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Das Feuer im Nationalpark ist aus

Der Waldbrand in der Sächsischen Schweiz ist gelöscht. Auf einen Hubschrauber warteten die Ranger aber vergebens.

Was bleibt: etwa 1.600 Quadratmeter verkohlter Waldboden in de Kernzone des Nationalparks.
Was bleibt: etwa 1.600 Quadratmeter verkohlter Waldboden in de Kernzone des Nationalparks. © Marko Förster

Letztendlich kam die Unterstützung aus der Luft. Aber nicht so, wie der Laie es vermuten würde. Kein Hubschrauber trug das Wasser in das abgelegene Waldstück am hinteren Ende des Großen Zschands. Der Regen des vergangenen Wochenendes war es, der den Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz schließlich löschte. 

Das passierte nicht von allein. Mitarbeiter der Nationalparkwacht hatten zuvor mit Netzmittel versetztes Wasser zu Fuß zum Brandort hinaufgetragen und die Fläche damit besprüht. Das Netzmittel bricht die natürliche Oberflächenspannung des Wassers auf. Der Regen konnte so in den Boden eindringen, anstatt an der Oberfläche abzuperlen. 

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Parallel dazu sammelten die Ranger das Regenwasser mit einer Folie, die sie auf nicht brennenden Nachbarflächen aufgespannt hatten, und leiteten es in eine Rinne, die befeuchtet wurde, um ein Ausbreiten des Brandes zu verhindern.

Dank dieser Strategie konnte das Feuer schließlich am Sonnabendnachmittag als gelöscht gelten, wie Nationalparksprecher Hanspeter Mayr erklärt. Der Nationalparkchef Ulf Zimmermann war am Sonntagvormittag noch einmal persönlich zum Kontrollgang auf das Felsriff an der Grenze zu Tschechien gestiegen und fand dort eine weitgehend abgekühlte Brandfläche ohne jegliche Rauchentwicklung vor. Auch am Dienstag wurde die Fläche nochmals kontrolliert.

Mit Löschrucksäcken und durch Ziehen eines Grabens dämmte die Feuerwehr den Brand ein.
Mit Löschrucksäcken und durch Ziehen eines Grabens dämmte die Feuerwehr den Brand ein. © Marko Förster

Damit hat es eine Woche lang gebrannt. Wanderer hatten am 19. September aufsteigenden Rauch über dem Wald im Schmilkaer Gebiet gemeldet. Mit Hilfe eines zufällig in der Nähe befindlichen Rettungshubschraubers konnte der Brandherd auf einem Riff zwischen dem Grenzweg und dem Klettergipfel Schwarzschlüchteturm entdeckt werden. 

25 Feuerwehrleute aus Bad Schandau und Ottendorf machten sich auf den Weg in das unwegsame Gelände. Sie konnten den Brand zwar eindämmen und eine Furche rings um die glühende Waldfläche ziehen, zum vollständigen Löschen fehlte aber das Wasser. Der Brandort befindet sich in schwer zugänglichem Gelände in der Kernzone des Nationalparks. Vom letzten befahrbaren Weg bis auf das Felsriff sind es 45 Minuten zu Fuß bergauf. 

Acht Tage Arbeit mit Hacke und Spaten

Das war eine Woche lange der Arbeitsweg für die eingesetzten Mitarbeiter der Nationalparkwacht. Mindestens zwei Kollegen haben tagsüber in zwei Schichten Brandwache gehalten. Über acht Tage lang haben Sie mit Hacke und Spaten ununterbrochen das Aufflammen des Waldbodens unterdrückt. Die Ranger konnten teils nur zehn Minuten auf der Fläche bleiben, dann begannen ihre Schnürsenkel zu brennen, so groß war die Hitze im Boden. Schließlich konnten sie verhindern, dass das Feuer auf Waldbereiche mit abgestorbenen Fichten übergreift. 

Handarbeit bei extremer Hitze im Boden: Mit Hacke und Spaten konnte die Nationalparkwacht ein Ausbreiten des Bodenbrands verhindern.
Handarbeit bei extremer Hitze im Boden: Mit Hacke und Spaten konnte die Nationalparkwacht ein Ausbreiten des Bodenbrands verhindern. © Marko Förster

Die Maßnahmen waren mit Kreisbrandmeister Karsten Neumann abgestimmt, der ebenfalls regelmäßig vor Ort war. "Unter den besonderen Witterungsbedingungen haben wir uns abschließend dazu entschlossen den Boden kontrolliert brennen zu lassen", erklärt der Feuerwehrexperte. Der Brand wurde dabei in seinen äußeren Flanken begrenzt. Der reichliche Regen ab vergangenen Freitag hat diese Strategie unterstützt. 

"Sicher war diese Entscheidung und der eingetretene Einsatzerfolg durchaus ein Einzelfall", sagt Neumann. Der Kreisbrandmeister hatte zuvor versucht, einen Hubschrauber zu bekommen, der entweder aus der Luft löschen oder zumindest Löschwasser und Material näher an den Brandort heranfliegen kann. Es war jedoch keine Maschine mit der passenden Technik verfügbar. 

Was bleibt, sind etwa 1.600 Quadratmeter verkohlter Waldboden im Nationalpark. Das betroffene Riff befindet sich in der Kernzone, die nicht betreten werden darf. Eine Feuerstelle konnte nicht gefunden werden. Eine natürliche Brandursache lässt sich Experten zufolge aber ausschließen.  

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