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Bielatal: Wildschwein attackiert Wanderer

Am Osterwochenende ging eine Bache nahe der Schweizermühle auf Spaziergänger los. Eine Begegnung, die glimpflich ausging - aber gefährlich ist.

Mit Vorsicht zu genießen: eine Bache mit ihren Frischlingen.
Mit Vorsicht zu genießen: eine Bache mit ihren Frischlingen. © Arvid Müller

Eigentlich sollte es ein schöner Ausflug ins Bielatal werden: zum Erholen, Entspannen und Kraft tanken. Doch für eine kleine Gruppe Wanderer endete der Ostertag alles andere als ruhig. Sie war am frühen Sonnabendnachmittag auf dem Forststeig zwischen der Ottomühle und der Schweizermühle unterwegs. Das Bielatal ist bei Touristen und Ausflüglern das ganze Jahr über beliebt, im Sommer vor allem bei den Kletterern.

Etwa in Höhe der Modelleisenbahn, die hier in einem Vorgarten zur kleinen Touristenattraktion geworden ist, passierte es: Wie aus dem Nichts tauchte ein Wildschwein auf und ging auf die Wanderer los. Diese konnten sich vor dem aufgescheuchten Tier gerade noch in Sicherheit bringen. Verletzt wurde niemand.

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Notruf landet bei Polizei

Der Schock bei den Wanderern sitzt jedoch tief, berichten Anwohner der Schweizermühle, die den Vorfall mitbekommen hatten. Die Ausflügler hätten in ihrer Not sogar den Notruf gewählt. Laut Polizeidirektion Dresden hätte es am 3. April, gegen 13.30 Uhr, einen Hinweis gegeben, dass eine Gruppe Wanderer von Wildschweinen angegriffen wird. "Die Polizei hat daraufhin den zuständigen Jagdpächter informiert", teilt Rocco Reichel, Sprecher der Polizeidirektion Dresden, mit. Mehr hätte man nicht tun können.

"Da hilft nur vorsichtiger Rückzug", weiß Christian Schmidt, der als Revierförster für das Gebiet um die Ottomühle zuständig ist. Von dieser konkreten Wildschweinattacke am Osterwochenende nahe seinem Revier weiß der Mitarbeiter des Forstbezirks Neustadt zwar nichts. Solche Begegnungen seien gerade jetzt im Frühling aber nicht selten.

Bache verteidigt Nachwuchs

Schmidt vermutet, dass es sich bei dem Tier um eine Bache gehandelt hat, die ihren Nachwuchs vor den Wanderern verteidigen wollte. Ein typisches Verhalten bei Wildtieren, wenn sie sich bedrängt oder gestört fühlen. "Tagsüber sind solche Angriffe aber eher unwahrscheinlich", erklärt Christian Schmidt. Auch auf Wanderwegen würden sich Wildschwein und Mensch eher selten begegnen. Wildschweine seien intelligent. Sie wüssten, wo sie ihre Ruhe finden.

Wanderer, die aber im Wald querfeldein unterwegs sind und abseits der ausgeschilderten Wege laufen, hätten ein viel größeres Risiko, von Wildschweinen überrascht zu werden. Gerade zu dieser Jahreszeit.

Denn bereits ab Januar bekommen die Tiere Nachwuchs. Die Frischlinge werden in einem sogenannten Wurfkessel geboren. Dabei handelt es sich um ein Lager, das die Bache aus Blättern, Sträuchern und Moos baut. Zwei bis drei Wochen bleiben die Jungtiere mit ihrer Mutter in dem sicheren Nest. Erst dann sind sie kräftig genug, um es zu verlassen.

Gerade in dieser ersten Zeit, in der die Frischlinge im Nest liegen, seien die Bachen äußerst wachsam und auf der Hut, erklärt der Revierförster. Wenn Wanderer dem Kessel dann zu nahe kommen, könne ein Angriff folgen.

200 Kilo Kampfgewicht und scharfe Zähne

Wildschweine sind grundsätzlich friedliche Tiere. Sie haben Angst vor dem Menschen und sind nicht aggressiv. Wenn sich die Tiere allerdings bedroht fühlen, dann wechseln sie in den Angriffsmodus. Menschen könnten von Wildschweinen schwer verletzt werden. Denn die haben neben ihrer gewaltigen Körpermasse von bis zu 200 Kilogramm auch scharfe Zähne.

Bei einer Begegnung sollten Menschen Ruhe bewahren und sich langsam zurückziehen. Die Tiere sollten nicht eingeengt werden und ebenfalls die Chance zum Rückzug haben. Ob die Wanderer im Bielatal das Wildschwein womöglich bedrängt haben, kann Schmidt nicht sagen. Irgendetwas müsse die Bache aber aufgeschreckt haben.

Nicht nur im Hinblick auf Wildschweine sollten Waldbesucher generell vorsichtig sein. Auch andere Tiere schützen ihren Nachwuchs. "Bald geht es bei den Rehen los", sagt der Förster. Das Bielatal sei auch bei Uhus ein beliebtes Brutgebiet. Ruhe und ausreichend Abstand zu den Tieren seien dann besonders wichtig. "Wanderer sollten deshalb immer auf den Wegen bleiben und nicht mitten durch die Bestände laufen", sagt Christian Schmidt.

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