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Hightech bringt Sachsens Polizei schneller zum Einsatzort

Sachsen und Bayern entwickeln ein neues Infotainment-System für die Polizei. Das ist bundesweit einmalig - hat aber auch seinen Preis.

Innenminister Roland Wöller (neben dem Auto stehend) ist bei der Präsentation der neuen Digitaltechnik im Streifenwagen dabei.
Innenminister Roland Wöller (neben dem Auto stehend) ist bei der Präsentation der neuen Digitaltechnik im Streifenwagen dabei. © Ronald Bonß

Die sächsische Polizei hat allerhand aufgefahren, um ihr neuestes Kind angemessen zu präsentieren. In der geleckten Werkstatthalle auf dem Polizeiareal in der Dresdner Stauffenbergallee stört kein einziger Öltropfen das Auge des Besuchers. Vor einer Leinwand stehen ein BMW der bayrischen und ein VW Passat der sächsischen Polizei mit modernsten Sondersignalaufbauten auf dem Dach. Davor steht Sachsens Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar und setzt einen Notruf ab, er gibt einen Autofahrer, der soeben nicht ganz sanft einen Radfahrer aus dem Sattel geworfen hat.

Doch das, worum es gehen wird, sieht man nicht ohne Weiteres. Es ist die Technik in den Funkstreifenwagen und was sie leisten wird. 1.160 Notrufe gehen täglich bei der sächsischen Polizei ein, knapp 400 davon im Bereich der Polizeidirektion Dresden. Bei der Bewältigung dieses Aufkommens soll nun digitale Technik die Abläufe verschlanken. Das sogenannte Infotainment-System der Polizei (ISP) wird es den Beamten künftig ermöglichen, ihren Einsatzort schneller und sicherer zu erreichen und dabei helfen, Notfälle schneller abzuarbeiten – so sind sie auch schneller wieder für den nächsten Einsatz frei.

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Echtzeit-Abfrage aus der Datenbank

Im Kern handelt es sich dabei um ein digitales Update des schon vor gut zehn Jahren konzipierten „integrierten Funkstreifenwagens“. Die Fahrzeuge sind über Digitalfunk mit den Lagezentren vernetzt. Das Infotainment-System ermöglicht es, den Disponenten bei Eingang eines Notrufs sofort den nächsten freien Streifenwagen zu erkennen und zu alarmieren. Die Technik hat bei der Auswahl der freien Kollegen auch deren Anfahrtszeiten berücksichtigt, ehe sie angefunkt werden.

Mit einem Tastendruck erhalten die Beamten draußen die Zieladresse auf ihr Navigationssystem und alle anderen relevanten Informationen – egal, ob sie nun zu einem Verkehrsunfall gerufen werden, einer Auseinandersetzung oder einer anderen Gefahrenlage. Ein Smartphone mit einem polizeieigenen Messenger-Dienst und ein Laptop, die mit W-Lan und Bluetooth mit dem Streifenfahrzeug verbunden sind, ergänzen das System. Wenn die Polizisten vor Ort etwa an einer Unfallstelle mit dem Handy ein Foto aufnehmen, wird das automatisch in der digitalen Einsatzbearbeitung eingespielt und ist auch im Lagezentrum zu sehen.

Polizeipräsident Horst Kretzschmar demonstrierte die neue Technik vor Ort.
Polizeipräsident Horst Kretzschmar demonstrierte die neue Technik vor Ort. © ronaldbonss.com

Das Gleiche gilt für alle anderen Informationen, die die Beamten bei ihrer Sachbearbeitung aufnehmen. Mit den Geräten lassen sich auch in Echtzeit Informationen aus Polizeidatenbanken abfragen. Darüber hinaus können die Beamten auch Sondersignale auf dem Dach fernsteuern. So können die Beamten etwa vor Staus oder anderen Gefahren warnen, ohne dass sie bei der Unfallaufnahme zurück zum Auto müssen.

Es komme darauf an, die kostbaren Minuten dazuzugewinnen, „um Leben zu retten, Menschen und Gesundheit zu schützen“, sagte Innenminister Roland Wöller (CDU). Das System führe zu einem Mehr an Sicherheit sowie zu einer schnelleren und professionelleren Hilfe.

Bundesweit nichts Vergleichbares

In den nächsten zwölf Monaten sollen 165 neue Funkstreifenwagen in allen sieben Polizeidirektionen Sachsens mit IPS ausgestattet werden. Die Kosten für das in drei Jahren entwickelte System liegen nach Ministeriumsangaben bei rund 4.500 Euro pro Auto. Bundesweit gebe es nichts Vergleichbares, sagte Projektleiter Tino Korks. Bis 2025 sollen 500 sächsische Polizeiautos ausgerüstet sein, doch ob die Fristen gehalten werden können, ist aufgrund der weltweiten Lieferprobleme der Halbleiterindustrie unklar.

Das Projekt wurde gemeinsam mit der bayrischen Polizei entwickelt. Dank der sächsischen Vorarbeit für den integrierten Funkstreifenwagen, sei die Projektierung sehr schnell möglich gewesen. Die Bayern haben sich vor allem um die Ausschreibung gekümmert. Den Zuschlag bekam die Firma Germantronic aus der Nähe von Ingolstadt. Deren System könne nun in so gut wie jeden Funkstreifenwagen eingebaut und dessen Bordelektronik für die polizeilichen Zwecke erweitert werden, so Projektleiter Andreas Ponath vom Polizeipräsidium Mittelfranken in Nürnberg.

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