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Morgenlage in Sachsen: Wölfe; Frostschäden; Kretschmer; CSD

Schutzzäune sind für Wölfe oft kein Hindernis mehr + Ernteausfälle: Hilfen decken ein Viertel der Schäden + Nach Schmähkritik: Kretschmer verzeiht CDU-Kandidat + CSD: Polizei setzt 90 Rechtsextremisten fest

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Trotz einer hohen staatlichen Förderung zu Errichtung von Schutzanlagen für Weidetiere, werden diese Sperren von Wölfen immer öfter überwunden.
Trotz einer hohen staatlichen Förderung zu Errichtung von Schutzanlagen für Weidetiere, werden diese Sperren von Wölfen immer öfter überwunden. © dpa

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Guten Morgen,

Sie kennen ja den Spruch: Wenn man immer vom Schlimmsten ausgeht, dann freut man sich umso mehr, wenn es doch nicht so heftig kommt. Nun bin ich mir nicht so sicher, ob das wirklich eine gute Art und Weise ist, durch das Leben zu gehen, aber angesichts der Unwetter- und Katastrophenwarnungen fühlte sich das Wochenende nun fast entspannt sommerlich an - jedenfalls, abgesehen von einem Blitzeinschlag gestern Abend, hier in Dresden. Falls Sie im Raum Zwickau, im Vogtlandkreis oder in Colditz wohnen, werden Sie wahrscheinlich andere Erfahrungen gemacht haben. Von den Schäden, die vor allem im Süden Deutschlands zusammengekommen sind, ist Sachsen aber zum Glück weit entfernt.

Und so konnten am Wochenende viele Open-Air-Veranstaltungen doch wie geplant stattfinden - wenn sie nicht, wie zum Beispiel der Tag des offenen Regierungsviertels, vorsorglich abgesagt und verschoben wurden. Leider trieb das auch, man muss es so deutlich sagen, einige Idioten auf die Straße. Sie meinten, Teilnehmer des Christopher-Street-Days am Dresdner Hauptbahnhof "empfangen" zu müssen. 90 dieser Rechtsextremisten setzte die Polizei fest.

Das führt uns wieder einmal vor Augen, dass wir nicht bis nach Ungarn oder Russland schauen müssen, um Beispiele für eklatante Intoleranz zu finden. Auch hier in Deutschland wollen einige Menschen anderen Menschen vorschreiben, wen und wie sie zu lieben haben. Und so gab es am Rand der wie immer bunten Parade auch einige nachdenkliche Stimmen. "Nein, der CSD ist nicht überflüssig", sagte uns einer der Teilnehmer. "Er ist wichtiger als je zuvor." Er will deshalb auch immer weitermachen. "Bis es nicht mehr nötig ist. Ich fürchte nur, das werde ich nicht erleben."

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Woche.

Ihr Tobias Winzer, Politikredakteur Sächsische.de

Das Wichtigste am Morgen:

Schutzzäune sind für Wölfe oft kein Hindernis mehr

Trotz einer hohen staatlichen Förderung zu Errichtung von Schutzanlagen für Weidetiere, werden diese Sperren von Wölfen immer öfter überwunden. Das geht aus der Antwort von Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) auf eine Anfrage der Landtagsfraktion der Linken hervor. Gab es demnach im Jahr 2020 lediglich 28 Übergriffe, bei denen Wölfe erfolgreich geschützte Weidetiere angegriffen haben, stieg die Zahl solcher Vorfälle danach kontinuierlich an und erreichte im vergangenen Jahr mit inzwischen 153 Übergriffen einen neuen Rekordwert. Die Zahl der bei diesen Wolfsattacken geschädigten Landwirtschaftsbetriebe stieg laut dem Minister von einst 23 auf nunmehr 86 pro Jahr. Der wichtigste Grund dafür, dass die Wölfe trotzdem häufiger auch vorschriftsgemäß gesicherte Schutzanlagen überwinden, liegt laut dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie bei deutlichen Lerneffekten der Tiere. Die Behörde will nun Öffentlichkeit und Kleinsttierhaltern in Bezug auf praktische Herdenschutzmaßnahmen besser informieren. Zudem wolle man an den Beratungen für einen besseren Herdenschutz bei Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben festhalten.

Ernteausfälle: Hilfen decken ein Viertel der Schäden

Nach den Spätfrösten steht die komplette Schadenshöhe bei Sachsen Wein- und Obstbauern fest. Beim Wein liegt der durchschnittliche Ausfall pro Weingut bei 83 Prozent, wobei je nach Lage und Rebsorte große Unterschiede gibt. Auf einzelnen Flächen sei sogar ein Totalausfall zu verzeichnen. Die Ernteausfälle haben die sächsischen Winzer mit rund 34 Millionen Euro beziffert. Das ist mehr als doppelt so viel wie ursprünglich geschätzt. Auch die Obstbaubetriebe befragten ihre Mitglieder und kamen auf eine Schadenshöhe von 50 Millionen Euro. Das entspricht in etwa auch den Schätzungen. "Unsere Hoffnungen auf einen geringeren Frostschaden haben sich leider nicht erfüllt", so Verbandsgeschäftsführer Udo Jentzsch. Wie die Leipziger Volkszeitung berichtet, stellt die Landesregierung nun Hilfsgelder von insgesamt 22 Millionen Euro in Aussicht. Zwanzig Millionen Euro davon soll der Obstbau erhalten, zwei Millionen kommen Weinbauern zu Gute.

Nach Schmähkritik: Kretschmer verzeiht CDU-Kandidat

Der Reichenbacher Hendrik Böhnke bewirbt sich derzeit für die CDU um einen Platz im Stadtrat. Doch mit der Politik der Partei war er zu Corona-Zeiten gar nicht einverstanden. Wie erst jetzt bekannt wurde, war auf Böhnkes Facebookseite das Bild von Michael Kretschmer zu sehen. "Nicht mein Ministerpräsident", stand über dessen Gesicht geschrieben. Böhnke bezeichnete in einem Kommentar den Ministerpräsidenten unter anderem als "Sondermüll". Böhnke wandte sich nun schriftlich an den Ministerpräsidenten und entschuldigte sich. Kretschmer hat, wie aus seiner Sächsische.de vorliegenden Rückantwort hervorgeht, die Entschuldigung angenommen, betonte, dass die Zeit während der Pandemie eine große Belastung für alle gewesen sei. Er wünscht Böhnke für die bevorstehende Wahl "viel Erfolg" und verspricht, den Ortswehrleiter "weiterhin gern bei den Projekten der Feuerwehr in Reichenbach" zu begleiten.

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