch ein Geständnis-Bonus.

So knacken Ermittler das "Verbrecher-Whatsapp"

So knacken Ermittler das "Verbrecher-Whatsapp"

Mit speziellen Handys wiegten sich Drogendealer auch in Sachsen in falscher Sicherheit. Doch die Ausspäh-Aktion ist rechtlich umstritten.

Zig Verfahren dank geknackter Krypto-Handys

Zig Verfahren dank geknackter Krypto-Handys

In Dresden hat der erste EncroChat-Prozess begonnen. Ermittler jubeln, doch Verteidiger kritisieren die Beweise.

Der Handwerker berichtete, dass er auch Ammar R. eingestellt habe. R. habe Aufträge akquiriert, kalkuliert und habe zuletzt auch eigene Baustellen betreut. Mustafa A. dagegen beschrieb der Zeuge als „Trantüte“, die „unfähig“ sei, weil er vom Bau keine Ahnung habe. A. habe nicht bei ihm, sondern wohl in der Immobilienfirma von Ammar R.s Vater gearbeitet, habe oft als Fahrer fungiert.

Das Gericht hat zunächst vier Sitzungstage bis zum 20. August terminiert. Aufgrund der Beweis-Problematik könnte die Verhandlung jedoch auch deutlich länger dauern.

Mehr zum Thema Sachsen