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Die Drohnenpiloten vom DRK

Das Sebnitzer DRK kann jetzt mit Luftunterstützung nach Vermissten suchen. Die Retter dürfen sogar im Nationalpark starten.

Jan Koberger (li.) und Eike Hirsch vom DRK Sebnitz mit ihrem fliegenden Auge.
Jan Koberger (li.) und Eike Hirsch vom DRK Sebnitz mit ihrem fliegenden Auge. © Steffen Unger

Ein Freitagabend, kurz vor 22 Uhr: Ein australischer Urlauber hat sich am Goldsteig verirrt, einem schmalen Wanderpfad weit draußen in der Sächsischen Schweiz. Es wird immer dunkler, der Handyakku geht zur Neige, der Tourist weiß weder vor noch zurück und wählt schließlich den Notruf. 

Jan Koberger, Kreisbereitschaftsleiter beim DRK Sebnitz, hat mehr als einmal einen solchen Einsatz miterlebt. Die Retter der Bergwacht machten sich damals von zwei Seiten mit Stirnlampen bewaffnet auf den Weg, um den Mann im unwegsamen Gelände zu finden. Das ist auch für sie nicht ungefährlich und kostet vor allem Zeit. 

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In Not geratene Wanderer oder Kletterer aufzuspüren, ist meist die erste Herausforderung bei Rettungseinsätzen im Elbsandsteingebirge. Die Betroffenen oder ihre Ersthelfer wissen oft nur grob, wo sie sich überhaupt befinden. Schon ein paar Meter Abweichung können in der zerklüfteten Felslandschaft aber einen erheblichen Umweg ausmachen - je nachdem, ob sich die Unglücksstelle oben auf einer Felsgruppe oder an deren Fuß befindet. 

Wärmebildkamera findet Vermisste

Künftig können die Retter leichter auf Unterstützung aus der Luft zurückgreifen. Das DRK in Sebnitz hat eine Drohne angeschafft, die genau für solche Fälle gedacht ist. Das Fluggerät ist mit einer 20-Megapixel-Kamera ausgestattet, deren Bilder auf ein Display an der Fernbedienung oder auf einen Monitor im Einsatzfahrzeug übertragen werden. Optional lässt sich auch eine Wärmebildkamera unter die mit sechs Rotoren fliegende Drohne schrauben. Gerade bei Dunkelheit sind Vermisste so besser zu finden.

"Die Drohne ist innerhalb von zwei Minuten startklar", sagt Jan Koberger. Von Sebnitz aus ist die Einsatzgruppe zügig in den Wander- und Klettergebieten rings um das Kirnitzschtal. Ein Hubschrauber steht mitunter nicht immer sofort zur Verfügung. Im rechtselbischen Bereich zwischen Sebnitz, Bad Schandau und Dürrröhrsdorf-Dittersbach war eine solche Drohnen-Technik bisher nicht vorrätig. 

Mit ihrem Fluggerät dürfen die Piloten vom DRK auch über dem Gebiet des Nationalparks Sächsische Schweiz starten. Das ist sonst streng verboten - vor allem zum Schutz von Vögeln wie den seltenen Wanderfalken. Für Rettungseinsätze gilt eine Ausnahme, erklärt Kreisbereitschaftsleiter Jan Koberger. 

Sechs Mitarbeiter des Sebnitzer Kreisverbands, hauptamtliche und Ehrenamtler, haben sich für die Steuerung der Drohne in Theorie und Praxis ausbilden lassen. Sicherheit, Datenschutz, die Luftverkehrs-Ordnung und schließlich das praktische Fliegen standen auf dem Plan. Geflogen wird immer zu zweit: Einer steuert die Drohne, der zweite bedient die Kamera und sichtet das Bild. 

Die Drohneneinsätze laufen, ähnlich denen der Bergwacht, generell ehrenamtlich ab. Brauchen Polizei oder Feuerwehr einen zusätzlichen Blick von oben, wird die Drohnengruppe alarmiert. 

Glutnester suchen bei Waldbränden

Neben der Suche nach Vermissten liefert die Drohne auch bei Waldbränden in der Sächsischen Schweiz wertvolle Informationen. Über die Wärmebildkamera können versteckte Glutnester aufgespürt werden. Weitere Einsatzszenarien sind Unfälle auf der Autobahn, in die viele Fahrzeuge verwickelt sind oder Naturkatastrophen wie Hochwasser - generell alle Ereignisse, bei denen es hilfreich ist, sich einen Überblick aus der Luft zu verschaffen. Die Drohne hilft gleichzeitig dabei, die Einsatzkräfte am Boden zu koordinieren.    

Ihre ersten Einsätze haben die Sebnitzer Drohnenpiloten schon hinter sich. Bei einer Suchaktion im Schrammsteingebiet wurden sie von der Bergwacht angefordert. Jemand hatte Hilferufe gehört, die genaue Lage war unklar, ein Hubschrauber kurzfristig nicht verfügbar. Letztlich erwies sich das Ganze als Fehlalarm. Weder die Drohne, noch der später hinzukommende Hubschrauber konnten einen hilfsbedürftigen Menschen entdecken. 

Anders Mitte Juli am Pfaffenstein. Dort waren die Sebnitzer bei der Suche nach einer 70-Jährigen beteiligt, die einen unwegsamen Pfad nicht mehr allein zurückkam. Die Wanderin konnte gerettet werden.   

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