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Wenn Ranger die Rote Karte ziehen müssen

Fäkalien im Wald und zugeparkte Wanderwege: In der Sächsischen Schweiz halten sich nicht alle Ausflügler an die Regeln. Das sind die häufigsten Verstöße.

Revierförster und Naturschutzwart in einem: Olav Spengler bekommt von Landesforstpräsident Utz Hempfling (re.) einen neuen Dienstausweis.
Revierförster und Naturschutzwart in einem: Olav Spengler bekommt von Landesforstpräsident Utz Hempfling (re.) einen neuen Dienstausweis. © Steffen Unger

Manchmal müssen Förster nicht nur den Wald pflegen, sondern auch Polizei spielen. Und zwar dann, wenn sich Waldbesucher nicht an die geltenden Spielregeln halten. Dieser "Nebenjob" ist in diesem Sommer besonders häufig gefragt. Der Grund ist der Touristenboom in der Sächsischen Schweiz. In der Corona-Krise ist die Zahl der Waldbesucher enorm angestiegen. Das belegen neueste Zahlen. Waren es im vergangenen Jahr geschätzt 2,5 Millionen, sind es bis jetzt bereits an die 3,5 Millionen Menschen, die zum Wandern, Klettern und Erholen ins Elbsandsteingebiet strömen.

 "Der Andrang ist hoffentlich kein Dauerzustand", sagt Ulf Zimmermann, Leiter der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz. Was gut sei für die hiesige Wirtschaft, vor allem die Gastronomie und Hotellerie, habe beim Naturschutz seine Grenzen. Damit die Natur nicht zu sehr unter den Millionen Touristen leide, müssen Spielregeln eingehalten werden. 

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Auf diese achten nicht nur die Revierförster des Forstbezirkes Neustadt. Seit 2002 werden sie im Bereich des Landschaftsschutzgebietes Sächsische Schweiz zusätzlich von speziell ausgebildeten Forstwirten unterstützt. Die sogenannten Forstranger haben ebenfalls hoheitliche Aufgaben. Sie kontrollieren, dass sich alle Besucher an die Gesetze halten und können auch Ordnungswidrigkeiten ahnden.

"Weder unsere Förster noch unsere Ranger sind wirklich erpicht darauf, Ordnungswidrigkeiten zu erlassen", erklärt Nationalparkchef Zimmermann. Viel lieber würden sie die Besucher auf die Schönheit der Natur hinweisen. Dennoch müssten sie manchmal die "Rote Karte" ziehen. Die "Rote Karte" ist in diesem Fall der Dienstausweis  für die Aufgabe als Naturschutzwart. Dieser wurde den Revierförstern und Forstrangern diese Woche von Landesforstpräsident Utz Hempfling überreicht. Bei einem Termin in Gohrisch verteilte er die neuen Papiere. "Vielen Dank für Ihre wichtige Arbeit", sagte Hempfling. Die Präsenz in der Fläche sei in der aktuellen Situation wichtiger denn je. Nur so könne der Besucheransturm bewältigt werden. "Dafür braucht es mehr Personal", äußerte er. Das zu finanzieren, das hätte der Freistaat im Rahmen des Haushaltsplanes in der Hand.  

Das sind die häufigsten Verstöße

1. Wald ist kein Parkplatz

Im Wald Pilze suchen wollen und dafür mit dem Auto weit hinein fahren: Das müssen Förster und Ranger in der Sächsischen Schweiz derzeit wieder häufiger beobachten. "Mit den Autos werden dann gern Forstwege zugeparkt", sagt Kai Noritzsch vom Forstbezirk Neustadt. Mit fatalen Folgen. Denn dadurch werden Rettungswege für Notarzt oder Krankenwagen blockiert. Im Notfall kämen die Retter nicht weiter, um Verletzten helfen zu können. Die Mitarbeiter des Sachsenforstes notieren die Kennzeichen der Falschparker und Fahrer, die illegal im Wald unterwegs sind. Die Informationen werden anschließend an die zuständigen Behörden weitergegeben. Im besten Fall erwische man  die Autofahrer persönlich, um sie über den Verstoß aufzuklären. Viele hätten ähnliche Ausreden parat, wie Kai Noritzsch erzählt. Die beliebtesten: Ich habe gar kein Verbotsschild gesehen. Oder: Ach, das ist keine öffentliche Straße?

2. Wald ist kein Müllplatz

Es ist ein Dauerproblem, das in diesem Jahr besonders akut ist. Vor allem wegen der gestiegenen Besucherzahl. Aufgrund der Corona-Krise sind in diesem Sommer deutlich mehr Urlauber in der Nationalparkregion unterwegs. Einige erfreuen sich nicht nur an der Natur, sondern hinterlassen ganze Müllberge. "Flaschen, Dosen, Zigarettenstummel findet man sehr häufig. Manchmal auch Kühlschränke oder ganze Sofas", sagt Kai Noritzsch. Auch weggeworfene Taschentücher gehören beinahe zum Landschaftsbild. Doch obwohl Papiertaschentücher aus Zellstoff oder aus Altpapier hergestellt werden, sie haben einen Nachteil: Sie verrotten extrem langsam. Je nach Witterung dauert es zwischen drei und sechs Monaten, manchmal auch Jahre, bis ein Papiertaschentuch komplett zersetzt ist. 

Ein anderes Problem betrifft laut Sachsenforst Gartenabfälle, die sich um Kleingartenanlagen sammeln. Manche Sparten befinden sich nahe Wäldern. Der Bereich drumherum werde oft genutzt, um pflanzliche Abfälle illegal zu entsorgen. "Ganz nach dem Motto: innen hui, außen pfui", sagt Noritzsch überspitzt. 

3. Natur ist keine Toilette

Nicht nur Müll ist eine Hinterlassenschaft, über die Förster und Ranger häufiger stolpern. Noch unappetitlicher sei die menschliche Notdurft, die im Wald hinterlassen werde. "Fäkalien findet man häufig an Boofen und neben größeren Parkplätzen, auf denen vor allem Camper und Wohnmobile über Nacht stehen", erzählt Kai Noritzsch. Auch hinter Holzpoltern, die es wegen des Borkenkäferbefalls derzeit fast überall gäbe, würden sich Wanderer gern erleichtern. 

4. Illegale Feuer im Wald

Nicht nur für die Sächsische Schweiz gilt: Offenes Feuer und auch das Rauchen sind in allen sächsischen Wäldern verboten - generell und ganzjährig. Das bedeutet, auch Gaskocher und Kerzen sind tabu. Dass sich daran nicht immer gehalten wird, zeigt der Blick auf die Waldbrandstatistik von 2018: Damals gab es im Nationalpark insgesamt 19 Waldbrände. Der Großteil wurde durch illegale Feuerstellen ausgelöst. 

Feuer gemacht werden darf dennoch, allerdings nur an ausgewählten Feuerstellen und Grillplätzen. Insgesamt neun Stellen gibt es. Sie sind für die Feuerwehr gut zugänglich und dadurch weitgehend sicher. 

5. Ruhestörer im Brutgebiet

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Ausflügler im Wald bedeuten immer auch einen höheren Lärmpegel. Und dieser hat negative Auswirkungen auf die Tierwelt. Vor allem im Umkreis von Brutgebieten, zum Beispiel denen der Wanderfalken. Jedes Jahr werden deshalb Wanderwege gesperrt, damit die Tiere nicht bei der Brut und Aufzucht gestört werden. 

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