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Sachsens Kiwi-König ist wieder da

Zum Markttag gibt es was Besonderes. Ein Züchter aus Chemnitz reist mit Romeo, Julia und Bingo an.

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© privat

Von Jürgen Müller

Staucha. Der Markttag im Staucha hat sich längst etabliert. Einmal im Monat immer sonnabends bieten Direkterzeuger aus der näheren und weiteren Umgebung ihre frischen Produkte feil. An diesem Sonnabend ist es wieder soweit. Doch diesmal gibt es neben Bewährtem wieder etwas Besonderes: Sachsens „Kiwi-König“ Manfred Merkel aus Chemnitz ist zum letzten Mal in diesem Jahr mit einem Stand vertreten. Dort bietet er winterharte Sachsenkiwis an, die er in vielen Jahren selbst gezüchtet hat.

Bereits bei seinem ersten Besuch beim Stauchaer Markttag vor zwei Jahren war Merkel von Erfolg überwältigt. „Schon am Mittag waren wir ausverkauft“, sagt der 76-Jährige. Entsprechend viele Pflanzen hatte er beim nächsten Anlauf im Gepäck. Und es gibt wieder neue Sorten. Eine davon heißt „Bingo“, trägt grüne Früchte und hat zwei rote „Bäckchen“.

Viel Geduld ist nötig

Das Besondere an seinen „Sachsen-Kiwis“; Sie sind winterhart, können also in jedem Garten angebaut werden. Doch bis sie Früchte tragen, dauert es ein paar Jahre. Hobbygärtner brauchen deshalb nicht nur den geeigneten Boden und Standort, sondern vor allem Geduld. Auch zum Anbau wird am Sonnabend wieder beraten.

Seit über 30 Jahren beschäftigt sich Werner Merkel, der auch der „Kiwi-König von Sachsen“ genannt wird, intensiv mit der Familie der Actiniden. Vor allem züchtet er leistungsfähige Sorten, die sich für das mitteleuropäische Klima eignen. 2004 wurde die „Sachsenkiwi“, die von der Baumschule Sämann in Bautzen produziert wird, in den Handel gebracht.

Die „Sachsen-Kiwi“, auch Kiwei genannt, stammen aus dem nördlichen Asien. Die Sorten tragen solch verführerische Namen wie Romeo und Julia. Deren Früchte sind zwar kleiner als die der behaarten Kiwi, können dafür mitsamt der zarten Fruchthaut verzehrt werden. Tragen die Pflanzen erst einmal, beginnt die Ernte Ende September und geht bis Ende Oktober.

Dass der Markt bereichert wird, darüber freut sich auch Marktleiterin Ines Schmetzer. „Am Markttag im Juli war die Nachfrage nach den winterharten Kiwipflanzen so groß, dass der Züchter nicht nur mit einem leeren Auto nach Hause gefahren ist, sondern auch mit einem großen Zettel an Bestellungen. Er wird deshalb am 3. September noch einmal nach Staucha kommen. Dann können die Bestellungen abgeholt werden, und er bringt natürlich auch noch mehr Pflanzen mit. Also kann jeder, der es im Juli nicht geschafft hat, nun noch einmal die Gelegenheit nutzen und sich die begehrten Pflanzen für seinen Garten holen“, sagt sie.

Manfred Merkel ist zu seinen Züchtungen mehr oder weniger durch Zufall gekommen. Von beruflichen Reisen, die ihn auch ins Ausland führten, brachte er Pflanzen und Samen mit, kreuzte sie, experimentierte. Heute pflanzt er auf seinem 1 600 Quadratmeter großen Grundstück in Chemnitz die verschiedensten Kiwi-Pflanzen an. Der „Kiwimann“ ist beim Markttag aber nicht nur da, um Pflanzen an den Mann oder die Frau zu bringen. Er wird wieder alle Fragen zum Anbau dieser Kultur zu beantworten. „Wer also Probleme hat, kann seine Blätter und Triebe zur Beurteilung mitbringen“, so Ines Schmetzer.

Die „Kiwi Berry“, das Bio-Obst für Garten und Erwerbsobstanbau, liegt im Trend mit gesundem Fruchtangebot in Bezug auf den Inhalt an Vitalstoffen und der chemiefreien Kultur. Es sind Beeren, die in der Fruchtgröße, in der Erziehung und im Schnitt mit dem Wein vergleichbar sind. Das Wurzelsystem gleicht aber mehr der Himbeere und verlang dieselben Standortbedingungen. „Dort, wo Himbeeren erfolgreich kultiviert werden, bringt auch diese neue Beerenart hohe Erträge“, sagt Rita Brauns, die Tochter von Manfred Merkel. 18 bis 25 Kilogramm pro Pflanze, nach dem Aufbau des Rankensystems, schaffe jede Fruchtsorte nach der Jugendphase.

Die Erntezeit einer Kiwisorte geht in etwa über einen Zeitraum von vier Wochen. Die Früchte im Schatten unter dem Blätterdach reifen zuerst, die Früchte in der prallen Sonne reifen später. Die Pflanzen vertragen sonnige Plätze, halbschattige Plätze und selbst schattige Plätze. „Man sollte für die Anpflanzung gleiche Bedingungen wählen, männlichen und weiblichen Pflanzen gleich einen sonnigen, halbschattigen oder schattigen Platz geben, damit sie durch gleiche Bedingungen zur gleichen Zeit optimalerweise blühen“, empfiehlt Rita Brauns.

Neun neue Sorten

Um den steigenden Anforderungen an guten Sorten gerecht zu werden, sind in den letzten Jahren neue Fruchttypen aus deutscher und polnischer Zucht eingeführt worden. Allein von Werner Merkel aus Chemnitz stammen neun Sorten, die in der Landesanstalt für Weinbau in Veithöchstheim bei Würzburg auf Leistungsfähigkeit über Jahre geprüft und gemeinsam mit den Fachbetrieben für die Vermehrung selektiert worden sind. Diese Sorten werden als „Kiwi Berry“ bezeichnet, um den etwas abwertenden Namen „Mini-Kiwi“ abzulösen, aber auch den Unterschied zur Handelsfrucht „Kiwi“ deutlich zu machen.

Ein weiterer deutlicher Unterschied zur Kiwi ist die Winterhärte der beerenartigen Kiwi-Arten aus den Wäldern Sibiriens und Nordchinas. Die Pflanzen der neuen Sorten „Kiwi Berry“ überstehen selbst Temperaturen von minus 30 Grad Celsius.

Der Markttag findet am Sonnabend, dem 3. September, von 9 bis 14 Uhr im Rittergut Staucha statt.