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Sächsische Schweiz: Gaststätten droht das Aus

Die aktuelle Corona-Schutzverordnung stellt die Gastro-Szene erneut vor Herausforderungen. Einige Wirte haben bereits zu gemacht, andere denken um.

Von Mareike Huisinga
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In der Gastronomie gilt 2G. Einige Wirte im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge reagieren mit Schließungen.
In der Gastronomie gilt 2G. Einige Wirte im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge reagieren mit Schließungen. © dpa

Erneut ist die Gastronomie von den aktuell geltenden Regeln zur Eindämmung des Coronavirus hart betroffen. Seit dem 22. November dürfen Gaststätten nur noch von 6 bis 20 Uhr öffnen. Es gilt die 2G-Regel. Im Klartext: Wer nicht genesen oder geimpft ist, darf weder Sauerbraten mit Klößen noch Schnitzel mit Bratkartoffeln genießen. Wie Gastwirte damit umgehen? Sächsische.de hörte sich in Pirna und der Sächsischen Schweiz um.

Schließungen und Außer-Haus-Verkauf

Für Unternehmer Marcus Galle aus Pirna ist klar: "Die neue Regelung bedeutet, dass wir Umsatzeinbußen haben." In welcher Höhe, kann er noch nicht sagen. Dennoch hat er ein gewisses Verständnis für die Maßnahmen. "Wenn ich mir die Belegung der Betten in den Krankenhäusern ansehe, ist klar, dass etwas passieren musste", sagt Galle, der das Schloßcafé auf dem Pirnaer Sonnenstein sowie das Restaurant Canaletto auf dem Markt in der Altstadt betreibt.

Allerdings hat er Zweifel, ob die 2G-Regelung für die Gastronomie die richtige Entscheidung war. "Denn auch Geimpfte können das Virus weiterreichen. Und für mich ist es nicht nachvollziehbar, warum negativ getestete Personen ohne Symptome nicht in ein Lokal gehen dürfen", sagt Marcus Galle. Denn besonders die Gastronomie hätte in der Vergangenheit zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um das Virus einzudämmen. "Zum Beispiel haben wir eine neue Spülmaschine, die besonders heiß wäscht. Unsere Mitarbeiter tragen alle Mundschutz und die Tische werden ständig desinfiziert", zählt er auf. Der Pirnaer kann nicht ausschließen, dass er das Restaurant Canaletto vorübergehend schließen muss. "Denn die Betriebskosten sind unter 2G höher als die Einnahmen", weiß er.

Auch das Restaurant Lazy Laurich in Pirna-Copitz hat bereits auf die neue Corona-Schutzverordnung reagiert. "Wir haben nur noch am Wochenende, also von Freitag bis Sonntag geöffnet", informiert Marketingleiter Franz Philip Seidel. Die 2G-Regeln werden akribisch von den Mitarbeitern kontrolliert. "Die Kunden haben dafür Verständnis", sagt Seidel, der mit Umsatzeinbußen rechnet, die er derzeit noch nicht beziffern kann.

Ganz geschlossen hat diese Woche das Restaurant Platzhirsch am Pirnaer Markt. Allerdings nur für die Bewirtung vor Ort. Wie eine Mitarbeiterin erklärt, bietet das Lokal einen Außer-Haus-Verkauf am Freitag und am Sonnabend an. "Wie wir nächste Woche öffnen, muss die Geschäftsleitung noch entscheiden", sagt die Angestellte.

Zu gemacht hat auch Barthel's Restaurant in Bad Schandau, wie per Anrufbeantworter mitgeteilt wird. Mit der gesamten neuen Regelung könne man nicht leben, heißt es. Silvio Leuner, Inhaber des Gasthofes Porschdorfer Einkehr, geht einen anderen Weg. "Wir richten uns nach den aktuellen Vorgaben und haben montags bis donnerstags von 16 bis 20 Uhr geöffnet", so der Gastwirt. 2G werde in der Gaststätte per Smartphone geprüft. Zwar zeigten die Gäste Verständnis, dennoch hält Leuner die Bedingungen nicht für ideal. "Es ist nicht die Wunschvorstellung eines Wirtes, seinen Gast zu kontrollieren. Da fehlt die sonst übliche Lockerheit", sagt er.

