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So lief die Tourismussaison in der Sächsische Schweiz

Nach dem Ansturm im Sommer 2020 kamen dieses Jahr weniger Gäste. Tino Richter vom Tourismusverband erklärt die Gründe - und wie es weitergeht.

Von Dirk Schulze
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Wintertraumlandschaft im Januar 2021 auf der Bastei. Übernachtungsgäste durften erst im Juni der Sächsischen Schweiz anreisen.
Wintertraumlandschaft im Januar 2021 auf der Bastei. Übernachtungsgäste durften erst im Juni der Sächsischen Schweiz anreisen. © Marko Förster

Nach dem Rekordsommer 2020 in der Sächsischen Schweiz waren die Erwartungen für die Saison 2021 hoch. Letztlich kamen aber weniger Gäste. Woran hat es gelegen?

Das Jahr 2020 war in jeder Hinsicht ein Ausnahmejahr. Nach dem ersten Lockdown ist die Nachfrage nach Urlaub in Deutschland extrem gestiegen und die Sächsische Schweiz konnte durch ihre hohe Bekanntheit und ihr gutes Image überdurchschnittlich von diesem Trend profitieren. In allen Monaten, in denen Beherbergung möglich war, lagen die Steigerungen bei den gewerblichen Übernachtungen im zweistelligen Bereich und erreichten sogar 21,5 Prozent im September. So war es zu erwarten, dass dieses Niveau im Jahr 2021 auf keinem Fall wieder zu erreichen ist – auch weil Auslandsreisen 2021 wieder sicherer erschienen und sich eine gewisse Routine im Umgang mit den Corona-Bedingungen eingestellt hat.

Wie war der Start in die Saison 2021?

Zusätzlich konnte unsere Branche im Jahr 2021 erst deutlich später starten. Die Öffnung erst Mitte Juni war auch im Vergleich zu anderen Reisezielen sehr spät. So ist ein Großteil der Frühjahrsbuchungen an der Sächsischen Schweiz vorbeigegangen. Deutlich wurde auch, dass nach dem sehr langen Lockdown von 7,5 Monaten nicht alle Unternehmen sofort von 0 auf 100 hochfahren konnten. Gerade bei größeren Beherbergungsbetreiben ist eine Vorlaufzeit notwendig und auch das Personal muss erst gefunden und wieder eingearbeitet werden. Somit waren in den ersten Wochen noch nicht alle Kapazitäten voll am Netz. Von August bis Oktober 2021 konnten zwar weniger Gäste als 2020 begrüßt werden, aber jeweils immer noch circa 10 Prozent mehr als 2019.

Nach einer verkürzten Sommersaison fällt nun coronabedingt zum zweiten Mal auch die Wintersaison in der Sächsischen Schweiz aus. Was bedeutet das für die Branche?

Das ist erneut ein herber Rückschlag. Gemeinsam mit vielen Partnern haben wir auch die Wintersaison 2021/2022 intensiv vorbereitet. Viele Touristiker haben sich speziell für den Winter neue Angebote einfallen lassen und auch investiert. Es wäre eine Chance gewesen, die Sächsische Schweiz weiter erfolgreich als Winter-Reiseziel bekannt zu machen und Verluste aus dem Jahr noch aufzuholen. Ein wesentlicher Aspekt unserer Kampagne „Winter-Traum“ ist es, die ganzjährige Beschäftigung in der Tourismusbranche zu sichern. Das konnte nun abermals nicht gelingen und neben den fehlenden Umsätzen droht sich nun die Arbeitskräftesituation weiter zu verschärfen.

Ein Streitthema waren 2021 die unpassierbaren Wanderwege im Nationalpark. Wie hat sich die Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung entwickelt?

Wir pflegen schon lange eine intensive und gute Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz. Ein wichtiges Anliegen ist es, den Besuchern die Besonderheiten unseres Nationalparks nahezubringen. Dazu stimmen wir uns in der Kommunikation eng ab und arbeiten zusammen. Entstanden sind so zum Beispiel Artikel in unserem Urlaubsmagazin und unseren Online-Medien, die den Gästen den fortschreitenden Waldumbau besonders durch die starken Einflüsse des Borkenkäfers erläutern.

Werben für die Saison 2022: Tino Richter (re.), Geschäftsführer des Tourismusverbands Sächsische Schweiz, und Landrat Michael Geisler (CDU), der Vorsitzende des Verbands.
Werben für die Saison 2022: Tino Richter (re.), Geschäftsführer des Tourismusverbands Sächsische Schweiz, und Landrat Michael Geisler (CDU), der Vorsitzende des Verbands. © Marko Förster

In diesem Jahr kam es trotzdem zum Konflikt, was in einem Brandbrief von Landrat, Bürgermeistern und Tourismusverband an den Ministerpräsidenten gipfelte.

Im Frühjahr dieses Jahres hatten wir die Befürchtung, dass die touristische Bedeutung unterschätzt wird. So forderten wir im Mai 2021 die Nationalparkverwaltung auf, langfristig und vorausschauend Szenarien zu erarbeiten.

Wir mussten befürchten, dass weit über 100 Kilometer Wegenetz direkt von Sperrungen betroffen sein könnten. Das hätte eine extreme Ausdünnung des Wegenetzes bedeutet, weil damit auch wichtige Verbindungen und Rundwege gekappt worden wären.

Sind Sie zufrieden mit dem aktuellen Stand, was Wege und Besucherlenkung angeht?

Seitdem hat sich viel getan und wir haben das Gefühl, dass unsere Befürchtungen ernst genommen wurden. Inzwischen werden zusätzliche Ressourcen eingesetzt, um die Wegesperrungen zu vermeiden. Wir sind dankbar, dass dadurch viele Wege wieder begehbar geworden sind. An diese Zusammenarbeit werden wir weiter anknüpfen und planen auch im Jahr 2022 wieder einen engen Austausch. Die Sicherung des Wegenetzes und die Erarbeitung einer Konzeption zur Besucherlenkung unter Führung der Nationalparkverwaltung werden weiterhin sehr wichtige Themen sein.

In der Vergangenheit waren fehlende Wohnmobil-Stellplätze ein Thema. Wird der Trend zum Wohnmobil-Urlaub anhalten? Braucht die Sächsische Schweiz mehr Caravanplätze?

Der Trend zum Wohnmobil-Urlaub ist ungebrochen. Im Jahr 2021 hat sich die Lage für die Sächsische Schweiz wieder etwas entspannt, da auch wieder mehr Reiseoptionen ins Ausland zur Verfügung standen. Nichtsdestotrotz gehen wir in diesem Segment auch für unsere Region von einer stabilen Nachfrage aus. Dafür brauchen wir ein stabiles Netz an qualitativ guten Caravanplätzen, die auch die notwendige Infrastruktur für Ver- und Entsorgung bieten.

Mit welchen Erwartungen blicken Sie auf die Tourismussaison 2022? Was wünschen Sie sich?

Wir blicken mit viel Optimismus auf das Jahr 2022. Die große Nachfrage bei uns nach Informationsmaterial - wir haben mehr als 24.000 Info-Briefe im Jahr 2021 verschickt - und auf unseren Online-Angeboten bestätigt uns in unserem Optimismus, dass es an Gästen nicht mangeln wird. Wenn wir drei Wünsche freihätten dann wären das folgende: Erstens: Stabile Rahmenbedingungen mit der durchgängigen Öffnung der touristischen Angebote. Zweitens: Ausreichend Arbeitskräfte in unseren Tourismusbetrieben. Und Drittens: Achtsame Gäste, die den Wert unserer Natur und die Gastfreundschaft unserer Einwohner schätzen.