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Sächsische Schweiz: Verunglückter Uhu vom Straßenrand gerettet

Der Vogel saß klatschnass am Straßenrand. Vogelexperte Ulrich Augst vom Nationalpark hat ihn aufgesammelt. Noch will er nicht fliegen.

Von Dirk Schulze & Mike Jäger
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Vogelexperte Ulrich Augst vom Nationalpark hat den patschnassen Uhu gerettet.
Vogelexperte Ulrich Augst vom Nationalpark hat den patschnassen Uhu gerettet. © Mike Jäger

Ein Taxifahrer hatte den Uhu am Mittwoch zum ersten Mal in der Nähe von Kohlmühle in der Sächsischen Schweiz am Straßenrand sitzen sehen. Als der Vogel kurz darauf auf der Rückfahrt noch immer an derselben Stellen hockte, war klar, dass etwas nicht stimmte. Der Fahrer rief bei der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz an. Sofort machte sich Vogelexperte Ulrich Augst auf den Weg.

An der Fundstelle im Sebnitztal angekommen, fand Augst einen klatschnassen Vogel vor, der offensichtlich nicht mehr fliegen konnte. Es handelt sich um ein junges Weibchen, das erst in dieser Saison geschlüpft und noch kein Jahr alt ist, erkennt der Experte.

"Wahrscheinlich ist der Uhu in den Bach gefallen", sagt Ulrich Augst. Am Fundort des Uhus fließt ein kleiner Zufluss des Sebnitzbachs, direkt daneben verläuft der Weidezaun einer Schafweide. Es könnte sein, dass der junge Vogel an dem Zaun hängengeblieben und dann in den Bach gestürzt ist, vermutet Augst. Anders lasse sich das komplett durchnässte Federkleid kaum erklären. Am Tag vor dem Fund hat es nicht geregnet. Eventuell war das Tier auch aus anderen Gründen geschwächt.

Uhu unverletzt, aber schlapp

Verletzt ist der Vogel nicht. Es ist kein Blut zu sehen, und es sind keine Knochen gebrochen. Auch die Reflexe funktionieren: Der Uhu hackt, schnappt und faucht. Zwei kleine Bisswunden hat Ulrich Augst bei der Bergung davon getragen. Ein Handtuch greift der Vogel mit seinen Krallen wie Beute. Der Appetit stimmt ebenfalls: Dreimal hat Ulrich Augst den Uhu von Mittwoch zu Donnerstag gefüttert.

Ulrich Augst (li.) und Ronny Goldberg, Artenschützer bei der Nationalparkverwaltung, wollten die Uhudame am Donnerstag wieder freilassen. Doch noch wollte sie nicht fliegen.
Ulrich Augst (li.) und Ronny Goldberg, Artenschützer bei der Nationalparkverwaltung, wollten die Uhudame am Donnerstag wieder freilassen. Doch noch wollte sie nicht fliegen. © Mike Jäger

Am Donnerstagfrüh dann wollten die Artenschutzexperten des Nationalparks das Uhuweibchen wieder in die Freiheit entlassen. In einem Pappkarton ging es auf eine große Wiese. Nur losfliegen wollte der Vogel nicht. Vielleicht ist er noch zu geschwächt, vermutet Ulrich Augst. Momentan ist der Uhu bei einem freien Mitarbeiter der Wildvogelauffangstation Dresden-Kaditz untergekommen. Sobald er bei Kräften ist, soll er freigelassen werden.

Das Uhuweibchen ist vermutlich auf der Suche nach einem eigenen Revier umhergeflogen als das Unglück passierte, erklärt der Vogelexperte. Das könnte schwierig werden, da in der Sächsischen Schweiz eigentlich alle Uhu-Reviere belegt sind. Es sei denn, das Weibchen findet ein passendes Männchen mit Revier zur Paarung.

Im Gegensatz zum Wanderfalken, wo die Bruterfolge in diesem Jahr alarmierend zurückgegangen sind, ist die Situation der Uhus im Nationalpark Sächsische Schweiz entspannter. Von acht Brutpaaren in der Saison 2020/21 haben sieben erfolgreich Jungvögel aufgezogen. Ob das aufgefundene Uhuweibchen eins von ihnen ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, denn die Uhus werden nicht generell beringt.