Citymanagement Pirna: Auch Weihnachtsfeiern fallen aus

Auch das Citymanagement Pirna hat starke Bauchschmerzen mit der neuen Regelung. "Für die Pirnaer Gastronomen gestaltet sich diese Situation als schwierig. Mit Umsetzung der 2G-Regel hat sich im Laufe der vergangenen Tage ganz klar herausgestellt, dass kaum ein Restaurant wirtschaftlich genug sein kann, um den regulären Betrieb problemlos weiterzuführen", sagt Dina Stiebing vom Citymanagement. Die zeitliche Einschränkung schmälere das Umsatzfenster der potenziellen Gäste am Abend zusätzlich und so hätten sich bereits einige Gastwirte entschieden, vorübergehend zu schließen oder nur noch To-go-Service zu anzubieten. "Außerdem wurden Weihnachtsfeiern abgesagt, da Ungeimpfte ausgeschlossen wären und ein familiäres Beisammensein so nicht möglich ist. Somit bricht diese feste Komponente komplett weg, und bereits einkalkulierte Umsätze entfallen", führt Stiebing aus.

Aber sie sieht nicht nur die Situation der Gastronomen. Auch für den Einzelhandel sei 2G ebenso eine Herausforderung, da viele Kunden ausbleiben und große Unsicherheit spürbar ist, ob sich das geöffnete Geschäft überhaupt wirtschaftlich trägt. Click & Collect werde teilweise wieder aktiviert, um Kunden auch an der Tür zu bedienen und wichtige Einnahmen zu generieren. "Wir hoffen, dass all unsere Pirnaer Dienstleister, Gastronomen und Händler diese schwierige Zeit überstehen und freuen uns über jeden Kunden, der lokale Angebote in Anspruch nimmt", sagt Dina Stiebing.

Dehoga: Situation ist dramatisch

Als dramatisch schildert Axel Klein, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Sachsen (Dehoga), die Lage der Gastronomen und untermauert dies mit konkreten Zahlen. "Die momentanen Einschränkungen bedeuten für unsere Gastronomen und Hotels Umsatzeinbußen in Höhe von 80 bis 90 Prozent. Es ist damit zu rechnen, dass sich diese Situation auch nicht schnell verbessert", betont der Experte. Einige wenige Betriebe konnten einen Teil Ihres Umsatzes auf außer Haus Geschäft umstellen. Für die meisten sei dies aber keine Lösung. "Die Stimmungslage ist angespannt und Verzweiflung macht sich breit", gibt Klein die aktuelle Atmosphäre in der Gastro-Szene wieder.

Eindringlicher Appell an die Gäste

Neben den wirtschaftlichen Sorgen gelte es, auch die Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Unternehmen müssten erneut Kurzarbeit anmelden. Hilfe dabei kommt von dem Branchenverband des Gastgewerbes. "Wir unterstützen die Unternehmen mit Informationen auf der Homepage der Dehoga Sachsen und in wöchentlichen Unternehmerchats. Es ist zum Beispiel wichtig zu wissen, was man bei einer Schließung zu beachten hat, ohne den Anspruch auf Kurzarbeitergeld und Überbrückungshilfe zu verlieren. Allein die Begründung, dass man 2G nicht umsetzen möchte, reicht da nicht", führt Axel Klein aus.

Darüber hinaus prüfe die Dehoga, ob die teilweise einseitigen Einschränkungen der Unternehmen rechtskonform sind und die entsprechenden Schäden ersetzt werden. "Wir hoffen auf das Verständnis unsere Gäste und brauchen deren Unterstützung. Nehmen Sie die Angebote im Rahmen der Öffnungszeiten war oder nutzen Sie unsere Außer-Haus-Angebote", appelliert der Dehoga-Chef. Es hört sich nach einem Hilfeschrei an.