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Sachsen

MP: „Antisemitismus ist keine Meinung“

Vor 76 Jahren wurde Auschwitz befreit. Anlässlich des Tags des Gedenkens erinnerten Politiker an die Verantwortung nachfolgender Generationen.

Michael Kretschmer (CDU, v.r.), Ministerpräsident von Sachsen, Thomas Firmenich (CDU), Bürgermeister von Frankenberg, und Iris Firmenich, CDU-Landtagsabgeordnete, legen am Mahnmal der KZ-Gedenkstätte Sachsenburg Kränze nieder.
Michael Kretschmer (CDU, v.r.), Ministerpräsident von Sachsen, Thomas Firmenich (CDU), Bürgermeister von Frankenberg, und Iris Firmenich, CDU-Landtagsabgeordnete, legen am Mahnmal der KZ-Gedenkstätte Sachsenburg Kränze nieder. © dpa

Dresden. Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus haben Vertreter verschiedener Parteien im Sächsischen Landtag an die Verantwortung nachfolgender Generationen erinnert.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat die Sachsen aufgerufen, „im Privaten und im Dienstlichen“ Stellung gegen Rassismus und Antisemitismus zu beziehen. „Antisemitismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“, sagte er am Mittwoch bei einer Kranzniederlegung an der KZ-Gedenkstätte Sachsenburg. Deutschland sei heute in der Welt überall geschätzt, weil es eine klare Haltung zur NS-Geschichte habe.

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„Hier hat im Grunde genommen vieles begonnen, was am Ende in den Holocaust hineingeführt hat“, erinnerte Kretschmer an die Rolle des Konzentrationslagers Sachsenburg in Frankenberg (Landkreis Mittelsachsen). Dort waren von 1933 bis 1937 etwa 10.000 Menschen inhaftiert; es galt als Vorläufer späterer Konzentrationslager wie Buchenwald und Sachsenhausen. Hier habe „diese menschenverachtende, bösartige Ideologie“ begonnen, Menschen zu selektieren und umzubringen, betonte Kretschmer.

Rico Gebhardt: Antifaschismus ist Verpflichtung aller

Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Rico Gebhardt, bezeichnete den Antifaschismus als „Verpflichtung aller“. „Wer denkt, es kann sich nicht wiederholen, der irrt“, zitierte er am Mittwoch den aus Chemnitz stammenden Auschwitz-Überlebenden Justin Sonder, der im vergangenen Jahr starb.

„Das Denken, das Auschwitz möglich machte, ist weiter präsent und gehört mit allen demokratischen Mitteln bekämpft - jeden Tag, an jedem Ort und durch uns alle, auch wenn in diesem Jahr viele Gedenkveranstaltungen nicht oder nur kleinen Rahmen möglich sind.“

„Auch heute, 76 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus, ist es unsere Verpflichtung, diese Gräueltaten niemals zu vergessen und niemals mehr zuzulassen. Die Erinnerung an die Millionen Opfer und das Gedenken an das von ihnen erlebte Martyrium müssen uns die Kraft und Orientierung für die Gegenwart und die Zukunft geben“, sagte der CDU-Abgeordnete Marko Schiemann und forderte „mehr für die Erinnerung zu tun“.

„Keiner kann sich rausreden“

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, habe in einer Rede Jugendlichen zugerufen: „Ihr seid nicht verantwortlich für das was geschehen ist - aber ihr seid verantwortlich, dass sich so etwas niemals wiederholt.“ „Oft sind es die lokalen Leidensgeschichten, die berühren und wachrütteln. Der Terror der Nazis fand nicht nur in Auschwitz statt. Er tobte vor den Haustüren sogenannter ehrenwerter Bürger. Viele schauten zu oder schauten weg“, betonte Frank Richter, Mitglied der SPD-Fraktion im Landtag.

Die Verbrechen hätten begonnen lange bevor die Nazis an die Macht kamen. „Das gelang den Nazis auch deshalb, weil Nicht-Nazis es erlaubten. Ignorante, gleichgültige und sympathisierende Bürger haben sich mitschuldig gemacht. Heute gilt das Gleiche: Keiner kann sich rausreden“, unterstrich Richter. Wer Rechtsextremismus, Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus nicht widerspreche, sei mitverantwortlich, wenn sich das erneut festsetze und ausbreite.

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Am 27. Januar 1945 hatte die Rote Armee die wenigen Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz befreit. Seit 1996 dieser Tag in Deutschland der Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Die Vereinten Nationen erklärten ihn 2005 zusätzlich zum internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. (dpa)

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